Gregor Samimi, wie konnte Marco Reus sieben Jahre lang ohne oder gar mit einem gefälschten Füh­rer­schein Auto fahren?
Das liegt daran, dass kein zen­trales Fahr­erlaub­nis­re­gister exis­tiert. Das Ord­nungsamt über­prüft also bei­spiels­weise bei Geschwin­dig­keits­über­schrei­tungen nicht, ob der Fahrer einen Füh­rer­schein besitzt. So etwas kann nur bei Kon­trollen her­aus­kommen, und da hatte der Herr Reus anschei­nend einen gefälschten Füh­rer­schein, eine unechte Urkunde, dessen Gebrauch ver­mut­lich bereits im Straf­be­fehl inklu­iert ist.

Also hatte er schlichtweg Glück, dass er so lange damit durchkam?
Wenn er ein Viel­fahrer war, kann man das so sagen. Fak­tisch nach­ge­wiesen ist aber nur, dass er fünf Mal ohne gül­tigen Füh­rer­schein einen PKW gefahren ist, weil er sich fünf Mal straf­fällig im Stra­ßen­ver­kehr ver­halten hat.

Wie kommt die astro­no­mi­sche Strafe von 540.000 Euro zustande?
Herr Reus bekam eine Geld­strafe von 90 Tages­sätzen, das ist im Rahmen des Übli­chen. Ver­mut­lich bekam er 60 für das Fahren ohne Füh­rer­schein und 30 für den Gebrauch einer unechten Urkunde. Sein Pech ist ein­fach, dass er so viel Geld an einem Tag ver­dient. (lacht) 

Wie hoch wäre denn die Strafe für jemanden, der gar kein Ein­kommen hat?
Die Person müsste beim selben Her­gang mit einer Strafe von unge­fähr zehn Tages­sätzen á 30 Euro mal drei rechnen, also mit rund 900 Euro. Man ver­sucht mit dieser Methode eine gerechte Strafe zu erzielen, ange­passt an das Ein­kommen des Straf­fäl­ligen. 

Wie geht es jetzt weiter für Marco Reus?
Als vor­be­straft gilt man erst ab einer Strafe von 91 Tages­sätzen, das Füh­rungs­zeugnis von Herrn Reus bekommt also keinen Ein­trag. Im Nor­mal­fall wird er jetzt eine Sperr­frist von circa zehn Monaten bekommen, in denen er sich noch nicht für den Erwerb des Füh­rer­scheins anmelden kann. Zudem müsste er eine Medi­zi­nisch-Psy­cho­lo­gi­sche-Unter­su­chung (MPU) zur cha­rak­ter­li­chen Eig­nung für die Teil­nahme am Stra­ßen­ver­kehr absol­vieren. Der­zeit besteht durch den Straf­be­fehl näm­lich die Annahme, dass er dafür cha­rak­ter­lich unge­eignet ist. Da müsste er zunächst das Gegen­teil beweisen. 

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Gregor Samimi, Jahr­gang 1965, ist Fach­an­walt für Straf­recht, Ver­kehrs­recht und Ver­si­che­rungs­recht.