Das ist neu:
Gla­mour. Wolfs­burg hat nach Stefan Effen­bergs Gast­spiel Anfang der Nuller­jahre end­lich wieder eine echtes Super-Ego in seinen Reihen. Denn gegen das Selbst­be­wusst­sein vom däni­schen Neu­zu­gang Niklas Bendtner wirkt selbst das Ego des gefühlten Welt­stars Diego, der mitt­ler­weile bei Fener­bahce seine Bröt­chen ver­dient, wie ein schüch­terner Erst­klässer. Aus seiner Zeit in London ist fol­gende Anek­dote über­lie­fert: Im Früh­jahr 2010 bekam Arsenal Besuch von einem Psych­iater, der unter anderem das Selbst­ver­trauen der Spieler ein­schätzen sollte. Auf einer Skala, bei der eigent­lich 9 der beste Wert war, erzielte Bendtner eine glatte 10. Nicht ganz unsym­pa­thisch.

Das fehlt:
Eine Ver­stär­kung im Sturm. Im Ernst, Bendtner ist bei seinen letzten Sta­tionen weniger durch fuß­bal­le­ri­sche Exzel­lenz, denn durch Alko­hol­fahrten, Par­ty­nächte und Fast-Food-Exzesse auf­ge­fallen. Und dass der VfL mona­te­lang an Bel­giens Sturm­bullen Romelu Lukaku rum­bag­gerte, gar bereit war über 30 Mil­lionen Euro zu bezahlen, und am Ende doch Bendtner ver­pflich­tete, riecht gefähr­lich nach Panik­kauf. Dabei hatte sich der VfL zuvor bisher unge­wöhn­lich defensiv auf dem Trans­fer­markt bewegt, ledig­lich Josuha Gui­la­vogui wurde für knapp sechs Mil­lionen von Atle­tico Madrid geliehen, Sebas­tian Jung kam für schmale 2,5 Mil­lionen aus Frank­furt, Aaron Hunt und Bendtner gar ablö­se­frei. Eigent­lich müsste noch etwas Klein­geld zur Ver­fü­gung stehen, um eine durch­schlags­kräf­tige Ergän­zung zu Ivica Olic und Bas Dost zu finan­zieren. Und ein paar Tage ist das Trans­fer­fenster ja auch noch geöffnet. Und angeb­lich bietet der AS Monaco der­zeit Falcao an wie Sauer­bier. Nur Mut!

Das fehlt nicht:
Hohe Ansprüche. Mit einem Gesamt­wert von 179,48 Mil­lionen Euro (Quelle: trans​fer​markt​.de) hat Wolfs­burg immerhin den viert­teu­ersten Kader der Liga. Der schreit quasi danach, nach dem Errei­chen der Europa League in der ver­gan­genen Saison nun den nächsten Schritt zu machen. Soll heißen: Cham­pions League. Weil der Zugang zu den oberen vier Plätze aber seit Jahren von den übli­chen Ver­däch­tigen zuge­mauert zu sein scheint, dürfte der Kampf um die Königs­klasse in dieser Saison der span­nendste bun­des­li­gain­terne Wett­kampf sein. So werten wir das Pokal­ge­würge gegen Darm­stadt 98 dann auch ein­fach mal als kleinen Fehl­tritt zum rich­tigen Zeit­punkt und hoffen auf große Duelle um Europas Königs­klasse.

Wäre diese Mann­schaft ein Lied, dann dieses:
Beastie Boys – Fight for your right to party

Mit Par­ty­mi­nister Niklas Bendtner in vor­derster Front wird es in Wolfs­burg in dieser Saison sicher nicht lang­weilig. Will der Werks­klub aller­dings am Ende wirk­lich die Scham­pus­korken knallen lassen, muss gekämpft werden.

Text­auszug

You wake up late for school man you don’t wanna go
You ask you mom, Please?“ but she still says, No!“
You missed two classes and no home­work
But your tea­cher preaches class like you’re some kind of jerk

Das 11FREUNDE-Orakel:
Wolfs­burg hat in den ver­gan­genen Jahren kräftig in den Kader inves­tiert, dazu mit Dieter Hecking einen Trainer, der sich mitt­ler­weile an die Think-Big-Aura des Auto­mo­bil­klubs gewöhnt haben dürfte. Also greift man per eigenem Selbst­ver­ständnis nach einem dau­er­haften Start­platz in der Cham­pions League und könnte Schalke und Lever­kusen tat­säch­lich ernst­haft gefähr­lich werden. Sollte Bendtner sich also auf seinen Job kon­zen­trieren und zu alter Stärke zurück­finden, lautet unser Tipp: Platz 4. Sollte er weiter Raubbau an seiner Kar­riere betreiben, lest ihr es sicher bald auch auf dem rei­ße­ri­schen Bou­le­vard­portal eures Ver­trauens: www​.11freunde​.de.