Tor:
Keylor Navas zeigte zwi­schen den Pfosten von Costa Rica ein­drucks­voll, warum er zum besten Tor­wart der abge­lau­fenen Saison in Spa­nien gewählt worden war. Wir haben unsere Angst zuhause gelassen“, tönte er vor den Spielen gegen die drei Ex-Welt­meister aus Uru­guay, Eng­land und Ita­lien. Das Kopf­schüt­teln der Experten ließ nach, als die Truppe aus Mit­tel­ame­rika völlig über­ra­schend die Todes­gruppe“ gewann und dabei nur ein ein­ziges Tor kas­sierte. Im Ach­tel­fi­nale hielt Navas gegen die Grie­chen den Sieg im Elf­me­ter­schießen fest. Erst im Vier­tel­fi­nale war gegen die Nie­der­länder Schluss. Navas ver­gol­dete seine Leis­tung nach dem Tur­nier mit dem Wechsel von Levante zu Real Madrid.

Abwehr:
Für Raphael Varane und seine Fran­zosen war die WM erst im Vier­tel­fi­nale gegen den spä­teren Welt­meister aus Deutsch­land beendet. Vorher bewies der Madri­lene, wes­halb ihn Zine­dine Zidane für eines der größten Talente auf der Innen­ver­tei­diger-Posi­tion hält: Nur drei Gegen­tore zuge­lassen, 87 Pro­zent Pass­quote, kein ein­ziges Foul gespielt. Im Ach­tel­fi­nale gegen Nigeria ver­aus­gabte sich Varane völlig und musste nach dem Spiel wegen Dehy­dra­tion im Kran­ken­haus beob­achtet werden.

Gian­carlo Gon­zalez von Columbus Crew aus der allen­falls mit­tel­klas­sigen Major League Soccer hatte vor dem Tur­nier wohl nie­mand für die Top-Elf auf dem Zettel. Doch er orga­ni­sierte die Abwehr von Costa Rica so geschickt, dass die Mann­schaft in fünf Spielen nur zwei Gegen­tore kas­sierte – eines davon durch einen zwei­fel­haften Elf­meter. Gon­zalez zeigte bei der WM zudem über­ra­gende Ner­ven­stärke: Gegen Grie­chen­land und die Nie­der­lande ver­wan­delte er im Elf­me­ter­schießen, sogar Tim Kruls Ein­schüch­te­rungs­ver­suche prallten an dem 26-Jäh­rigen ab.

Ja, das 1:7 gegen Deutsch­land haben wir auch gesehen, aber David Luiz zeigte eine so starke Leis­tung in den vor­an­ge­gangen Tur­nier­spielen, dass er in die WM-Elf gehört; trotz der bit­teren Tränen und der ersten Halb­final-Halb­zeit, die die bra­si­lia­ni­sche Pracht­locke wohl am liebsten gegen lebens­langes Fege­feuer ein­tau­schen würde. Zwei Tore machte Luiz auch noch. Wir sind gespannt, was sich sein Neu-Mit­spieler Zlatan Ibra­hi­movic in Paris wohl ein­fallen lässt, um Luiz Tag für Tag an die WM zu erin­nern.

Ron Vlaar galt vor dem Tur­nier als Unsi­cher­heits­faktor der Nie­der­länder. Doch der Abwehr­mann von Aston Villa strafte alle Kri­tiker lügen und zeigte zudem im Halb­fi­nale ein fast per­fektes Spiel. Bester Mann auf dem Platz“, nannte ihn sein Trainer van Gaal, Rio Fer­di­nand sah in ihm sogar den besten Innen­ver­tei­diger der WM“. Nichts­des­to­trotz ver­sem­melte Vlaar im Elf­me­ter­schießen unglück­lich seinen Ver­such vom Punkt. Obwohl kurz darauf Ver­schwö­rungs­theo­re­tiker mit Wackel­vi­deos beweisen wollten, dass der Ball eine gefühlte Ewig­keit nach dem Schuss noch rein­ku­gelte, blieb es bei Hol­lands Aus­scheiden.

