Zuletzt ging alles ganz schnell: Wenige Stunden, nachdem ein Schieds­ge­richt den Aus­schluss des kata­la­ni­schen Zweit­li­gisten CF Reus Deportiu vom natio­nalen Profi-Fuß­ball bestä­tigt hatte, war der Klub von der Web­site der 2. spa­ni­schen Liga („Segunda Divi­sión“) ver­schwunden. Der Spie­ler­kader, die Sta­tistik aus der lau­fenden Saison, die Infos zur Ver­eins­his­torie, Angaben zum Sta­dion – alles gelöscht. Aus­ra­diert! Als wäre der CF Reus nie dage­wesen. Und vor allem: Als wolle man ihn nie­mals wie­der­sehen. Die Schwarz-Roten“ stehen vor­zeitig als Absteiger in die Dritt­klas­sig­keit („Segunda Divi­sión B“) fest. Und nicht nur das: In den kom­menden drei Jahren dürfen sie nicht mehr in der 1. oder 2. Liga antreten. Oben­drein muss der klamme Klub auch noch eine Geld­strafe in Höhe von 250.000 Euro leisten.

Gewiss: Der CF Reus hatte mehr­mo­na­tige Rück­stände bei den Gehalts­zah­lungen an seine Spieler ange­häuft. Dies sei nun mal ein Ver­stoß gegen die Liga-Sta­tuten, der im Falle Reus zudem beson­ders schwer­wie­gend“ aus­ge­fallen sei, so das Schieds­ge­richt in seiner Urteils­be­grün­dung. Außerdem hätten sich der­ar­tige Ver­säum­nisse beim Tra­di­ti­ons­verein aus der 100.000-Einwohner-Stadt wie­der­holt“ ereignet. Und eigent­lich sei ein ent­schlos­senes Vor­gehen gegen finan­zi­elle Miss­wirt­schaft im Fuß­ball ja auch durchaus zu begrüßen, betonte nicht nur die natio­nale Spie­ler­ge­werk­schaft AFE.

Ein sport­po­li­ti­scher Auf­trags­mord?

Nur: Der CF Reus ist bei weitem nicht der ein­zige Klub im maroden spa­ni­schen Profi-Busi­ness, der in jün­gerer Ver­gan­gen­heit mit Zah­lungs­schwie­rig­keiten zu kämpfen hatte. Allein Mitte 2015 mussten 210 Berufs-Fuß­baller aus 25 Ver­einen der ersten beiden Ligen die Gewerk­schaft zur Hilfe rufen, um aus­ste­hende Gehälter aus der Vor-Saison ein­zu­for­dern. Die gesam­melten Zah­lungs­rück­stände beliefen sich damals auf knapp 20 Mil­lionen Euro.

Auch Real Murcia (2014) und der FC Elche (2015) wurden in jün­gerer Ver­gan­gen­heit zu Zwangs­ab­stiegen ver­knackt, aller­dings nicht mitten in der Saison. Dieses extrem harte Schicksal wurde bis­lang erst drei Zweit­li­gisten zuteil. Zwei davon, der CF Reus und der Catalunya FC (1931÷32), stammten aus Kata­lo­nien; der dritte, CD Logrono (1934÷35), aus der auto­nomen Region La Rioja, unweit des Bas­ken­landes. Was nicht nur in Reus auto­ma­tisch Fragen auf­wirft. Zum Bei­spiel jene, die ein Fan bei Twitter äußerte: Hätte man auch so hart durch­ge­griffen, wenn ein Klub aus Madrid betroffen wäre?“

Die Ant­wort lie­ferte er gleich mit: Nie­mals! Sie wollen Kata­lo­nien bestrafen.“ In der Tat gibt es Indi­zien, die den Ver­dacht einer regio­nalen Benach­tei­li­gung nähren: So hatte der spa­ni­sche Liga­ver­band den CF Reus in jün­gerer Zeit wie­der­holt zur Mäßi­gung in poli­ti­schen Ange­le­gen­heiten auf­ge­rufen. Schließ­lich unter­stützt die Klub­füh­rung die aktu­ellen Unab­hän­gig­keits­be­stre­bungen Kata­lo­niens von Beginn an offen und laut. Die Reus-Fans hüllten regel­mäßig ihre kom­plette Haupt­tri­büne in eine rie­sige kata­la­ni­sche Fahne und skan­dierten wäh­rend der Spiele immer wieder Inde­pen­dencia, Inde­pen­dencia!“ Ist das harte Vor­gehen gegen den CF Reus am Ende also ein (sport-)politischer Auf­trags­mord?