Spät in der Nacht, als der erste große Schock über­standen war, ver­sam­melten sich trau­ernde Fuß­ball­fans an den Toren des Sta­dions in Samara. Sie legten Blumen und Brumm­kreisel ab, lagen sich wei­nend in den Armen und wälzten sich in Gedenken an den schwer ver­letzten Super­star Neymar mit schmerz­ver­zerrtem Gesicht auf dem Boden. Fas­sungs­lo­sig­keit herrschte.

Ihnen allen ging diese fürch­ter­liche Szene aus der 71. Minute des Ach­tel­fi­nals zwi­schen Bra­si­lien und Mexiko nicht aus dem Kopf. In einem scheinbar nor­malen Zwei­kampf war Bra­si­liens Super­star Neymar an der Sei­ten­line zu Boden gegangen. Als sein Gegen­spieler Miguel Layun ihm den Ball aus den Händen nehmen wollte, kam es zur Tra­gödie. Mit dem rechten kleinen Zeh stieg Layun für meh­rere Mil­li­se­kunden auf Ney­mars Bein, eine Szene bis­lang unbe­kannter Grau­sam­keit.

Ein Wunder, dass Neymar nicht ver­starb

Unter Schmerz wälzte sich Neymar hin und her, warf schreiend den Kopf in den Nacken, am Fern­seher meinte man, meter­hohe Blut­fon­tänen zu sehen. Gestan­dene Sani­täter mussten sich bei dem fürch­ter­li­chen Anblick über­geben, Kinder weinten, ein Augen­zeuge bezeich­nete die Szene später als schlimmer als Verdun 1916“. Die Erst­ver­sor­gung mit Eis­spray erfolgte umge­hend, kurz­fristig wurde eine Ampu­ta­tion des Beines in Erwä­gung gezogen, um den Schaden ein­zu­grenzen. Experten waren sich später einig: Dass Neymar da Silva Santos Junior nicht noch an der Sei­ten­linie an den Folgen seiner schweren Ver­let­zung ver­starb, grenzte an ein Wunder.

Der genaue Unfall­her­gang wird der­weil noch rekon­stru­iert. Wir wissen noch nicht, ob es die Schramme am Knö­chel war oder doch das Schleu­der­trauma durch Ney­mars Hin- und Her­wälzen, das zu den schweren Schäden führte, sagte Ney­mars per­sön­li­cher Arzt Dr. tut. weh. Gern­hart Über­treiben. Klar ist aber auch: Durch die stän­digen, hef­tigen Angriffe auf seine Gesund­heit, denen Neymar wäh­rend der Spiele aus­ge­setzt ist, war sein Körper ohnehin schon schwer in Mit­lei­den­schaft gezogen. Der Junge hatte Wunden, die ich sonst nur von Kriegs­op­fern kenne. 

Segel­flug­schein mit Arjen Robben

Und der Übel­täter? Noch im Kabi­nen­trakt wurde Layun von der rus­si­schen Polizei fest­ge­nommen, der bra­si­lia­ni­sche Staat for­dert seine Aus­lie­fe­rung. Ihm droht eine Anklage wegen fahr­läs­siger Mini-Berüh­rung mit Fast-Todes­folge.

Die Anteil­nahme ist gewaltig. Bereits kurz nach dem Unglück tren­dete der Hashtag #pray­for­neymar auf Twitter. Auch Größen aus der Fuß­ball­welt zeigten sich bestürzt. Andy Möller mel­dete sich umge­hend mit einem State­ment zu Wort: Er hat fort­ge­führt, was ich einst ange­fangen habe. Danke dafür. Auch Arjen Robben trat vor die Kamera: Er war wie ein Sohn für mich. Erst voriges Jahr haben wir gemeinsam den Segel­flug­schein gemacht.