Der SV Werder Bremen hatte gerade erst auf ziem­lich depri­mie­rende Weise mit 1:4 in Mön­chen­glad­bach ver­loren, da bat Bre­mens Sport­di­rektor Frank Bau­mann bereits inständig, man möge jetzt doch bitte keine Per­so­nal­dis­kus­sion führen, im übrigen sei man von Viktor über­zeugt“. Am glei­chen Abend jedoch war es eben jener Frank Bau­mann, der mit den Gre­mien des Klubs eine inten­sive Per­so­nal­dis­kus­sion führte, an deren Ende alle gar nicht mehr so sehr von Viktor über­zeugt waren. Fol­ge­richtig wurde der Coach am Sonn­tag­morgen beur­laubt. 

Ein Vor­gang, der wieder einmal Rätsel auf­wirft: Warum bringen sich Bun­des­liga-Funk­tio­näre eigent­lich immer wieder völlig unnötig in die Situa­tion, nur wenige Stunde später gerade erst im Brustton der Über­zeu­gung ver­kün­dete Dementis und Unwahr­heiten kor­ri­gieren zu müssen? Warum ist Frank Bau­mann am Sams­tag­abend nicht ein­fach an den war­tenden Repor­tern vor­bei­ge­gangen? Oder hat auf ent­spre­chende Nach­fragen nicht schlicht geant­wortet, dass man sich an öffent­li­chen Dis­kus­sionen nicht betei­ligen werde?

Not­falls auch in die 2.Liga“

Bau­mann steht damit nicht allein. Inzwi­schen ist es ja bei­nahe ein Gesetz der Fuß­ball-Branche, dass sich ein Trainer immer dann beson­ders große Sorgen machen muss, wenn ein Funk­tionär ihm zuvor seine hun­dert­pro­zen­tige Unter­stüt­zung zuge­sagt oder, noch schlimmer, ver­kündet hat, man werde mit dem Coach not­falls auch in die 2.Liga“ gehen. Dann sitzt näm­lich der gleiche Funk­tionär am nächsten Morgen im Pres­se­raum und kann elo­quent erläu­tern, warum es mit dem Coach ein­fach nicht mehr wei­ter­ging.

Die dreiste Her­um­lü­gerei betrifft natür­lich nicht nur die Trai­ner­posten, son­dern auch jede andere Art von Per­so­nal­ent­schei­dungen. Unver­gessen, wie Klaus Allofs vor Jah­res­frist mal kühn die Pro­zent­rech­nung refor­mierte, indem er die Wahr­schein­lich­keit des Ver­bleibs von Kevin de Bruyne beim VfL Wolfs­burg dreist auf 99,9 Pro­zent taxierte, was nichts daran änderte, dass der Bel­gier in Win­des­eile zu Man­chester City wech­selte.