Seit vier Tagen nerven die Kol­legen: Bock, was ist mit dem Text über Aus­reden im Fuß­ball? Bock, nun mach mal!“ Erst habe ich ver­sucht, sie zu igno­rieren, wor­aufhin der junge und moderne Kol­lege Max Din­kelaker von Ghos­ting“ sprach. Danach schrieb ich, blöd gelaufen, Text war fertig, aber der Sala­mander hat ihn gefressen. Dann haben sie her­aus­ge­funden, dass ich keinen Sala­mander habe.

Ich komme also nicht drum rum. Hier also: ein ver­dammter Text über Aus­reden im Fuß­ball.

Aber warum über­haupt?

Also, es geht um den Argen­ti­nier Guil­lermo Marino, der früher bei den Newell’s Old Boys, Boca Junior und Uni­ver­sidad de Chile gespielt hat. Eine pas­sable, aber auch nicht son­der­lich spek­ta­ku­läre Kar­riere, die er 2015 been­dete. Außer­halb Argen­ti­niens nahm kaum jemand Notiz davon.

Wirk­lich bekannt wurde er erst Anfang dieser Woche, als sein ehe­ma­liger Uni­ver­sidad-Mit­spieler Gus­tavo Loren­zetti in einer You­tube-Show diese Geschichte erzählte: Als Guil­lermo einmal zu spät zum Trai­ning kam, sagte er, dass er von Aliens ent­führt worden war. Er hat uns sehr aus­führ­lich erklärt, was er dabei gefühlt hat. Er hat erzählt, dass sie deine Seele raus­nehmen, sie ana­ly­sieren und dich die ganze Zeit im Blick behalten.“

Ein großer Gläu­biger

Loren­zetti machte sich aller­dings nicht lustig über seinen alten Kumpel. Im Gegen­teil. Marino sei kein Quatsch­kopf, son­dern ein sehr kor­rekter Mensch, der nie zu spät komme und viele Bücher lese, ein großer Gläu­biger“. Loren­zetti hätte er jeden­falls über­zeugt: Heute glaube auch ich an Aliens. Sie sollten auf dem Dis­co­very Channel laufen.“

Es ist eine der ver­rück­testen Aus­reden in der an Aus­reden nicht gerade armen Geschichte des Fuß­balls.

In der Bun­des­liga war Mar­cel­inho ein Genie in Sachen Ent­schul­di­gungen. Gerne mal ver­län­gerte er eigen­mächtig seinen Hei­mat­ur­laub in Bra­si­lien. Auf Nach­fragen aus Berlin sagte er dann, das Flug­zeug sei aus­ge­bucht gewesen oder hätte wegen eines Unwet­ters nicht starten können. Er hätte sich leider auch nicht melden können, weil der Handy-Emp­fang sehr schlecht gewesen sei.

Als er 2006 ganze neun Tage zu spät nach Berlin zurück­kehrte, hatten die Hertha-Bosse genug. Sie ver­kauften ihn für 2,5 Mil­lionen Euro zu Trab­zon­spor. Rück­bli­ckend sagte Mar­cel­inho in einem Inter­view mit 11FREUNDE: Vor allem im Winter war es schwierig. Da denkt man sich: nur noch einen Tag Sonne. Und dann noch einen. Und dann noch einen. Und dann ist man schon wieder mitten drin im Schla­massel.“

Kann dieser Mann sich alles erlauben?“

Die "Bild" empört sich über Julio Cesar

Einer seiner Lehr­meister muss sein Lands­mann Julio Cesar gewesen sein, der ein paar Jahre zuvor für Borussia Dort­mund gespielt hatte. Auch er blieb gerne mal länger in der Heimat. Einmal war der Groß­vater krank (später stellte sich heraus, dass er gar keinen mehr hatte). Ein anderes Mal musste er einen wich­tigen Arzt­termin in Sao Paulo wahr­nehmen. Und dann wurde er von seinem Vater gedrängt, den 65. Geburtstag seiner Mutter mit­zu­feiern. Die Bild“ empörte sich im Januar 1997: Kann dieser Mann sich alles erlauben?“

In jenem Winter ver­don­nerte ihn der BVB zu einer Geld­strafe von 30.000 Mark. Cesar war näm­lich nicht nur zu spät, er war in Bra­si­lien auch einen Mara­thon auf Asphalt mit­ge­laufen. Die Folge: Sein eh schon ange­schla­genes Knie war nun noch lädierter.

Nur einmal kam Cesar zwei Tage zu früh aus dem Urlaub – aber das war im Sommer, also im bra­si­lia­ni­schen Winter.