Was für eine durch­ge­knallte Fuß­ball­welt: Im März ist Peter Neururer noch in den Untiefen des Mobilat-Fan­talks“ ver­schollen, im Mai wird er in Bochum als Wun­der­heiler gefeiert, und im Juli wählt ihn die Jury von 11 FREUNDE zum Echten Typen“!

Welche Revo­lu­tionen haben sich da im öst­li­chen Ruhr­ge­biet ereignet? Es wurde aus einem des­ori­en­tierten Abstiegs­kan­di­daten inner­halb von Tagen ein selbst­be­wusster Zweit­li­gist, der sogar gegen das angeb­liche Kölner Spit­zen­team einen Rück­stand drehte und das Sta­dion in die Raserei trieb. Der Regis­seur des Spek­ta­kels, nach 1257 Tagen in den Pro­fi­fuß­ball zurück­ge­kehrt, wurde nicht müde, die ver­meint­liche Hexerei in banale harte Arbeit umzu­deuten. Er hatte auf die Struktur des Teams ein­ge­wirkt, fünf, sechs Leute als Gerüst eta­bliert, Paul Freier nach hinten gezogen, ohne Ende Stan­dards trai­niert – und mit einer extra Por­tion Moti­va­tion funk­tio­nierte die Sache, der VfL Bochum ret­tete sich vorm Rutsch in die dritte Liga.

In dieser Phase war die andere Facette von Pedda“, die des Pau­sen­clowns und Sprü­che­klop­fers, kaum wahr­nehmbar. Nur am Ende wurde es wieder wie früher, als Neururer sich die Haare vor lau­fender Kamera blau färben ließ. Und dann gab er einem Inter­net­portal noch ein his­to­ri­sches Inter­view, in dem er auf ewig Serio­sität ver­sprach. Haa­re­färben, die Tan­zerei vor den Fans etc. – So was wird es mit mir nie wieder geben.“

Mehr als nur Feu­er­wehr­mann

Pedda, mach kein Scheiß, das geht gar nicht! Dann gibt’s nie wieder Jury-Punkte! Aber mal ehr­lich: Glaubt irgend­einer an eine fun­da­men­tale Ver­än­de­rung des Peter Neururer? Selbst der Herz­in­farkt 2012 dürfte seine Per­sön­lich­keit nicht ent­schei­dend beein­flusst haben. Der Mann ist 58 und reprä­sen­tiert auf ewig den Pro­to­typen des Ruhr­ge­biets­men­schen: boden­stän­diger Kumpel, akri­bi­scher Arbeiter und große Schnauze. Unver­gessen seine Selbst­ein­schät­zung: Wenn wir unter den deut­schen Trai­nern ein Quiz machen würden, wer am meisten Ahnung hat von Trai­nings­lehre und Psy­cho­logie, und der Trainer mit den besten Ergeb­nissen kriegt den besten Klub – dann wäre ich bald bei Real Madrid.“

Wer so daher­schwa­dro­niert, kriegt natür­lich von allen Seiten auf die Rübe. So einer lässt Pickel bei denen sprießen, die den modernen Fuß­ball eher von der intel­lek­tuell-wis­sen­schaft­li­chen Seite angehen. Auf die Frage, ob er beim VfL jetzt auch als Kon­zept­trainer wirke, ant­wor­tete er spitz, er trai­niere haupt­säch­lich Ecken und Frei­stöße. Von Neururer wird keiner je Bemer­kungen über den ball­fernen Fuß“ oder über den Sechser hören, der seine Posi­tion wie ein Zehner inter­pre­tiere. Solche modi­schen Ver­pa­ckungen alter Inhalte sind ihm suspekt. Trotzdem ist er ein respek­ta­bler Fuß­ball­lehrer, der mehr kann als nur Feu­er­wehr­mann“. Und weil er sich nicht ver­biegen lässt, mit alten Kum­pels Harley-Touren macht, zwi­schen Por­sche und Adi­letten pen­delt und ab und an einen Spruch raus­haut, isser voll­kommen zurecht der Echte Typ“ geworden. Herz­li­chen Glück­wunsch, Peter Neururer, und viel­leicht wird’s in diesem Leben auch noch was mit einem Job auf Schalke!