Seite 2: „Das hat ihn mental fertig gemacht“

Was hat Sie davon abge­halten?
Meine Familie. Alle lieben Fuß­ball. Es wäre unmög­lich gewesen, nach Hause zu kommen und meinem Vater zu sagen: Papa, ich höre auf…“

Hat ihr Vater selber gespielt?
Ja, zunächst im Kongo, danach suchte er sein Glück in Europa und spielte in Lüt­tich. Aber als er 24 Jahre alt war, ver­letzte er sich schwer am Bein. Damals war die Medizin noch nicht so weit, meh­rere Ope­ra­tionen gingen schief. Danach musste er seine Kar­riere beenden.

Und trotzdem wollte er, dass Sie Profi werden?
Nein. Anfangs, das hat mir meine Mutter erst später ver­raten, war er kom­plett dagegen. Er wollte nicht, dass ich mal Ähn­li­ches durch­lebe wie er. Die Ver­let­zung, das Kar­rie­re­ende, all das hat ihn mental fertig gemacht. Das wollte er mir ersparen.

Mit 17 Jahren ver­ließen Sie ihr zu Hause, um sich über die U19 des Dritt­li­gisten LB Châ­teau­roux doch noch für den Pro­fi­be­reich zu emp­fehlen. Fiel es Ihnen schwer, ihr ver­trautes Leben hinter sich zu lassen?
Nein, so habe ich das nie gesehen. Kum­pels aus dem Viertel haben schon als 13-Jäh­rige ihre Fami­lien ver­lassen, um Fuß­baller zu werden. Ich war immerhin 17 Jahre alt. Da ist man ja fast erwachsen. Und an den Wochen­enden, min­des­tens zu jedem Heim­spiel, kam sowieso meine Familie zu mir, meine vier Schwes­tern, meine Mutter. Schwer fiel mir der Schritt also nicht, im Gegen­teil: Ich war froh, dass mich ein pro­fes­sio­neller Klub über­haupt wollte.

Schon zwei Jahre später wollte Sie dann Olym­pique Lyon. Für mehr als vier Mil­lionen Euro wech­selten Sie zu einem der größten fran­zö­si­schen Klubs.
Doch dort ließen sie mich nur schuften. Ich sollte an meiner Koor­di­na­tion arbeiten, meinen Körper ent­wi­ckeln. Sie wollten mir zeigen, wie es bei den Großen läuft. Gleich­zeitig saß ich aber nur auf der Bank oder spielte in der zweiten Mann­schaft. Darauf hatte ich keine Lust. Also nutzte ich die erste Gele­gen­heit, um mich ver­leihen zu lassen.

Nach Le Havre. Wo Sie im ver­gan­genen Jahr gleich 17-mal in der Ligue 2 trafen. Kann man das eigent­lich lernen, so zu knipsen wie Sie?
Sicher­lich kann man bestimmte Aspekte dazu­lernen. Aber ich sage: Man wird als Stürmer geboren. Du kommst auf die Welt und gierst nach Toren. Ich wollte schon als kleiner Knirps treffen, meine Mann­schaft retten, in engen Spielen das Siegtor machen und der sein, dessen Name von den Fans gebrüllt ist.

Gibt es einen deut­schen Stürmer, den sie als Jugend­li­cher bewun­dert haben?
Ja, Mario Gomez.

Gomez hatte in Deutsch­land seine gesamte bis­he­rige Kar­riere über viele Kri­tiker, weil er tech­nisch nicht der Stärkste ist.
Na und? Er ist eine Tor­ma­schine. Und das ist es, was ich liebe.

Der deut­sche Stürmer Thomas Brdaric hat mal gesagt, er würde lieber 4:4 spielen und dabei vier eigene Treffer erzielen, statt 1:0 zu gewinnen ohne eigenes Tor. Wie sehen Sie das?
Moment: Das hat er gesagt? Natür­lich ist ein 1:0‑Sieg besser, weil drei Punkte besser sind als einer. Das ist für mich ganz simpel.