Der Aufruf erfolgte eher im kleinen Kreis – in einer geschlos­senen Face­book-Gruppe. Und doch weckte er rie­sige Auf­merk­sam­keit. Roland Domonkos, ein füh­render Kopf der Fan­szene des FK DAC 1904 Dun­a­jska Streda, hatte seine Mit­streiter auf­ge­rufen, künftig kein Döner mehr zu kon­su­mieren. Unter­stützen wir nicht einen wei­teren Auf­schwung des isla­mi­schen Volkes“, hetzte Domonkos. Uns reicht auch unser Papri­ka­huhn statt Kebab.“ 

Boy­kott! Wegen der Isla­mi­sie­rung und so. Auf­ge­deckt hatte den Aufruf der slo­wa­ki­sche Internet-Akti­vist Martin Dubéci. Und weil das Ganze ein biss­chen so klang wie Kauft nicht bei …“ (und wohl auch ein biss­chen so gemeint war), berich­teten plötz­lich sogar ver­schie­dene Medien in den Nach­bar­län­dern Tsche­chien, Ungarn und Öster­reich über den Appell. 

Der Auf­schrei blieb aus.

Doch in Dun­a­jska Streda, der kleinen Stadt in der Süd­slo­wakei, blieb der Auf­schrei aus. Kam­pa­gnen-Chef Domonkos fand auf Face­book sofort eif­rige Befür­worter. Ansonsten, so lokale Beob­achter, bewegen sich die meisten irgendwo zwi­schen Unver­ständnis, Gleich­gül­tig­keit und still­schwei­gender Zustim­mung. Der Verein befand es jeden­falls nicht für not­wendig, sich öffent­lich von dem Boy­kott-Aufruf zu distan­zieren. Die Geschäfts­stelle befindet sich noch im Win­ter­schlaf, der Spiel­be­trieb beginnt erst am 18. Februar. Bis dahin wird wohl Gras über die Sache gewachsen sein. 

Zumal Boy­kott-Initiator Domonkos auf Medien-Nach­fragen eilig zurück­ge­ru­dert ist. Via Face­book hatte er zunächst gewet­tert: Wenn das Schicksal jemanden aus seiner Heimat zu uns geführt hat, dann helfen wir ihm gern, zurück nach Hause zu kommen!“ Gegen­über der Zei­tung Uj Szo“ rela­ti­vierte der Anführer der Yellow-Blue Sup­por­ters“: Wir haben damit nicht die­je­nigen gemeint, die schon 20 Jahre oder länger bei uns leben, son­dern die, die sich jetzt aus Grie­chen­land oder der Türkei auf den Weg machen.“ Ver­mut­lich also mus­li­mi­sche Flücht­linge, die nach wie vor über die Bal­kan­route ihr Glück ver­su­chen.

Gemein­same Sache mit den Natio­nal­so­zia­listen“

Über­trie­bene Poli­tical Cor­rect­ness kann man den Fans von Dun­a­jska Streda jeden­falls nicht vor­werfen. Zumin­dest nicht allen! Ab und an ist im Block die rot-weiß-gestreifte Arpád-Fahne zu sehen, ein umstrit­tenes Symbol der Rechten in Ungarn. Die Stadt Dun­a­jska Streda gilt als Bas­tion der unga­risch-stäm­migen Min­der­heit in der Slo­wakei. Drei­viertel der Ein­wohner sind eth­ni­sche Ungarn. Und die Gelb-Blauen sind seit je her deren Klub. Früher tauchte im Sta­dion gele­gent­lich das Symbol der unga­ri­schen Pfeil­kreuzler“ auf, jener natio­na­lis­ti­schen Orga­ni­sa­tion, die wäh­rend des Dritten Reichs gemein­same Sache mit den deut­schen Natio­nal­so­zia­listen gemacht hatte.

Ande­rer­seits – wer zum ersten Mal ein Heim­spiel des FK DAC 1904 Dun­a­jska Streda besucht, ver­spürt vor allem eines: eine dicke, dicke Gän­se­haut! Die Inbrunst, mit der die Fans des Klubs ihre Hymne („Ohne dich“) in unga­ri­scher Sprache singen, berührt jeden. Sie zeugt von jenem zemen­tierten Zusam­men­halt, den nur gesell­schaft­liche Rand­gruppen emp­finden können. Die unga­ri­sche Min­der­heit ist selbst nicht gerade beliebt in der Slo­wakei und hat mit vielen Schmä­hungen zu kämpfen.