Seite 2: Viele Allrounder, wenig Experten

Die Hoff­nung der Bayern-Anhänger darauf, dass die Ver­pflich­tung von Cui­sance einem aus­ge­fuchsten Plan folgen würde, der sich später als krea­tive Lösung auf dem über­hitzten Trans­fer­markt prä­sen­tieren würde, bekam bereits bei den ersten State­ments der Bayern-Ver­ant­wort­li­chen erste Dämpfer. Man habe Cui­sance ver­pflichtet, weil er ein her­aus­ra­gendes Talent sei, an dem auch andere euro­päi­sche Top­klubs Inter­esse bekundet hätten. Es hätte ledig­lich den Zusatz gebraucht bevor es jemand anderes tut“, um die Plan­lo­sig­keit der Bayern in dieser Per­so­nalie früh zu ent­larven.

In der Folge ließ auch Niko Kovac mit ein­zelnen Aus­sagen erahnen, dass Cui­sance weniger ein von ihm gefor­derter Spieler gewesen sei, son­dern ein­fach ein guter und talen­tierter Junge. Cui­sance, das schien sich anzu­bahnen, war nicht als zukünf­tiger Sechser oder Fix­punkt des Bayern-Spiels gedacht, son­dern eher als eine von vielen wei­teren Option im über­füllten und chao­tisch zusam­men­ge­stellen baye­ri­schen Rest-Mit­tel­feld. 

Drei Monate sind seither ver­gangen. Niko Kovac ist nicht mehr Trainer beim FC Bayern. Doch das dürfte für Cui­sance ver­mut­lich ebenso irrele­vant sein wie der Wechsel von Marco Rose zu Glad­bach im ver­gan­genen Sommer. Die zen­trale Sechser-Posi­tion der Münchner wird dieser Tage von einem Spieler bekleidet, der einst gegen seinen Willen müh­selig auf eine andere Posi­tion – die des Rechts­ver­tei­di­gers – geredet wurde, Joshua Kim­mich. Auf der Bank sitzen hin­gegen hoch­de­ko­rierte Mit­tel­feld­spieler wie Thiago Alcan­tara, Phil­ippe Cou­t­inho, Corentin Tolisso und Leon Goretzka. Von denen keiner bisher eine feste Rolle im Mit­tel­feld gefunden hat. Außerdem wäre da noch Javi Mar­tinez, der in den ver­gan­genen Jahren ständig zwi­schen der Posi­tion des Innen­ver­tei­di­gers und des defen­siven Mit­tel­feld­spie­lers wech­selte. Und den Uli Hoeneß zuletzt für die Stamm­for­ma­tion emp­fahl – aller­dings mit dem Hin­weis darauf, auf der Sechser-Posi­tion end­lich Kon­stanz zu benö­tigen.

Plan­lose Inves­ti­tion in eine plan­lose Zukunft?

Und Cui­sance? Dessen bis­he­rige Aus­beute in Sachen Spiel­an­teile liest sich äußerst mager, zwei Profi-Ein­sätze stehen für ihn zu Buche. In Summe 30 Minuten. Bei den beiden unge­fähr­deten Heim­spielen gegen Mainz 05 und den 1. FC Köln durfte der junge Fran­zose gegen die Murmel treten – für elf bzw. 19 Minuten. Seit dem 21.09.2019 stand Cui­sance nicht mehr für die erste Mann­schaft der Bayern auf dem Feld, was dazu führte, dass er bei den Ama­teuren in der 3. Liga Spiel­praxis sam­meln sollte. Dreimal spielte er im Team von Trainer Sebas­tian Hoeneß. Und wäh­rend sich Cui­sance dort als Zehner her­vortat, drängte sich immer mehr die Frage auf, für wel­chen Job er eigent­lich geholt worden war. Auf wel­cher Posi­tion könnte Cui­sance im Mit­tel­feld-Chaos der Münchner zum Ein­satz kommen?

Das Mit­tel­feld der Bayern ist so kon­zeptlos zusam­men­ge­stellt, dass es eine ganze Reihe aus hoch deko­rierten Spie­lern gibt, die im Grunde auf jeder Posi­tion einen Anspruch auf Spiel­zeit erheben. Ein Mit­tel­feld also, dass aus einer Menge All­roun­dern besteht und wenige Experten vor­zu­weisen hat. Schwer vor­stellbar, dass aus­ge­rechnet Cui­sance in einem Mann­schafts­teil ohne jeg­liche Kon­stante in naher Zukunft eine Rolle spielen könnte. Und so bleibt sein Transfer das, was viele von Anfang an ver­mutet hatten: eine plan­lose Inves­ti­tion in eine plan­lose Zukunft.