Heiko Wal­ken­horst, die TSG Hof­fen­heim hat eine neue Sta­di­onhymne. Was stört Sie daran?

Haben Sie sich das mal ange­hört?

Noch nicht kom­plett.

Ich sing ihnen mal einen Abschnitt vor. (singt) »Manchmal denkst Du, Du bist in einem Traum, der nie zu Ende geht. Auf einmal spürst Du – und glaubst es kaum – , dass du diesen Traum erlebst. Und dann schwörst Du immer Treue auf unseren Dorf­verein.«



Ist doch nied­lich!

Viel­leicht wenn wir beide am Lager­feuer sitzen und nach ein paar Jäger­meis­tern zu den Gitarren greifen. Aber nicht mit 30.000 Zuschauern in einem Fuß­ball­sta­dion!

Nein?

Nein.

Zu dem Abschnitt »Manchmal denkst Du, Du bist in einem Traum, der nie zu Ende geht.« haben Sie eine Text­ex­egese ver­fasst.

Kor­rekt: »Puber­täts­poesie. Schön für eine Gruß­karte eines Teenie-Ver­lags an eine Neu-Abon­nentin, aber nicht für ein Sta­dion vor einem Spiel als moti­va­tions- und iden­ti­fi­ka­ti­ons­stif­tendes Ele­ment.«

Wer ist über­haupt für das Lied ver­ant­wort­lich?

Vor einigen Wochen gab es ein Fan­treffen der Mit­glieder im Fan­dach­ver­band – zu dem wir vom Aka­de­mi­kerfan­club übri­gens nicht gehören. Dort haben »Die Chefs«, eine lokale Band, eben dieses neue Lied ein­ge­spielt. Vor dem Heim­spiel gegen Bayern Mün­chen lief dann erst der alte Gas­sen­hauer, dann das Badener Lied und als wir uns die letzte Rut­sche Bier vor dem Spiel holen wollten prangte auf der Anzei­gen­tafel: »Unser Fan­lied!«

Wie haben Sie reagiert?

Über­rascht. Sehr über­rascht. Peter Maffay wollte ich eigent­lich nie mehr in einem Sta­dion hören.

Peter Maffay?

Die Melodie scheint gna­denlos von »Und es war Sommer« kopiert worden zu sein. »Unsre Hoff­nung, unsre Heimat, unsre Liebe: 18hundert99 TSG! Läs­terei und Nei­derei gehn uns am Arsch vorbei, 18hundert99 TSG!« Und jetzt mit Maffay unter­legt. Stellen sie sich das mal vor!

Lieber nicht. Wie hat denn der Rest der Hof­fen­heimer Fan­szene reagiert? Gab es Tumulte und Ran­dale?

Im Gegen­teil: Die meisten scheinen das tat­säch­lich zu mögen. Wir müssen uns wohl darauf ein­stellen, dass das jetzt alle zwei Wochen läuft…

Schon die erste Hymne »Wir sind Hoffe« traf nicht unbe­dingt auf Ihre Gegen­liebe. Herr Wal­ken­horst, jetzt müssen Sie sich aber mal ent­scheiden!

Habe ich ja bereits.

Ach? Und wer macht das Rennen?

Das Badener Lied. Ein Klas­siker, ideal zum Mit­grölen im Sta­dion. Es gab zwar im Verein Vor­be­halte, weil Sins­heim im badi­schen Grenz­ge­biet zum Schwa­ben­ländle liegt, aber wer nach Eng­land kommt, fut­tert doch auch Fish&Chips.

Das heißt?

Die Schwaben, die zu uns Gelb­füß­lern nach Baden kommen, um Fuß­ball zu gucken, müssen eben auch das Badener Lied akzep­tieren. So ein­fach ist das.