Seite 3: „Ich musste den Sieg alleine im Krankenhaus feiern“

Und dann haben Sie gezwei­felt.
Ich hab mir in meinem zweiten Ver­trags­jahr ernst­hafte Gedanken gemacht, ob es für eine Profi-Kar­riere reicht. Ich war immer Stamm­spieler und auf einmal wurde ein jün­gerer Spieler auf meiner Posi­tion bevor­zugt. Dann habe ich mich beim Trainer beschwert und gesagt, dass ich am Über­legen bin wie es wei­ter­geht. Aber auch nach dem Gespräch war die Per­spek­tive nicht wirk­lich besser.

Ein paar Tage später bekamen Sie einen Anruf von Uwe Neu­haus.
Ich saß damals bei einem Kumpel auf dem Sofa. Dann bekam ich einen Anruf von einer unbe­kannten Nummer. Ich habe erst mal rea­li­sieren müssen, dass Uwe Neu­haus dran ist und was er von mir will. Dann meinte er, ich könnte zu Union Berlin wech­seln. Ich hatte Union ehr­lich gesagt über­haupt nicht auf dem Schirm, durch Uwe Neu­haus hatte ich aber schnell ein gutes Gefühl. Ich kannte ihn ja bereits aus Dort­munder Zeiten, das hat direkt gepasst.

Es passte so gut, dass Sie direkt in Ihrem ersten Jahr auf­ge­stiegen sind. Sie sind im aktu­ellen Kader der letzte Auf­stiegs­held und haben über 200 Spiele für Union gemacht. Dar­unter auch vier Derbys.
Das mit dem Derby ist eine beson­dere Geschichte. In meinem ersten Derby wurde ich vom Kicker zum Spieler des Spiels gewählt, dabei spielte ich mit einer nicht kom­plett aus­ku­rierten Innen­band­ver­let­zung. Das habe ich mir dann auch drei Spiele später erneut gerissen. Ich hätte eigent­lich nie­mals spielen dürfen.

Zum Glück gab es noch das Spiel im Olym­pia­sta­dion.
Nicht wirk­lich (lacht). Das ist wirk­lich kurios. Im Olym­pia­sta­dion vor vollem Haus zu spielen, war wirk­lich etwas beson­deres. Leider habe ich kaum noch Erin­ne­rungen daran. Ich wollte auf keinen Fall den ersten Zwei­kampf ver­lieren und bin gegen Peter Nie­meyer voll rein­ge­gangen. Dann sind wir mit den Köpfen zusam­men­ge­stoßen, danach weiß ich nichts mehr. Ich hatte eine Gehirn­er­schüt­te­rung und musste den Sieg alleine im Kran­ken­haus feiern. Peter Nie­meyer hat mir später erzählt, dass er auch nicht mehr viel von dem Spiel weiß, aber er hat zumin­dest zu Ende gespielt. Ein paar Monate später, im nächsten Spiel gegen Hertha, habe ich mir in der 90. Minuten das Waden­bein gebro­chen.

Hertha und Parensen, das passt ein­fach nicht.
Das kann man so sagen. Ich habe nochmal ein Derby auf­grund einer Lun­gen­ent­zün­dung ver­passt. Diese Krank­heit hatte ich genau einmal in meinem Leben.

Umso mehr passt Ihre Bezie­hung zu Union. Ist der Auf­stieg in die Bun­des­liga das feh­lende Puz­zle­teil in dieser beson­deren Geschichte?
Sollte es am Ende nicht klappen, wird der ver­passte Auf­stieg auf keinen Fall im Vor­der­grund meiner Zeit bei Union stehen. Aber klar, in die Bun­des­liga auf­zu­steigen und damit den zweiten Auf­stieg mit­zu­er­leben, ist defi­nitiv ein Traum von mir.

Was stimmt Sie zuver­sicht­lich, dass es dieses Jahr klappen kann?
In den Jahren zuvor hat der Verein den Umgang mit einer sol­chen Situa­tion nicht richtig ver­standen. Da kam auf einmal viel von außen. Mitt­ler­weile ver­stehen die Ver­ant­wort­li­chen mit dieser Situa­tion deut­lich besser umzu­gehen.

Und die Mann­schaft?
Bringt dieses Jahr deut­lich mehr Erfah­rung mit. Wir haben viele Spieler, die eine solche Situa­tionen bereits erlebt haben und damit umgehen können. Das ist ein Vor­teil für uns.

Ist der Auf­stieg mitt­ler­weile das Sai­son­ziel?
Das Sai­son­ziel war mit Sicher­heit nicht der Auf­stieg, aber wenn man oben dabei ist und die Saison so solide spielt wie wir, dann wird der Auf­stieg auto­ma­tisch ein Thema. Aber wie gesagt, damit umzu­gehen ist die Kunst. Am Ende geht es darum, ver­nünftig zu arbeiten und sich täg­lich zu ver­bes­sern. Und wenn man das macht, kommt der Erfolg auto­ma­tisch.