Seite 3: „Teilweise sind 40 Leute von mir auf der Tribüne“

Seit diesem Sommer stürmen Sie für Mainz in der Bun­des­liga. Wie unter­scheidet sich der Fuß­ball in Deutsch­land von dem in Frank­reich?
In Deutsch­land ist die Inten­sität höher. Es geht alles viel schneller. In Frank­reich hatte ich mehr Zeit, den Ball zu kon­trol­lieren und ihn auch ein biss­chen zu halten. In Deutsch­land bekommst du sofort Druck. Sogar der Tor­wart wird ange­laufen.

War es schwer für Sie, sich daran zu gewöhnen?
Ja, vor allem zu Beginn im Trai­ning. Ich musste schneller im Kopf werden. Aber der Trainer hat viel mit mir gespro­chen, außerdem habe ich geschaut, wie es meine Team­kol­legen machen. Das hat geholfen. Außerdem wird man, wenn man wie ich das Fuß­ball­spielen vor allem auf der Straße gelernt hat, auto­ma­tisch zum Kämpfer.

Wie meinen Sie das?
Wo auch immer ich in meiner Kar­riere gelandet bin, überall waren fast aus­schließ­lich Jungs dabei, von denen ich dachte: Sie haben eine umfas­sen­dere fuß­bal­le­ri­sche Aus­bil­dung, sie sind tech­nisch kom­pletter, sie können dieses und jenes besser als ich. Doch genau dann kam stets der Punkt, an dem ich mir sagte: Jetzt werde ich sie erst Recht zer­stören. Ich hatte grö­ßeren Hunger.

Wer war bisher Ihr här­tester Gegen­spieler in der Bun­des­liga?
Mein Kol­lege aus der fran­zö­si­schen U21-Natio­nal­mann­schaft Dayot Upa­me­cano. Das war ein hartes Spiel gegen ihn.

Bis­lang stehen Sie bei fünf Sai­son­toren. Wie viele müssen Sie noch machen, bis fran­zö­si­sche Rapper in ihren Videos statt Bar­ce­lona- oder PSG-Trai­nings­an­zügen einen von Mainz 05 tragen?
Eine genau Zahl kann ich Ihnen nicht nennen. Aber wenn wir als Team nach und nach oben angreifen, warum nicht? Man muss erfolg­reich sein, dann tragen die Jungs auch deine Sachen.

Fehlt Ihnen Ihre Heimat?
Nein, über­haupt nicht. Denn auch hier in Mainz bekomme ich dau­ernd Besuch. Meine Mutter, meine Geschwister und auch viele Freunde kommen regel­mäßig zu den Spielen, teil­weise sind 40 Leute von mir auf der Tri­büne. Die Mit­ar­beiter hier im Verein sehen meine Mutter genauso oft wie mich. Ich musste nicht mal für die Fei­er­tage nach Frank­reich fahren.