Seite 4: „Oh nein, nicht schon wieder!“

Exakt diese Ant­wort bekam auch der Reporter des Kicker“, der sich bei der WM 1978 dar­über wun­derte, dass im Sta­dion in Cor­doba nicht nur die Tor­pfosten schwarze Quer­streifen hatten, son­dern auch die Eck­fahnen. Er fragte einen Sta­di­on­be­diens­teten und erklärte dann seinen Lesern: Sie sollen den Stür­mern als Kon­trast zum sonst ganz in Weiß gehal­tenen Gebälk dienen und somit das Treffen erleich­tern.“ Gra­fiker würden das einen Störer“ nennen. Etwas, das die Auf­merk­sam­keit auf sich zieht, weil es nicht zur Umge­bung passt.

Was zur zweiten Frage führt. Warum hat Eze­quiel Valen­tini, der einst im Sta­dion von River Plate arbei­tete, David For­rest nicht gesagt, dass argen­ti­ni­sche Pfosten schon seit Jahr­zehnten bemalt wurden? Statt­dessen erzählte er ihm, dass den Mili­tärs die schwarzen Pfosten nicht auf­fielen, weil sie sich mit Fuß­ball nicht aus­kannten. Dabei war Vize-Admiral Carlos Lacoste, der Chef des WM-OK, nicht bloß ein hohes Tier bei River Plate, son­dern sogar dafür ver­ant­wort­lich, dass Diego Mara­dona 1978 nicht im Kader stand. Lacoste wollte, dass sein Lieb­lings­spieler – Nor­berto Alonso, der Regis­seur von River Plate – bei der WM dabei war, wes­halb Mara­dona nach Hause geschickt wurde.

Es gibt nur eine Mög­lich­keit, um her­aus­zu­finden, wes­halb Valen­tini seinem Zuhörer aus Schott­land einen Bären auf­ge­bunden hat. Also fahre ich in den Stadt­teil von Buenos Aires, der Palermo heißt. Hier befindet sich das beson­ders bei Tou­risten sehr beliebte Restau­rant Par­rilla Don Julio. Man bekommt dort gute Steaks und die tra­di­tio­nellen Fleisch­stücke, die langsam gegrillt werden. Hier hatte For­rest sein Zusam­men­treffen mit Valen­tini, der als Kellner im Par­rilla Don Julio arbeitet.

Suche nach einem Geist

Oh nein, nicht schon wieder!“, seufzt der Manager des Restau­rants, als ich ihn bitte, mit Eze­quiel Valen­tini spre­chen zu dürfen. Er dreht sich zur Küche um und ruft: Schon wieder einer, der den Geist sucht!“ Dann erklärt er mir, dass nie jemand mit diesem Namen im Restau­rant gear­beitet hat. Es tut mir leid, wenn es Ihnen das Herz bricht“, setzt er hinzu. Ich habe das schon meh­reren Leuten gesagt und gespürt, wie ent­täuscht sie waren. Ich habe keine Ahnung, wer das in die Welt gesetzt hat und warum.“ Es bricht mir nicht das Herz, denn ins­ge­heim habe ich so etwas schon seit dem Moment ver­mutet, als mir Carlos Per­alta ver­si­cherte, dass ein Ita­liener namens Cacho Armani bei River Plate dafür zuständig war, die Pfosten zu strei­chen.

Bleibt noch die dritte Frage. Warum hörte Argen­ti­nien irgend­wann damit auf, die Pfosten zu bemalen? Als die Boca Juniors 1992 ihren ersten Titel seit elf Jahren holten, waren die Pfosten in La Bom­bonera noch bunt, wie in nahezu allen Sta­dien des Landes. Doch im Ver­lauf der nächsten beiden Jahre ver­schwand die Farbe. Auch das hat leider keinen roman­ti­schen Hin­ter­grund, son­dern einen büro­kra­ti­schen. Im Jahre 1988 fügte die FIFA dem Regel­buch fünf Wörter hinzu. Sie lauten: Pfosten und Quer­latten sind weiß.“

Schwarze Pfosten 1972 in Bar­ce­lona beim Finale im Pokal der Pokal­sieger.