Seite 2: Erst wünschte man sich mehr Risiko – dann wieder mehr Skjelbred

Bei Hertha hat er in sieben Jahren Krisen über­standen, kleine (bzw. sehr kleine) Erfolge gefeiert, Trainer kommen und gehen gesehen. Er stand mit seiner unspek­ta­ku­lären Spiel­weise sinn­bild­lich für die Dardai-Jahre, nicht richtig gut, nicht richtig schlecht, mit Ball harmlos, ohne Ball eklig. Als Hertha-Fan hätte man sich von ihm und seinen Kol­legen oft mehr Risiko gewünscht – bis der Verein im ver­gan­genen Sommer plötz­lich volles Risiko ging. Dardai raus, Wind­horst rein, teure Stars, Klins­mann, Kalou, Face­book Live, pein­liche Schlag­zeilen, Skan­dale, Tage­bü­cher, Chaos, sport­liche Tal­fahrt. In den schrillen Hertha-Monaten wünschte man sich als Hertha-Fan wieder mehr Skjelbred und weniger Big City. Skjelbred selber hielt die Klappe, er ackerte ein­fach weiter. Und als es in den ersten Spielen unter Bruno Lab­badia plötz­lich ums sport­liche Über­leben ging, spielte er so stark wie seit Jahren nicht. Per ist ein beson­derer Spieler für Hertha“, sagte Lab­badia kürz­lich gegen­über dem Kicker. Man merkt erst, wie beson­ders er ist, wenn man ihn selber auch trai­niert.“

Auch Skjelbred hätte eine Umar­mung ver­dient

So wie viele erst merken werden, wie beson­ders er ist, wenn er nicht mehr da ist. Wenn da plötz­lich keiner mehr in der Kabine sowohl mit den großen Namen als auch mit den Was­ser­trä­gern kann. Wenn neu ver­pflich­tete Mil­lio­nen­ein­käufe nach einer Woche auf der Bank zum Reporter ihres Ver­trauens rennen, statt im Trai­ning die Ärmel hoch­zu­krem­peln. Wenn die Mann­schaft aus­ein­ander fällt wie Hertha gegen Frank­furt, nachdem Skjelbred vom Platz gehum­pelt war. Wes­halb am Wochen­ende, wenn Stars wie Claudio Pizarro oder Mario Gomez (ver­dien­ter­maßen!) von der Öffent­lich­keit umarmt werden, auch ein Per Skjelbred zumin­dest die ein oder andere Strei­chel­ein­heit ver­dient hätte. Und er ist bei weitem nicht der ein­zige stille Arbeiter, auf den das zutrifft. Ein Javi Mar­tinez – klar, andere Gewichts­klasse – wurde bun­des­weit nie so richtig dafür gefeiert, dass er zu seiner stärksten Zeit zu den besten Mit­tel­feld­spie­lern der Welt zählte. Ein Stefan Bell könnte sein letztes Bun­des­li­ga­spiel längst gemacht haben. Ein Ben­jamin Stam­bouli eben­falls.

Am Wochen­ende Feu­er­wehr­mann, an den anderen Tagen Trainer in der Aka­demie“

Skjelbred selber ist es ver­mut­lich egal, wie­viel Rummel in Deutsch­land um seinen Abschied gemacht werden wird. Zum einen sind ihm zumin­dest die Herzen der Ber­liner Fans sicher – zum anderen kreisen seine Gedanken um wich­ti­gere Themen. Beruf­liche zum Bei­spiel. Nach der Kar­riere möchte er in Nor­wegen nicht nur in Trond­heims Aka­demie schuften, son­dern auch für die Feu­er­wehr arbeiten. Davon habe er schon als Jugend­li­cher geträumt: Das Thema ist immer noch da“, sagte er dem Kicker. Viel­leicht am Wochen­ende Feu­er­wehr­mann, an den anderen Tagen Trainer in der Aka­demie. Das wäre per­fekt.“ Man möchte ihm zurufen: Per, den Job hast du doch längst erle­digt.“ Denn wer, wenn nicht er, war denn immer da, wenn es brannte?