La Bestia Negra“ nennen sie die Bayern in Madrid – die schwarze Bestie. Vor kaum einem Klub der Welt hat Real Madrid so viel Respekt wie vor Bayern Mün­chen. So manche Schmach haben die König­li­chen in Mün­chen schon ein­ste­cken müssen.

Am gest­rigen Mitt­woch­abend war die schwarze Bestie höchs­tens sche­men­haft zu erahnen. Am Ende gewann Real Madrid 2:1 in einer Partie, die die Bayern nach der Pause voll­ends aus der Hand gaben. Was waren die Gründe dafür, dass die Bayern vier Tage nach dem über­ir­di­schen 4:1‑Sieg gegen Dort­mund plötz­lich ganz irdisch wirkten? Und wieso ver­loren sie nach der gelb-roten Karte gegen Javi Mar­tinez voll­kommen den Faden? Fünf Gründe, warum Bayern gegen Real verlor.

1. Thiago aus dem Spiel genommen
Beide Trainer boten auf dem Papier keine Über­ra­schung auf: Carlo Ance­lotti ließ seine Bayern im etat­mä­ßigen 4 – 2‑3 – 1‑System auf­laufen. Real-Trainer Zine­dine Zidane schickte seine Mann­schaft in der übli­chen Mischung aus 4−4−2 und 4−3−3 auf das Feld. Im Mit­tel­feld star­tete bei Real das bewährte Trio aus Luka Modric, Toni Kroos und Cas­emiro.

Letz­terer hatte dabei eine beson­dere Auf­gabe zu erfüllen: Er nahm Thiago in Deckung. Diese Auf­gabe nahm er sehr ernst, wodurch fast schon eine Art Mann­de­ckung ent­stand. Und diese Idee ging auf: Anders als zuletzt in der Bun­des­liga ver­strömte Thiago wenig Krea­ti­vität und schuf keine Prä­senz im geg­ne­ri­schen Zwi­schen­li­ni­en­raum. Er musste weit aus­wei­chen, um über­haupt ins Spiel zu finden. Dadurch konnte er nur wenige Pässe in die Tiefe bei­steuern, die den Bayern beson­ders nach der Pause fehlten.

2. Vidal: Bester Mann und tra­gi­sche Figur zugleich
Thiago mag nicht sein bestes Spiel gemacht haben. Dafür zeigte sich Arturo Vidal von seiner Scho­ko­la­den­seite. Real wies dem Chi­lenen keinen Ket­ten­hund zu. Vidal konnte in Bay­erns 4 – 2‑3 – 1‑System schalten und walten, ließ sich im Spiel­aufbau immer wieder fallen und stieß anschlie­ßend dyna­misch nach vorne. Wenn Modric und Kroos vor­rückten, besetzte er die Räume, die sich hinter ihnen öff­neten; wenn Real sich zurückzog, baute Vidal das Spiel aus der eigenen Hälfte auf.

Vidal war lange Zeit der prä­sen­teste Spieler auf dem Feld. Kein anderer Akteur spielte so viele Pässe wie er (80), kein anderer Bayern-Spieler konnte eine derart hohe Pass­quote vor­weisen (95%). Nicht nur durch seinen Treffer war Vidal ein wesent­li­cher Grund, warum Bayern trotz Thiago-Deckung die erste Halb­zeit domi­nierte.

Dann jedoch kam die 45. Minute. Vidal wan­delte auf den Spuren von Uli Hoeneß und schoss beim Stand von 1:0 einen Elf­meter in den Nacht­himmel von Mün­chen. Es hätte das frühe Ende der Partie bedeuten können. Somit wurde der stärkste Bayern-Spieler zur tra­gi­schen Figur. Schlimmer noch: Sein Fehl­schuss schien ihn auch nach der Pause zu ver­folgen, als er plötz­lich weit weniger Ein­fluss auf das Bayern-Spiel aus­übte.