Parma vor dem Konkurs

Für eine Handvoll Euros

Steuerschulden, nicht ausgezahlte Gehälter und windige Besitzer – nach Jahren der Misswirtschaft steht der FC Parma vor dem Aus.

imago images

Es gibt ein Mannschaftsfoto aus der Saison 1998/99, als der FC Parma noch AC Parma hieß, und auf dem vom Abgrund noch nichts zu ahnen ist. Ein junger Gianluigi Buffon steht da, Arm in Arm mit Lilian Thuram und neben Juan Sebastian Veron. Vor ihnen knien der spätere Weltfußballer Fabio Cannavaro und Hernan Crespo, der in jener Saison 16 Tore schießen wird. Blau-Gelber Rauch steigt aus der Fankurve im Hintergrund auf, die Anhänger freuen sich auf ein Spiel, das diese Mannschaft, die zu Großem berufen scheint, gewinnen wird. Wenige Wochen später können sie sich über den Gewinn des UEFA-Cups freuen, den ihre Mannschaft zum zweiten Mal nach 1995 gewinnt. In der Liga – eine Serie A auf ihrem Höhepunkt – wird der stolze AC als Vierter in die Champions League einziehen. Die Zukunft scheint rosig.

Auf aktuellen Fotos ist davon nichts mehr zu sehen. Die Spieler, namenlose, mittelmäßige Kicker, schleichen mit hängenden Köpfen vom Platz, gerade haben sie gegen Chievo Verona verloren, mit nur zehn Punkten aus 23 Spielen sind sie Tabellenletzter. Dass das nächste Heimspiel gegen Udinese ausfallen wird, weil der Verein die Stromrechnung und die Servicekräfte nicht mehr bezahlen kann, ahnen die Spieler noch nicht. Dass sie am Ende des Monats wieder kein Gehalt bekommen werden, dagegen schon.

Präsidenten verschleißt der Verein wie andere Klubs Ballnetze



Der FC Parma steht vor dem Aus. Das ist in Parma nichts Neues, bereits 2004 musste sich der Verein als FC neu gründen, als er aus der Konkursmasse des bankrotten Mutterunternehmens Parmalat herausgelöst wurde. Doch diesmal scheint die Situation noch ein wenig verzweifelter. Rund 100 Millionen Euro Schulden drücken den Klub, aus dem allerhöchstens noch ein Spekulationsobjekt für profilneurotische Neu-Besitzer geworden ist. Innerhalb von nur zwei Monaten wurde der Verein zweimal verkauft, beide Male für die symbolische Summe von einem Euro. Präsidenten verschleißt der Verein aktuell wie andere Klubs Ballnetze.

Die aktuelle Misere geht dabei auf Ex-Besitzer und -Präsident Tommaso Ghirardi zurück, der den Schuldenberg in seiner sieben Jahre währenden Amtszeit anhäufte. Tommaso verkaufte das sinkende Schiff im vergangenen Sommer, nachdem der sportlich für die Europa League qualifizierte FC nicht am Wettbewerb teilnehmen durfte – Tommaso hatte die Einkommenssteuer für verliehene Spieler in Höhe von 280.000 Euro nicht rechtzeitig gezahlt.