Seite 2: Das bekannte Bild: Altstars und Transferflops

So galt die Wirt­schafts­welt­macht fuß­bal­le­risch lange Zeit als Ent­wick­lungs­ge­biet. 2012 erschien China dann in typi­scher Publi­city-Manier mit Hype-Trans­fers aus­län­di­scher Alt­stars auf der Fuß­ball-Land­karte. Nicolas Anelka wech­selte im Januar zu Shanghai Shenhua, Didier Drogba folgte im Juli. Neue sport­liche Her­aus­for­de­rungen haben beide – schon damals im betag­teren Fuß­bal­ler­alter – sicher­lich nicht gesucht: Die Kar­riere ruhig aus­klingen lassen, noch einmal finan­ziell etwas abgreifen und nebenbei eine neue Kultur ken­nen­lernen, das könnte eher der Plan gewesen sein. Schnell machten sich die Legio­näre jedoch wieder vom Acker.

Bestes Bei­spiel für diesen Kar­rie­re­ent­wurf ist Ex-Dort­munder Tor­jäger Lucas Bar­rios. Eben­falls 2012 wech­selte er nach zwei Meis­ter­ti­teln mit dem BVB als damals 27-Jäh­riger zu Guang­zhou Ever­grande. Unter Coach Mar­cello Lippi kam er nur zu wenigen Ein­sätzen und fühlte sich wie im gol­denen Käfig“, wie er dem Kicker“ berich­tete. Vom ver­spro­chenen 5,5 Mil­lionen-Gehalt kam angeb­lich nur die Hälfte an. Eine Saison später war auch er wieder auf der Suche nach einer Anstel­lung in Europa, fand aber keinen Anschluss mehr, wurde von Spartak Moskau nach Mont­pel­lier ver­liehen und spielt inzwi­schen bei Pal­meiras São Paulo.

Chinas Super League als Kar­rie­re­grab, der Ruf scheint sich zu fes­tigen. Der nächste Kan­didat könnte Ex-Hof­fen­heimer Demba Ba sein. Nach Sta­tionen in New­castle und bei Chelsea, wech­selt er Anfang Juli für umge­rechnet 13,5 Mil­lionen Euro von Bes­iktas Istanbul zu Shanghai Shenhua.

Finan­ziell auf Bun­des­liga-Niveau

Also alles beim Alten in China? Jour­na­list James Young sieht das anders. Er lebt in Bra­si­lien, schreibt über die dor­tige Szene für Sports Illus­trated, The Inde­pen­dent oder ESPN. Seine These: China könnte die neue Adresse für auf­stre­bende Stars aus der bra­si­lia­ni­schen Liga werden. Die befindet sich in der finan­zi­ellen Krise und auch in Europa ebbt das Inter­esse an jungen bra­si­lia­ni­schen Spie­lern ab. Die finanz­starken Ver­eine in China leben von den Spon­so­ren­gel­dern der boo­menden Wirt­schaft. Ever­grande aus der Mil­lio­nen­me­tro­pole Guang­zhou gehört zur Hälfte dem Ver­sand­handel-Unter­nehmen Ali­baba und könnte mit einem statt­li­chen Markt­wert von 49 Mil­lionen Euro finan­ziell locker in der Bun­des­liga mit­halten.