Oka Nikolov
Was Opa“ Nikolov (Kalauer © Marcel Reif) am Samstag gegen Schalke hielt, war, wie es Schalkes Draxler for­mu­lierte, der Wahn­sinn“. Mit der Vita­lität eines A‑Jugendlichen schmiss sich der Frank­furter Keeper über die Krei­de­linie, hielt einen Elf­meter und ent­schärfte gefühlte zwanzig gefähr­liche Tor­schüsse der Schalker. Was diese her­aus­ra­gende Leis­tung so beson­ders macht: Nikolov ist mit bald 39 Jahren der älteste Spieler der Liga. Als der Keeper 1994 seine erste Profi-Saison bei der Ein­tracht spielte, stand der andere Match­winner vom Samstag, der 17-jäh­rige Marc Sten­dera, noch als Jogurth in einem Kas­seler Super­markt­regal. Und wäh­rend wir uns noch diese unan­ge­nehme Meta­pher aus dem Kopf schüt­teln, hoffen wir, mit 39 Jahren auch noch so fit zu sein wie Oka Nikolov. Wohl wis­send, dass dem wohl nicht so sein wird. Ächz.

Uli Hoeneß
Das war wirk­lich ein dickes Ding. Wie am Wochen­ende bekannt wurde, erstat­tete Bayern-Präsi Uli Hoeneß im Januar Selbst­an­zeige wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung, es soll dabei um eine Summe gehen, die so viele Nullen hat, dass wir einen eigenen Artikel für sie anlegen müssten. Details sind noch Man­gel­ware, aber es bahnt sich ein Skandal an, so fett wie Hoeneß Nürn­burger. Aus­ge­rechnet Hoeneß“, ist man ver­sucht zu sagen. Wie groß der Schaden tat­säch­lich ist, wird sich in den kom­menden Tagen zeigen. Bewahr­heiten sich aber die Mel­dungen in der Presse, scheint es nicht unmög­lich, dass Hoeneß bald wieder regel­mäßig mit Breno zu Mittag essen kann. Die Bayern wollen sich davon nicht beein­flussen lassen. Pri­vat­sache“ sei das und man gehe weiter seinen Weg. Is klar.

Johannes Geis
Die Für­ther haben eine Erst­li­ga­saison von alp­traum­haften Aus­maßen hinter sich. Jahre zuvor schei­terten sie immer denkbar knapp am Auf­stieg ins Ober­haus und zeit­weise war sogar vom Stigma der Unauf­steig­baren“ die Rede. Dann schafften sie es end­lich doch und werden nun eine kom­plette Saison lang aufs Übelste ver­prü­gelt. Wie man eine solche Saison aber doch noch ver­söhn­lich gestaltet, zeigte die SpVgg am Sonn­tag­abend, als sie den mit­ge­reisten Fans einen Aus­wärts­sieg im Fran­ken­derby beim unge­liebten großen Bruder aus Nürn­berg bescherte. Match­winner dabei: Johannes Geis, ein 19-jäh­riger Abwehr­spieler, der eigent­lich in der Regio­nal­liga kickt. Und im Derby kurz mal ein Traumtor zum Sieg schoss. Wie so Legenden eben geboren werden…

Marc Sten­dera
Was wir gemacht haben, als wir 17 Jahre alt waren: An unseren Mofas rum­schrauben. Unbe­holfen auf der Kir­meszelt-Tanz­fläche her­um­stehen. Pickel aus­drü­cken. Den Row­dies aus der Innen­stadt aus dem Weg gehen. Mathe-Arbeiten ver­sem­meln. Über zu nied­riges Taschen­geld jam­mern. Sehn­suchts­voll nach der weg­ge­räumten Lego-Kiste schielen.
Was Marc Sten­dera mit 17 macht: Sein erstes Bun­des­li­ga­spiel von Beginn an. Der beste Feld­spieler auf dem Platz sein. Stan­dards schießen, die so gefähr­lich sind wie Hand­gra­naten“ (Bruno Hübner). Das Siegtor gegen Schalke vor­be­reiten. Einen statt­li­chen, mann­haften Bart tragen. Unsere sieb­zehn­jäh­rigen Ichs ver­neigen sich vor ihrem neuen König.

Diego
And the Oscar goes to…..Diego. Der Wolfs­burger spielte nach seinem Elf­me­tertor zum 3:0 gegen Werder Bremen im Stile eines Cha­rak­ter­schau­spie­lers die tra­gi­sche Rolle des betrof­fenen Ex-Spie­lers, der seinem ehe­ma­ligen Klub immer noch zutiefst ver­bunden ist. Kopf­schüt­teln, beschwich­ti­gende Geste in Rich­tung des Publi­kums, mit­leid­volles Nicken, nur die Tränen des Mit­ge­fühls fehlten noch. Da machte es auch nichts, dass Diego in den letzten Jahren seine Ver­eine wech­selte wie andere Leute ihre Socken. Großes Gefühls­kino.

