Roy Präger, darf man fragen, in wel­chen Zau­ber­trank Sie vor dem Spiel gegen die Hertha aus Berlin gefallen waren?

Nix Zau­ber­trank, ich war ganz gut moti­viert durch die Hertha-Fans.

Warum?

Nun ja, die Ber­liner Zuschauer und meine Person hatten schon damals eine ganz inten­sive Ver­gan­gen­heit. Gegen Hertha habe ich eigent­lich immer ein Tor gemacht und dann auch noch die wich­tigen. Das haben die mir krumm genommen und mich schon vor dem Spiel mit »Präger, du Arsch­loch« begrüßt.

 

Und das hat Sie dazu ver­an­lasst, in knapp 40 Minuten drei Tore zu schießen?

Das und die Euphorie aus den Spielen davor. In meinem ersten Spiel für den HSV habe ich gegen die Bayern getroffen, gegen Stutt­gart am zweiten Spieltag wurde mir zu Unrecht ein Tor aberkannt. Ich wollte es allen beweisen, dass Ham­burg mit Roy Präger einen guten Kauf gemacht hatte.

Das Spiel gegen Hertha fing gut an für Ihren neuen Klub. Nach zwei Minuten traf Bernd Hol­ler­bach mit einem knall­harten Links­schuss, und in der 24. Minute waren Sie dann das erste Mal zur Stelle…

Stopp! Vorher hatte ich schon eine Szene, der Ball war schon an Kiraly im Ber­liner Tor vorbei und wäre ins Tor gekul­lert, aber Tony Yeboah musste den Ball noch über die Linie treten. Und der stand im Abseits. 

Wie ärger­lich!

Naja, so sind Stürmer eben.  

Beim 2:0 pro­fi­tierten Sie von einem wun­der­schönen Pass von Car­doso, der Ihnen den Ball per Außen­rist­lupfer über die Ber­liner Ver­tei­di­gung in den Lauf spielte…

Das war große Klasse, die Hertha-Spieler rannten aus ihrem Straf­raum, ich bekomme den Ball von Rodolfo, nehme ihn per­fekt an und schiebe ihn Kiraly durch die Beine. Was für eine Genug­tuung! 

Anschlie­ßend sind Sie direkt vor die Kurve der Hertha-Fans gerannt und haben sich auf Knien rut­schend dem Ber­liner Anhang prä­sen­tiert. War das eine von vorn­herein geplante Aktion?

Seine Tore feiert man nun mal. Zufällig fiel das Tor auf der Seite, zufällig bin ich nach rechts gelaufen, wo zufällig die Hertha-Fans standen, die mich vorher zufällig beschimpft hatten. Ganz spontan also. 

Ganz spontan fiel dann in der 41. Minute das 3:0. Marcel Reif stot­terte ergriffen in sein Mikro­phon: »Ein unver­froren läs­siges Tor von Roy Präger!« Was haben Sie da denn gemacht?

Ich weiß noch, dass ein langer Ball aus der Mitte kam und ich im Lauf­duell gegen Her­thas Sixten Veit die Kugel behauptet habe. Kurz bevor ich schießen wollte, kam Sixten aber noch einmal an mich heran, also habe ich die Pike benutzt und der Ball kul­lerte irgendwie ins Tor. Da war viel Glück dabei, kann ich ja jetzt zugeben.  

Und danach: wieder in die Kurve und den guten alten Jubel mit der Hand hinter das Ohr…

Ganz genau. Das Bild war dann später rie­sen­groß auf Pla­katen vom NDR überall in Ham­burg zu sehen. Ein Poster habe ich sogar noch in meinem Zimmer hängen. 

Nach der Pause hält Jörg Butt den Elf­meter von Preetz, und Ihnen gelingt in der 67. Minute das dritte Tor. Wieder mit einer aus­ge­fal­lenen Jubel­pose im Abgang. Diesmal küssten Sie Ihrem Mit­spieler Mehdi Mah­da­vikia die Füße…

Natür­lich nur aus Dank­bar­keit! So häufig pas­siert das nicht mehr, dass dir ein Mit­spieler den Ball so unei­gen­nützig vor­legt, da wollte ich mich bei Mehdi bedanken. Drei Tore in einem Spiel! Das habe ich danach nie wieder geschafft. Mehdi hatte mir den Ball wenige Meter vor dem Tor so maß­genau auf­ge­legt, dass ich nur noch ein­schieben musste. Der war ein Team­spieler, wie wir eigent­lich alle damals in der Mann­schaft. 

In der 74. Minute konnten Sie dann den warmen Applaus genießen, als Frank Pagels­dorf Sie für Jacek Dem­binski vom Platz holte. Ein schönes Gefühl, oder?

Ich sag ihnen, wie es wirk­lich ist: gerne gehe ich jeden­falls nicht vor­zeitig vom Platz! Schon gar nicht in diesem Spiel gegen Berlin. Drei Tore, ein Super-Lauf, immer noch fit – da will ich nicht auf die Bank, da will ich denen noch ein viertes Tor ein­schenken. Den Applaus des Publi­kums habe ich natür­lich trotzdem genossen. 

Wenn Sie so auf dem Platz sieht, vor allem nach dem Spiel gegen Hertha: wie schaffen Sie es die Emo­tionen wieder auf ein Normal-Maß her­unter zu schrauben?

Wer mich kennt, der weiß, dass ich nach dem Spiel nicht groß rum­tröte. Das kann ich kurz und still genießen und dann geht es weiter. 

Muss man eigent­lich als Profi auch diverse Runden schmeißen, wenn man drei Tore in einem Spiel erzielt?

Ich habe sicher­lich mal eine Runde auf dem Mann­schafts­abend aus­ge­geben, aber eher zum Ein­stand und nicht wegen der drei Tore. Ich kenne das eher aus der Bezirks­liga, wo ich aktuell für den TSV Heh­lingen aktiv bin: wenn der Kapitän aus­ge­wech­selt wird, dann gibt er eine Kapi­täns­binde dem Spieler, der noch nie Kapitän war. Und warum? Na klar: Kasten Bier! Ich kann ihnen ver­si­chern: im Profi-Bereich ist das nicht so.  

Wie ist denn Ihre Tor­quote in der Bezirks­liga?

Ich spiele Vie­rer­kette.  

Vie­rer­kette?

Klar! 

Wieso?

Hinten ist am besten. Da habe ich meine Ruhe.