Liberohne
Kreis­liga B – das stand bei uns für Posi­tionen, die im Pro­fi­fuß­ball längst neben dem Säbel­zahn­tiger zu finden sind: Abtei­lung Aus­ge­stor­bene Arten. Zu nennen sind Libero, Aus­putzer, Mann­de­cker (auch als Vor­stopper“ bekannt) und – natür­lich – der Betreuer. Aber der Ama­teur­fuß­ball hat sich ent­wi­ckelt. Libero, Aus­putzer und Mann­de­cker sind zum Ein­heits­brei der Vie­rer­kette ver­kommen. Die ist jedoch nicht sta­tisch, son­dern kann sich je nach Situa­tion zu einer pen­delnden Drei­er­kette, einer miss­ra­tenen Fün­fer­kette oder einer Taktik, die sich gut und gerne als zehn Mann hinten drin“ bezeichnen lässt, ent­wi­ckeln. Beson­ders beliebt bei Trai­nern der Unter­klasse ist wei­terhin der Ein­satz min­des­tens eines inversen Außen­ver­tei­di­gers. Oft dem nicht zu ver­schwei­genden Umstand geschuldet, dass mal wieder kein Linksfuß unter den Anwe­senden zu finden war.

Stich­wort: Poly­va­lenz
Unter Lucien Favre war in Berlin alles poly­va­lent: der defen­sive Außen­stürmer, die Jugend­ar­beit und die Abstiegs­ängste natür­lich auch. Viel­leicht ist der Schweizer ein tak­ti­sches Genie, mög­li­cher­weise hat er aber auch nur ein Prak­tikum im Ama­teur­fuß­ball gemacht. Denn ges­tern stellte sich mal wieder heraus, dass zwi­schen Landes- und Kreis­klasse poly­va­lentes Per­sonal drin­gender benö­tigt wird als bei jeder Zeit­ar­beits­firma. Ob nun der Bank­wärmer, der zugleich die Rollen des Lini­en­rich­ters, Eck­fah­nen­ein­pa­ckers und Ket­ten­rau­chers selbst­be­wusst aus­füllen musste. Oder der Sport-Obmann, der vorne am Ein­gang noch den Ein­tritt kas­sierte und Minuten darauf im eigenen Sechs­zehner den Ein­tritt ver­wehrte. Oder der Sohn des Co-Trai­ners, der nicht nur als Kreis­ober­li­ga­ein­lauf­kind und Ball­junge auf­trat, son­dern nach dem Sieg auch als Mas­kott­chen ange­priesen wurde. Für Lucien Favre, liebe Fuß­ball­freunde, wäre der Ama­teur­fuß­ball das Para­dies.

Das schmeckt uns!
Der Pro­fi­fuß­ball darbt: kein Gluten, keine Glu­kose, im aske­tischsten Fall auch kein Wasser mehr. Nicht im Ama­teur­fuß­ball, wo die rich­tige Ernäh­rung noch über dem rich­tigen Trai­ning steht. Die Spieler reizen alle Mög­lich­keiten aus, um einer dro­henden Unter­hop­fung zu ent­gehen. In Ros­tock werden Schnit­zel­bröt­chen aus einer Küche gereicht, die spontan den 11FREUNDE-Miche­lins­tern über­reicht bekam. In Eschers­heim grillte der Grill bis zur aller­letzten Minute. Und die Koh­len­hy­drate in der Bolo­gnese der SpVgg 05 Oberrad würden Thomas Tuchel alleine aus­coa­chen – so viel ist sicher.