Mit­tel­feld:
Ganz im Sinne der Mann­schaft hatte Javier Mascherano die Kapi­täns­binde vor dem Tur­nier an Messi abge­geben. Das Chef­chen“ blieb der Mann aus Bar­ce­lona aber den­noch. Er diri­gierte das Spiel der Argen­ti­nier, rannte sich die Lunge aus dem Leib (nur Müller und Kross liefen mehr) und steckte bei seiner Mons­ter­grät­sche gegen Robben sogar einen Anus-Riss weg. Im Finale reichte es für Mascherano jedoch nicht zum ganz großen Tri­umph. Wir haben mit Würde ver­loren“, kom­men­tierte er später ehren­haft.

Im ersten Grup­pen­spiel hätte bereits alles vorbei sein können. Gegen Hon­duras trat Paul Pogba am Boden lie­gend nach seinem Gegen­spieler, Schieds­richter Sandro Ricci zeigte zu Pogbas Glück nur gelb. Nach dieser Szene schien sich der Fran­zose end­lich auf den Sport zu kon­zen­trieren. Spiel um Spiel trieb er die Angriffe der Équipe Tri­co­lore“ uner­müd­lich an und ver­nich­tete viele geg­ne­ri­sche Angriffe bereits früh. Dazu traf er einmal selbst und berei­tete einen Treffer vor. Im End­ef­fekt sahnte Die Krake“, wie er wegen seiner langen Beine bei Juventus Turin genannt wird, sogar den Titel als bester Jung­profi ab.

Als James Rodri­guez‘ Stern am WM-Himmel auf­ging, titelte die Zei­tung Times of India ehr­furchts­voll His name is Bond, James Rodri­guez“. Diese halb­ge­lun­gene Wür­di­gung wird dem Kolum­bianer zwar nicht gerecht, mitt­ler­weile dürfte er aber ähn­liche Bekannt­schaft erlangt haben wie Namens­vetter 007. Sein Tor gegen Uru­guay, als er den Ball mit der Brust annahm und unter die Latte häm­merte, wird wohl in jedem WM-Rück­blick laufen. Angeb­lich soll nun Real Madrid an dem Stürmer des AS Monaco inter­es­siert sein – Kos­ten­punkt: 80 Mil­lionen Euro.

Bel­gien galt als Über­ra­schungs­mann­schaft, Bel­gien spielte aber nicht wie eine solche – jeden­falls nicht kon­stant. Trotzdem drückte Kevin de Bruyne den Auf­tritten der Roten Teufel“ seinen Stempel auf. Als ein­ziger Akteur zeigte er durch­ge­hend starke Par­tien, kur­belte das Spiel der Wil­mots-Truppe immer wieder an. Eine Welt­klasse-Leis­tung zeigte der Wolfs­burger im Ach­tel­fi­nale gegen die USA, als er vor allem in der Ver­län­ge­rung glänzte. De Bruyne erzielte das 1:0 selber und berei­tete den nächsten Treffer von Romelu Lukaku nach einem per­fekten Konter mus­ter­gültig vor.

Sturm:
Will man ganz penibel sein, könnte Arjen Robben an dieser Stelle fehlen und statt­dessen die Liste der größten WM-Schau­spieler anführen. Betrachtet man Rob­bens Auf­tritte in Bra­si­lien aber ganz nüch­tern, war er einer der besten Stürmer. In Bra­si­lien prä­sen­tierte er sich in der Form seines Lebens. Einen Sahnetag erwischte Robben beim 5:1‑Sieg über Spa­nien, als er seine starke Leis­tung mit zwei Tref­fern gar­nierte. Ins­ge­samt traf Robben dreimal selber, berei­tete einen Treffer vor und wurde zweimal so im Straf­raum gefoult, dass es Elf­meter gab. Ob berech­tigt oder nicht, dar­über darf wie­derum gestritten werden.

