Seite 4: Zum Trinken nach Rudolstadt

Zurück in die sech­ziger Jahre nach Jena. Als Fuß­baller müssen Sie in der nicht über­mäßig großen Stadt echte Stars gewesen sein.
In der ersten Zeit arbei­teten wir jungen Fuß­baller vor­mit­tags im Zeiss-Werk und trai­nierten nach­mit­tags. Wenn wir am Wochen­ende gewonnen hatten, drän­gelten sich die jungen Arbeiter am Montag um unsere Werk­bank und wir mussten erzählen. Wir haben die vom Arbeiten abge­halten. Bis es dem Meister zu bunt wurde und er uns aus­ein­an­der­trieb. Später wurden wir frei­ge­stellt und haben von mor­gens bis abends trai­niert.

Noch ein Wort von Hans Meyer. Der war sich sicher: In Jena ist alles über­schaubar. Wenn da einer gesoffen hat, wusste ich das am nächsten Tag!“
Das war so. Es wusste ja auch jeder, wo wir hin­gingen. Wir trafen uns immer im Schwarzen Bären“, zu Weih­nachts­feiern, Partys, an Sil­vester oder ein­fach nur so. Wenn wir rein­kamen, kamen gleich die Kellner und fragten, was wir gerne hätten, ein Bier­chen oder erst mal einen Kaffee? Rührei oder Kar­tof­feln? 
Wir sind da aber nie auf allen Vieren raus­ge­kro­chen. Wenn wir richtig was trinken wollten, sind wir nach Rudol­stadt gefahren. 

Sie waren nie unbe­ob­achtet. Weder von der Öffent­lich­keit noch vom Staat. Die nach der Wende ver­öf­fent­lichten Akten geben davon ein ein­drucks­volles Zeugnis.
Die Kellner wurden natür­lich hin­terher befragt: Was hat der Ducke denn so gemacht und gesagt? 
Aber das waren die Bedin­gungen, unter denen wir damals lebten und mit denen wir uns zu arran­gieren hatten. Wenn wir mit Jena oder der Natio­nalelf unter­wegs waren, waren immer aus­rei­chend Funk­tio­näre dabei, die auf­passten. Erfah­rene, durchaus ange­nehme Leute vom DFV, vom Fuß­ball­ver­band. Dass da der eine oder andere Berichte schrieb, konnte man sich denken. Aber sie inter­es­sierten uns nicht, wir wollten ja vor allem Fuß­ball spielen. Einer sagte mir später: Wir hatten immer eine Auge auf dich. Du wärst nicht weit gekommen. Du warst immer abge­si­chert.“ Ande­rer­seits lag es ja auch im Inter­esse des Staates, dass wir reisten und reprä­sen­tierten, als sport­liche Bot­schafter.