Markus Bon­gartz, ein Fes­tival mit Musik und Sport zu ver­binden klingt erstmal eher unge­wöhn­lich. Wie haben Sie sich das vor­ge­stellt?
Wir planen sechs Ver­an­stal­tungen. Die Ver­bin­dung zwi­schen Sport und Musik liegt in erster Linie in der Per­for­mance. Sowohl musi­ka­li­sche Auf­tritte, als auch sport­liche Wett­kämpfe, beinhalten eine gewisse Thea­tralik. Eine Kunst­form. Die Beson­der­heit bei unseren Ver­an­stal­tungen liegt darin, Töne und Klänge dar­zu­stellen, auf die man sonst nicht achtet.

Also liegt der Schwer­punkt eher auf der klas­si­schen Musik?
Nicht aus­schließ­lich. Denkbar sind auch com­pu­ter­ge­stützte Klänge. Aber der Schwer­punkt liegt in der klas­si­schen Musik, in der neuen Musik.

Fuß­ball und klas­si­sche Musik. Deftig versus Eti­kette. Auf den ersten Blick gibt es, abge­sehen von der Cham­pions-League Hymne, wenige Gemein­sam­keiten. Wo sehen Sie Über­ein­stim­mungen?
Das Kör­per­liche! Auch die klas­si­sche Musik ist etwas sehr kör­per­li­ches mit einer unheim­li­chen Inten­sität. Quasi eine Rück­bin­dung von etwas Arti­fi­zi­ellem. 
Gerade in der Jugend­ar­beit wird in beiden Berei­chen unheim­lich hart gear­beitet um letzt­lich erfolg­reich zu sein. Aber der Unter­schied zum Sport ist, dass man den Erfolg messen kann. Auch wenn Fuß­ball noch so schön ist, am Ende kommt es darauf an, wer mehr Tore geschossen hat. Manchmal ist Fuß­ball so furchtbar unge­recht.

Sind Sie selbst Fuß­ballfan oder haben aktiv Fuß­ball gespielt?
Nein, gespielt habe ich nie. Ursprüng­lich komme ich aus Mön­chen­glad­bach und bin dem­entspre­chend Glad­bach-Fan. Und ich war auch schon im Sta­dion.

Sie würden aber nie wieder hin­gehen, weil Scooter„ als Tor­jingle zu viel des Guten war?
Doch natür­lich. Das gehört doch dazu! Ich habe auch kein Pro­blem mit irgend­einer Art von Musik. Pri­mi­ti­vität ist auch schön. Das Pseudo-Pro­le­ta­ri­sche hat mich eigent­lich nie gestört. Aber eines stört mich schon!

Und das wäre?
Die Unver­hält­nis­mä­ßig­keit der Popu­la­rität zwi­schen Musi­kern und Fuß­bal­lern. Auf­merk­sam­keit und Popu­la­rität will doch jeder. Darum wird es bei unserer Ver­an­stal­tung auch gehen: Inwie­weit spielt, mit Blick auf den Sport, auch Neid bei den Musi­kern eine Rolle.

Gibt es zwi­schen beiden Berei­chen Ihrer Mei­nung nach noch das klas­si­sche Schub­laden-Denken? Oder anders gefragt: Wie sollte man dem Kut­ten­träger aus der Kurve Chopin schmack­haft machen?
Das Schub­laden-Denken gibt es doch eigent­lich gar nicht mehr. Von beiden Seiten aus. Die sub­tile Denk­weise, dass man schon vor dem Spiel einen halben Kasten Bier getrunken hat und im geschützten Raum rum­grölen kann, ist zwar schön, ent­spricht aber doch nicht wirk­lich dem Natu­rell der Men­schen. Im Alltag sind die Men­schen nochmal ganz anders. So pri­mitiv ist der Fuß­ball nicht.

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Für die Ver­an­stal­tung Spiele 2012 - eine thea­trale Begeg­nung von Neuer Musik und Sport mit dem ensemble united­berlin sowie Leis­tungs­sport­lern und ‑sport­le­rinnen des Olym­pia­stütz­punktes Berlin am 09.12.2012, ver­lost die Ber­liner Gesell­schaft für Neue Musik e.V. 5×2 Karten. Schickt ein­fach eine Mail mit dem Betreff sport­stücke“ an bureau@​3berlin.​de.