Wäre das hier ein Clever&Smart-Comic, müsste das Wört­chen Puh“ in dicker fetter Schrift über allem prangen. Prä­gnanter ließe es sich wohl nicht zusammen fassen, was die Frank­furter Ein­tracht ihren Fans am Wochen­ende gegen Borussia Mön­chen­glad­bach bot.

Welche Stra­tegie ver­folgt die Ein­tracht?

Unter der Woche ent­ließ Frank­furt Trainer Armin Veh. Niko Kovac soll als neuer starker Mann den Karren aus dem Dreck ziehen. Doch von einem Wech­sel­ef­fekt war zumin­dest gegen Glad­bach nichts zu spüren. Das 0:3 war auch in der Höhe ange­messen. Die Pro­bleme gehen viel tiefer, als dass sie ein Trainer binnen weniger Tage beheben könnte.

Nor­ma­ler­weise finden sich in diesem wöchent­li­chen Bei­trag eine ins Detail gehende Tak­ti­kana­lyse. Bei­zeiten wird der Ein­druck erweckt, Taktik sei das höchste Gut im Fuß­ball. Dabei ist Taktik nichts weiter als ein Mittel zum Zweck. Was eine gute Mann­schaft von einer schlechten unter­scheidet: Eine gute Mann­schaft hat eine genaue Vor­stel­lung, wie das Spiel ver­laufen soll. Sie ver­folgt eine klare Stra­tegie, die sich in ihrer Spiel­phi­lo­so­phie nie­der­schlägt.

Vor­bild Darm­stadt

Der SV Darm­stadt ist das Para­de­bei­spiel: Die Mann­schaft weiß genau, wie sie einen Gegner bespielen will. Kampf, lange Bälle, Erobern der zweiten Bälle – Darm­stadt hat eine fest umschrie­bene Spiel­phi­lo­so­phie. Wie genau sie diese Spiel­phi­lo­so­phie auf den Platz bringen, hängt von Gegner, Spiel­stand, Form der eigenen Spieler und vielen anderen Fak­toren ab. Ihre Taktik richtet sich dabei aber immer nach ihrer Spiel­phi­lo­so­phie.

Es gibt viele Mann­schaften, die für eine bestimmte Spielart stehen. Bayern Mün­chen, natür­lich, mit ihrem tiki taka. Der FSV Mainz mit seinem explo­siven, schnellen Umschalt­fuß­ball. Ja sogar der HSV steht in dieser Saison für etwas, näm­lich für ein Spiel mit einem inten­siven Pres­sing.

Flach? Hoch? Pres­sing?

Welche Spiel­phi­lo­so­phie kann man Ein­tracht Frank­furt zuordnen? Fla­ches Pass­spiel oder hohes Pass­spiel? Pres­sing oder keins? Ja, wie will Ein­tracht Frank­furt eigent­lich Tore erzielen? Alex­ander Meier zu besitzen genügt nicht als offen­sive Spiel­phi­lo­so­phie. Das ist wohl das größte Manko.

An diesem Grund­pro­blem, das eher lang- als kurz­fristig wirkt, konnte auch der neue Frank­furter Trainer wenig ändern. Niko Kovac ver­suchte alles, was ein Trainer binnen einer Woche ver­su­chen kann. Er appel­lierte an die Ehre der Mann­schaft, er stellte die Startelf auf den Kopf, er stellte auf eine völlig neue For­ma­tion um. Ver­geb­lich. Auch gegen Glad­bach hatte man als Außen­ste­hender über 90 Minuten hinweg keine Ahnung, wie diese Frank­furter eigent­lich ein Tor erzielen wollen. Kein ein­ziger Schuss kam auf das Glad­ba­cher Tor – Nega­tiv­re­kord in dieser Saison.

Frank­furter Wech­sel­spiel­chen

Dabei hatte Kovac durchaus was gewagt. Er stellte seine Mann­schaft im 4−3−3 auf. Mit­tel­feld-Dribbler Marco Fabian begann zunächst als Stürmer. Stefan Aigner und Haris Seferovic sollten von den Flü­geln aus hinter die Abwehr starten. Doch soweit kamen die Frank­furter gar nicht erst; sie schei­terten daran, das Glad­ba­cher Pres­sing zu über­spielen. Hoch und weit oder kurz und direkt? Die Frank­furter Spieler ver­folgten keine klare Stra­tegie. So ver­bes­serte sich das Frank­furter Spiel auch nicht, als Seferovic später zen­tral und Fabian auf dem Flügel spielte.

Niko Kovac drin­gendste Auf­gabe muss es jetzt sein, seiner Mann­schaft eine klare Stra­tegie ein­zu­impfen – nicht im Detail, son­dern als großes Ganzes. Gerade das Spiel gegen den Ball braucht feste Rituale und Abläufe. Die Partie gegen Glad­bach könnte ein erster Fin­ger­zeig gewesen sein: Teil­weise presste Frank­furt früh, rückte im 4−3−3 weit nach vorne. Doch die Bewe­gungen waren noch nicht abge­stimmt. Doch dies ist wenigs­tens ein kleiner Hoff­nungs­schimmer, auf dem Kovac auf­bauen kann.

Die Rivalen haben deut­li­chen Vor­sprung

Es ist auf den ersten Blick ver­lo­ckend, Kovac oder Ex-Trainer Armin Veh die Schuld in die Schuhe zu schieben. Doch dem Klub an sich fehlt es an einer spie­le­ri­schen Phi­lo­so­phie. Das ist umso bit­terer, als dass die Lokal­ri­valen aus Mainz und Darm­stadt eine so starke Phi­lo­so­phie haben, nach der sie all ihr Han­deln aus­richten – von den Trainer- über die Spie­ler­ver­pflich­tungen bis hin zur Jugend­ar­beit. Die Frank­furter Krise ist nur ein Sym­ptom für ein weitaus grö­ßeres Pro­blem. Und genau das sollte den Frank­furter Anhän­gern am meisten Sorgen bereiten. Oder ein­fach gesagt: Puh!