Rafael van der Vaart
Hach, wir werden fast ein wenig nost­al­gisch beim Schreiben dieser Liste. Erst Diego, nun van der Vaart. Wo ist sie nur hin, die Zeit, in der Thomas Doll an der Sei­ten­linie stand, der HSV und Bremen Spit­zen­mann­schaften waren und Khalid Boul­harouz durch die Sech­zehner der Liga hobelte? Irgendwie vorbei, irgendwie aber auch nicht. Denn der HSV hat erstaun­li­cher­weise immer noch die Chance auf die Cham­pions League. Das muss man sich mal vor­stellen. Wenn der HSV nach einer derart holp­rigen Saison noch in die Königs­klasse ein­ziehen würde, wäre das wirk­lich der Trep­pen­witz der Spiel­zeit und wohl zu einem Groß­teil Rafael van der Vaarts Ver­dienst. Am Samstag schoss der Hol­länder For­tuna Düs­sel­dorf im Allein­gang ab. Zuerst nickte er sein erstes Kopf­balltor für die Ham­burger in die Maschen, danach machte er die Düs­sel­dorfer Abwehr auf einem Raum frisch, der enger war als die Finanzen beim HSV und tun­nelte Keeper Giefer zum Siegtor.

Marko Arn­au­tovic
Erst letzte Woche belus­tigten wir uns an Arn­au­to­vics auf­rei­zend läs­siger Art, nur sieben Tage später äußern wir an dieser Stelle unser Mit­ge­fühl. Arn­au­tovic schaffte am Wochen­ende näm­lich das Kunst­stück, gleich zwei Abseits­tore zu erzielen. Wie es in einem wie Arn­au­tovic bro­deln muss, wenn man gleich zweimal zurück­ge­pfiffen wird, können wir nur mut­maßen. Ande­rer­seits: So hatte der Öster­rei­cher wenigs­tens Anlass für sein obli­ga­to­ri­sches Abge­winke.

Claudio Pizarro
So stellen wir uns den per­fekten Vor­ru­he­stand vor. Gutes Geld bekommen, mit den Kum­pels Spaß haben und ab und zu ein biss­chen Kicken. Claudio Pizarro macht es vor. Als in die Jahre gekom­mener Stürmer Nummer Drei bei den Bayern ist er immer noch besser als 99 Pro­zent der Liga und machte beim 6:1 gegen Han­nover zwei Tore. Und weil er so gut und erfahren ist, ließ er sich ab und an ein wenig auf die Zehn zurück­fallen und berei­tete noch zwei wei­tere Tore vor, mit Traum­pässen, die Uwe Bein die Tränen in die Augen getrieben haben dürften. Der Mann kann es ein­fach. 

Mario Gomez
Auch Gomez taucht in dieser Liste auf! Und das vor allem, weil er es bei den Bayern diese Saison nicht son­der­lich leicht hat. Und weil er es ins­ge­samt nicht son­der­lich leicht hat, denn trotz seiner Fan­ta­sie­quote von 137 Toren in 234 Bun­des­li­ga­spielen und einem ähn­li­chen Schnitt auf euro­päi­scher Ebene ist Gomez meist der erste, an dem her­um­ge­krit­telt wird. Am Wochen­ende durfte Mün­chens stür­mender Schön­ling mal wieder von Beginn an ran, machte prompt zwei Buden und steht jetzt bei ordent­li­chen zehn Sai­son­toren, obschon er in dieser Spiel­zeit meist nur Ersatz hinter Mario Mandzukic war. Nicht aus­zu­denken, wo er stünde, wenn er mehr Spiel­zeit bekommen hätte.

Robert Lewan­dowski
Der­zeit schil­lerndster Stürmer und umweglos auf dem Weg zur Tor­jä­ger­ka­none ist Robert Lewan­dowski. Der Pole gerd­mül­lert sich der­zeit durch die Liga und traf in den zurück­lie­genden zwölf Spielen jeweils ins Tor. Trifft er in den ver­blei­benden vier Spielen auch noch, stellt er den Rekord von Müller ein, 16 Spiele am Stück getroffen zu haben. Wenigs­tens ein Rekord, den die Bayern diese Saison für die anderen übrig lassen. Das neben dem Rundum-Sorglos-Welt­klas­se­stürmer-Paket, das Lewan­dowski mit­bringt, auch ein guter Schluck Kreis­li­ga­bomber in ihm steckt, zeigte sein Tor gegen Mainz. Ewig nicht zu sehen, um dann den Fuß zwanzig Zen­ti­meter vor der Linie in einen Quer­pass zu halten. Den hätt´ meine Omma auch noch gemacht“, unkte es durch die Redak­tion. Viel­leicht. Die anderen 22 Sai­son­tore aber nicht.

Pierre-Michel Lasogga
Streng genommen gehört Pierre-Michel Lasogga gar nicht in diese Liste, schließ­lich kickt Her­thas Stürmer in der Zweiten Liga. Nun schoss der 21-jäh­rige aber am Wochen­ende das Siegtor für die Hertha gegen Sand­hausen und besie­gelte so den sechsten Auf­stieg der Alten Dame“. Was bedeutet, dass er nun doch irgendwie in diese Liste gehört. Außerdem war Lasogga eine halbe Ewig­keit ver­letzt, konnte erst eine hand­voll Spiele in dieser Saison bestreiten und schoss mit dem Auf­stiegs­treffer sein erstes Tor seit 372 Tagen. Alles das bedient den Geschichten, wo nur der Fuß­ball schreibt“-Faktor, dem wir nicht wider­stehen können. Also: Herz­lich Will­kommen zurück in der ersten Liga, Hertha BSC Berlin und Pierre-Michel Lasogga.