Roger Schmidt ist der Magier der Bun­des­liga. Nicht etwa, weil er als Trainer seine Mann­schaft zu zau­ber­haften Leis­tungen antreibt. Son­dern, weil er einen Klas­siker der Zau­ber­branche per­fek­tio­niert hat: den Ent­fes­se­lungs­trick. Immer wenn man dachte, aus dieser Schlinge könne sich Schmidt nicht mehr befreien, löste sich der Knoten wie von Zau­ber­hand.

Das einzig Bestän­dige an Bayer Lever­kusen in dieser Saison ist die Unbe­stän­dig­keit. Nach zwei Bun­des­liga-Siegen folgten nun ein 2:4 gegen Atle­tico Madrid und am Wochen­ende ein 0:2 gegen den FSV Mainz 05. Woher kommt diese Unbe­stän­dig­keit? Fünf Thesen zu Lever­ku­sens Haupt­pro­blem in dieser Saison.

1. Lever­kusen presst nicht mehr wie früher
Voll­gas­fuß­ball: Das ist es, was sich Bayer Lever­kusen von Roger Schmidt ver­spro­chen hat. In den ersten beiden Jahren hielt er dieses Ver­spre­chen, in der aktu­ellen Saison nur noch stel­len­weise. Lever­kusen ver­sucht nach wie vor, im 4−4−2 die Räume dicht zu halten und den Ball mög­lichst hoch im Mit­tel­feld zu erobern, um dar­aufhin schnell vor das geg­ne­ri­sche Tor zu gelangen.

Nur wird dieses Pres­sing lascher und unsau­berer aus­ge­führt als früher. Die Abstände der Mann­schaft stimmen nicht immer, auch das Nach­rü­cken funk­tio­niert nicht mehr so, wie Schmidt sich das vor­stellt. Lever­kusen kann immer noch auf gutem Niveau ver­tei­digen – nicht mehr aber auf dem höchsten. Das wiegt umso schwerer, als dass Schmidt gegen den Ball fest an seinem 4−4−2 hängt und keinen Plan B kennt.

2. Die Außen­ver­tei­diger sind Schwach­stellen
Lever­kusen tut sich in dieser Saison vor allem auf den Flü­geln schwer. Die Außen­stürmer haben unter Schmidt tra­di­tio­nell die Auf­gabe, etwas ins Zen­trum zu rücken. Die Außen­ver­tei­diger sollen die Flügel beackern und für Breite sorgen. Grund­sätz­lich ist Bayer Lever­kusen auf dieser Posi­tion nicht schlecht auf­ge­stellt: Wen­dell, Ben­jamin Hen­richs und Tin Jedvaj gelten als große Talente. Sie bestechen vor allem mit ihrer hohen Dynamik.

Aller­dings reicht dies inner­halb des Lever­ku­sener Sys­tems nicht. Gerade gegen den Ball müssen sie häufig aus der Abwehr­kette rücken, um die auf­rü­ckenden Außen­ver­tei­diger des Geg­ners auf­zu­nehmen. Hierbei man­gelt es den Außen­ver­tei­di­gern man­ches Mal am Timing. Ihr Her­aus­rü­cken wird zudem schlecht abge­si­chert. So gelingt es diese Saison vielen Geg­nern, die Lever­ku­sener über die Flügel zu kna­cken.