Vor der WM waren wir uns nicht sicher, ob Neymar wirk­lich das Zeug zum abso­luten Super­star hat. Eine ganze Fuß­ball-Nation setzte Hoff­nungen in den kleinen Dribbler vom FC Bar­ce­lona – eine ganze Fuß­ball-Nation wurde nicht ent­täuscht. Auch wenn Neymar pola­ri­siert und zeit­weise eher wie ein bra­si­lia­ni­scher Justin-Bieber-Ver­schnitt daher­kommt, seine Auf­tritte über­zeugten. Er zeigte in allen Spielen gran­diose Leis­tungen, erzielte vier Tore und legte einen wei­teren Treffer auf. Das herbe WM-Aus gegen Kolum­bien kam für die Bra­si­lianer einer Staats­krise gleich. Trainer Sco­lari: Wir müssen alle ein biss­chen Neymar sein.“

Tim Howard allein reichte, um den US-ame­ri­ka­ni­schen Fans den Glauben an ihre Mann­schaft zu schenken. Der Tor­wart von Everton, neben dem ame­ri­ka­ni­schen auch mit einem unga­ri­schen Pass aus­ge­stattet, spielte eine fabel­hafte WM. Im Ach­tel­fi­nale gegen Bel­gien stellte er mit 16 Paraden sogar einen Rekord auf: Keinem, sprich: nicht mal Maier, Zoff oder Taf­farel, waren vorher so viele Paraden in einem Spiel gelungen. Nach vier Spielen war Schluss, doch für einen Platz auf der Top-Elf-Ersatz­bank reicht es für Howard allemal.

An der Schulter von Eze­quiel Garay endete das Finale für Chris­toph Kramer. Doch Garay nun aus­schließ­lich auf seine Knock-Out-Qua­li­täten zu redu­zieren, wäre falsch: Alle 720 argen­ti­ni­schen Tur­nier­mi­nuten ackerte der Neu-Sankt-Peters­burger in der Abwehr, brachte 94 Pro­zent seiner Pässe zum Mann und gewann 70 Pro­zent aller Zwei­kämpfe. Zudem machte Garay sein Ver­spre­chen wahr: Vor dem Tur­nier hatte er eine Wie­der­ho­lung des 0 – 4‑Desasters gegen Deutsch­land bei der WM in Süd­afrika aus­ge­schlossen. Es wurde bekannt­lich ein knappes 0:1.

Wie viel Pech kann ein Fuß­ball­spieler eigent­lich haben? Da prä­sen­tiert sich Angel di María in drei Spielen kon­stant in Top-Form, bereitet im Grup­pen­spiel gegen Nigeria ein Tor vor, schießt Argen­ti­nien gegen die Schweiz höchst­per­sön­lich ins Vier­tel­fi­nale und scheidet dann genau dort gegen Bel­gien ver­letzt aus – und zwar nachdem er den ent­schei­denden Treffer auf­ge­legt hat. Im schwa­chen Halb­fi­nale gegen die Nie­der­lande machte sich sein Fehlen deut­lich bemerkbar. Hätte es gegen Deutsch­land mit di María für die Albice­leste“ viel­leicht zum Titel gereicht?

Die Wahl Lionel Messis zum Spieler des Tur­niers hätten wir ver­mut­lich nicht so getroffen. Aller­dings darf nicht unter­schlagen werden, dass Argen­ti­nien ohne Messi wohl­mög­lich gar nicht bis ins Finale gekommen wäre. In der Grup­pen­phase schoss er die Albice­leste“ mit seinen vier Toren fast im Allein­gang zum Sieg. Beim 1:0‑Achtelfinalsieg hatte er mit seiner Tor­vor­lage ent­schei­denden Anteil am Wei­ter­kommen. Und mit ein biss­chen Glück hätte er bei seiner Groß­chance in der 47. Minute im Finale auch dort zum Helden werden können.

Die Traum­reise Costa Ricas hängt auch mit ihm zusammen. Der quir­lige Angreifer Joel Camp­bell machte uns schon im ersten Spiel der Mit­tel­ame­ri­kaner unglaub­li­chen Spaß. Wie ein Ver­rückter beackerte er die Abwehr­reihe Uru­guays, schoss ein Tor und berei­tete ein wei­teres vor. Auch wenn er anschlie­ßend in dem einen oder anderen Spiel etwas unglück­lich wirkte: Camp­bell pflügte uner­müd­lich über den Platz. Nach eigener Aus­sage, um Arbeit­geber Arsenal London zu über­zeugen. Wir sind gespannt, ob Arsène Wenger das wahr­ge­nommen hat.