Im Februar 2012 scharten sich noch einmal die Foto­grafen um ihn. Sie kamen in so großer Zahl, dass er auf dem Podium kaum mehr zu sehen war. Und sie ließen auch nicht von ihm ab. Acht, zehn, viel­leicht sogar zwölf dürften es gewesen sein und sie alle ver­suchten, das per­fekte Bild von ihm zu knipsen. Otto Reh­hagel selbst lächelte das alles cool weg, als er an jenem 19. Februar als neuer Chef­trainer von Hertha BSC vor­ge­stellt wurde. Dabei war die Lage in der Haupt­stadt damals alles andere als ent­spannt, zwei Punkte trennten die Her­thaner von einem direkten Abstiegs­platz. Zudem war Reh­hagel bereits der fünfte Trainer, der in einer Saison auf der Ber­liner Bank Platz nahm.

Zumin­dest einem Blitz­licht­ge­witter sah sich Atdhedon Lushi am Mon­tag­abend nicht aus­ge­setzt. Den­noch dürfte er einen gewissen Druck gespürt haben, denn die Lage beim FC Pipins­ried in der Regio­nal­liga Bayern erin­nert schon ein biss­chen an die der Hertha 2012. Lushi ist Pipins­rieds vierter Trainer in dieser Saison, genauer: der vierte seit Oktober. Sein direkter Vor­gänger Frank Peuker blieb genau sechs Tage im Amt, dann trat er zurück. Dass er sein erstes Spiel gegen die zweite Mann­schaft der SpVgg Fürth mit 0:2 ver­loren hatte und damit auf den vor­letzten Tabel­len­platz abge­rutscht war, stellte für Peuker dabei aller­dings nicht den aus­schlag­ge­bend Grund dar. Statt­dessen war es die ver­gif­tete Atmo­sphäre“ inner­halb der Mann­schaft, wie der Trainer sie bezeich­nete. Manche Spieler sind über­haupt nicht ansprechbar, sie ant­worten nicht einmal, wenn man sie direkt anspricht“, sagte er dem Donau­ku­rier. Solche Zustände habe ich in meiner Kar­riere noch nie erlebt. Unter diesen Umständen kann ich hier nicht kon­struktiv arbeiten.“

Die Fäden laufen beim Ex-Trainer zusammen

Wie es über­haupt soweit kommen konnte, ist eine eini­ger­maßen kom­pli­zierte Geschichte, so viel vorab: viele Namen spielen eine Rolle. Also ab hier vollste Kon­zen­tra­tion. Pipins­rieds sport­li­cher Leiter Tarik Sarisakal geht von einem schlei­chenden Pro­zess aus, der zur schlechten Stim­mung geführt habe. Wenn eine Person, die von außen kommt, nach einer Woche so ein ver­nich­tendes Urteil abgibt, kann man davon aus­gehen, dass das nicht erst seit zwei Tagen so läuft.“ Die Fäden laufen ver­mut­lich bei Nikola Jelisic zusammen, Peu­kers Vor­gänger. Der hatte die Mann­schaft vor der Saison gemeinsam mit Miljan Pri­jovic über­nommen. Letz­terer wurde zunächst auch offi­ziell als Trainer geführt, weil er im Gegen­satz zu Jelisic über die erfor­der­liche A‑Trainerlizenz ver­fügt. Das Gespann hatte zunächst mäßigen Erfolg, die ersten drei Liga­spiele sowie das Erst­run­den­spiel im Bay­ern­pokal gingen ver­loren. Im August gewann Pipins­ried dann fünf von sechs Spielen, nach dem 2:0‑Erfolg über Türk­gücü Mün­chen am 9. Spieltag kamen aber nur noch sechs Punkte hinzu.

Mitte Oktober, nach einer 0:4‑Niederlage beim FC Augs­burg II, gab Pipins­ried die ein­ver­nehm­liche“ Tren­nung von Miljan Pri­jovic bekannt, die aller­dings primär aus pri­vaten Gründen erfolgt sei. Eine Son­der­ge­neh­mi­gung des Baye­ri­schen Fuß­ball-Ver­bands erlaubte es Jelisic als Spie­ler­trainer im Amt zu bleiben. Der Erfolg stellte sich aber auch dann nicht ein, sodass sich Pipins­ried Ende Oktober selbst­ver­ständ­lich genau so ein­ver­nehm­lich“ auch von Jelisic trennte. Aller­dings berich­tete der Donau­ku­rier schon damals von Span­nungen zwi­schen Trainer und sport­li­chem Leiter, die Tarik Sarisakal aber nicht kom­men­tieren wollte.