Natür­lich bedauern wir das sehr.“ Der Spre­cher von Han­nover 96, Alex Jacob, musste am Dienstag zu Kreuze krie­chen. Gemeinsam mit Trainer Mirko Slomka und Manager Dirk Duffner hatte er vier Han­no­ve­raner Jour­na­listen vor dem Anpfiff der Partie 96 gegen Hof­fen­heim mit einer Falsch­mel­dung getäuscht. Inhalt: Der Spieler Steven Cher­un­dolo werde des­halb nicht im Kader stehen, weil er sich einen Hexen­schuss zuge­zogen hatte. Armer Steven Cher­un­dolo, dachten sich ver­mut­lich die Jour­na­listen, hatte der US-Ame­ri­kaner doch gerade erst eine lange Ver­let­zungs­pause über­standen. Gegen die TSG sollte er erst­mals wieder im Kader stehen.

Das war nicht pro­fes­sio­nell!“

Am Dienstag dann die Ent­schul­di­gung: Es sei falsch gewesen die Medien mit dieser Mel­dung hin­ters Licht zu führen. In Wahr­heit hatten es die Ver­ant­wort­li­chen näm­lich ein­fach nur ver­säumt, für den lange ver­letzten Cher­un­dolo eine Spiel­ge­neh­mi­gung ein­zu­holen. 96-Prä­si­dent Martin Kind ver­teilte anschlie­ßend ver­bale Ohr­feigen: Das ist in vollem Umfang nicht zu akzep­tieren und auch nicht pro­fes­sio­nell.“

Stimmt. Denn solch pein­liche Aus­reden kennt man sonst nur aus dem guten alten Ama­teur­fuß­ball. Da wird bis­weilen geflun­kert und gedrü­cke­ber­gert, bis sich die Balken biegen. Ob es nun aus Faul­heit ist, aus Unlust, aus fri­scher Ver­liebt­heit – die Aus­reden sind ebenso viel­fältig wie die Gründe.

Abso­luter Klas­siker in dieser Kate­gorie ist die Beer­di­gung von Oma oder Opa. Eine bewusst gewählte fami­liäre Ange­le­gen­heit. Der runde Geburtstag der Groß­el­tern wäre schlichtweg zu lasch. Legendär ist die Aus­sage des Trai­ners einer Kreis­liga-Mann­schaft aus Berlin-Kreuz­berg. Der schnauzte, mit dem 80. Geburtstag des Opas als Grund für das ver­passte Spiel kon­fron­tiert: Na und? Du hat­test doch schon 79 Mal die Gele­gen­heit zu feiern!“ Das ist weder sehr nett, noch richtig durch­dacht, zeigt aber, dass ehr­gei­zige Ama­teur­trainer einen stink­nor­malen Geburtstag ein­fach nicht gelten lassen.

Ganz schnell ein pie­tät­loses Kame­ra­den­schwein

Das Ableben eines Eltern- oder Geschwis­ter­teils vor­zu­täu­schen wäre indes zu heftig. Nicht aus­zu­schließen, dass der bestürzte Trainer gleich das Spiel absagen lassen würde, um, gemeinsam mit der Mann­schaft, dem Spieler bei der Beer­di­gung zur Seite zu stehen. Lieber die Groß­el­tern, erstaun­li­cher­weise meis­tens die Oma. Zu häufig als Aus­rede plat­ziert, kann die Tar­nung aller­dings auch schnell auf­fliegen und den Übel­täter als pie­tät­loses Kame­ra­den­schwein dastehen lassen. So geschehen in einer eher trai­nings­faulen Phase des Autors in der B‑Jugend. Kom­mentar des umsich­tigen Trai­ners: Die ist schon wieder tot?“

Nein, die ver­stor­bene Oma ist auch nicht der Weis­heit letzter Schluss (und Han­nover 96 sollte froh sein, nicht auf den Klas­siker zurück­ge­griffen zu haben). Zum Glück gibt es das Internet. In einem Forum der Home­page www​.trai​ner​talk​.de finden sich unter Die schönsten Abmel­dungen vom Trai­ning“ herr­liche Steil­vor­lagen. Eine Aus­wahl:

Trainer, ich kann heute nicht kommen. Ich muss den Garten umgraben!“ (Außen­tem­pe­ratur bei Abgabe der Aus­rede: minus 6 Grad)

Trainer, ich kann heute nicht kommen!“ Wieso?“ Ich habe einen drin­genden Termin beim Frisör.“

Trainer, ich habe heute leider keine Zeit.“ Warum?“ Ich wollte nach Hol­land fahren, günstig tanken!“

C‑Ju­gend-Spieler zum Trainer: Sorry, heute kann ich nicht. Muss zum Tag der offenen Tür von VW!“

Dann doch lieber gleich auf Nummer sicher gehen wie in diesem Fall:

Anruf der Polizei beim Trainer: Hier spricht die Polizei. Ich soll ihnen von Spieler x aus­richten, dass er es leider nicht zum Spiel schafft.“ Wes­halb?“ Er sitzt in Unter­su­chungs­haft.“

Aber es muss ja nicht immer zum Nach­teil des Fuß­balls sein. Ein Anhänger von Werder Bremen stand kurz vor einer wich­tigen Vor-Abi-Klausur in Mathe­matik, als ihm der Spiel­plan im Uefa Cup einen Strich durch die Rech­nung machte. Just am Tag der Prü­fung spielte der SVW beim AC Parma, unser Mann ent­schied für seinen Verein, setzte sich in den Rei­sebus und ließ sich mit einem schweren grip­palen Infekt ent­schul­digen. Dumm nur, dass der Mathe­matik-Lehrer es eben­falls mit den Bre­mern hielt, abends den Fern­seher anschal­tete – und beim Schwank der Kameras in den über­schaubar gefüllten Aus­wärts­block seinen Schüler ent­deckte. Oben ohne. Mit einem Bier in der Hand. Folge der faulen Aus­rede: Ein über­ra­gendes Aus­wärts­er­lebnis, zwei Pro­mille – und null Punkte im Halb­jah­res­zeugnis.