Seite 2: „Das war für mich schwer zu akzeptieren“

Haben Sie sich durch diese Nähe und Gemein­schaft auch als Person wei­ter­ent­wi­ckelt?
Ich bin mit Anfang 20 als völlig Unbe­kannter zu Union gekommen und wurde direkt mit offenen Armen emp­fangen. Ich habe durch­ge­hend Unter­stüt­zung gespürt, das hat mir in meiner per­sön­li­chen Ent­wick­lung sehr geholfen und mich bestärkt, hier im Verein eine wich­tige Rolle ein­zu­nehmen.

Und die sport­liche Ent­wick­lung?
Die hat sich seit zwei Jahren etwas ver­än­dert. Ich war eigent­lich immer Stamm­spieler. Mitt­ler­weile sitz ich auch mal auf der Bank oder sogar auf der Tri­büne.

Wie gehen Sie damit um?
Früher hat mich das tage­lang beschäf­tigt. Da habe ich eine Nicht­be­rück­sich­ti­gung teil­weise wochen­lang ver­ar­beiten müssen.

Hat sich das gebes­sert?
Das ist ein Pro­zess, den man durch­leben muss. Mitt­ler­weile habe ich eine Familie mit zwei Kin­dern. Ob ich frus­triert vom Fuß­ball nach Hause komme, spielt für sie über­haupt keine Rolle. Denen ist egal, ob ich 90 Minuten gespielt habe oder nicht. Nur ab und an fragt mich mein Sohn: Papa, warum sitzt du immer auf der Bank“? (lacht). Klar nervt es mich noch, wenn ich nicht spiele, aber ich habe auch erkannt, dass im Fuß­ball nicht nur elf Spieler auf dem Platz gebraucht werden.

Also wirken Sie anders auf die Mann­schaft ein.
Ich sehe mich in sol­chen Situa­tionen als Vor­bild und kann meine per­sön­li­chen Pro­bleme nicht wochen­lang mit mir her­um­tragen. Das muss man abhaken und dann geht es wieder von vorne los.

Diese Eigen­schaften mussten Sie auch vor Ihrer Zeit bei Union erlernen. Sie wech­selten von Pader­born nach Dort­mund und dann zum 1.FC Köln. Dort gelang Ihnen der Sprung zu den Profis, für einen Ein­satz hat es aller­dings nie gereicht.
Das stimmt. Den­noch sind die Erin­ne­rungen grund­sätz­lich sehr positiv, ich habe immer noch viele Kon­takte dort hin. Für mich war es etwas beson­deres, die Men­ta­lität im Rhein­land ken­nen­zu­lernen.

Und sport­lich?
Es hieß damals, es gebe in Köln keinen Links­ver­tei­diger. Da wollte ich meine Chance nutzen. Ich durfte direkt mit der ersten Mann­schaft ins Trai­nings­lager, spielte dann in meinem ersten Jahr in der zweiten Mann­schaft eine super Saison und war bereit, den nächsten Schritt zu machen, fand aber bei den Profis keine Berück­sich­ti­gung.

Lag das an Chris­toph Daum? 
Ich kann schwer beur­teilen, an wem es wirk­lich lag. Aber klar, am Ende war er dafür ver­ant­wort­lich. Er hatte Druck auf­zu­steigen und hat lieber auf erfah­rene Spieler gesetzt. Er ist damals lieber mit nur 15 Spie­lern zu einem Spiel gefahren, anstatt den Kader mit jungen Spie­lern auf­zu­füllen. Das war für mich schwer zu akzep­tieren.