Herr Helmes, wie fühlt man sich als Cas­ting­kan­didat?

Nach einer langen Ver­let­zung habe ich in der Rück­runde ganz gut gespielt und mir den Platz hier im Kader erkämpft. Ist doch gar nicht so schlecht, oder?

Kader ist gut – bisher hängt ihm das Attribut vor­läufig“ an. Drei Spieler werden am Mitt­woch aus­sor­tiert. Im Sturm fällt die Ent­schei­dung zwi­schen Ihnen und Oliver Neu­ville. Haben Sie Angst?

Nein. Ich sehe es als Bonbon, hier zu sein. Hier sind Deutsch­lands beste Fuß­baller. Und: Hier kann man ver­dammt viel lernen. Angst? Nein. Ich bin stolz. Das ist doch eine Chance.

Es hieß, Sie hätten gar nicht mehr an eine Nomi­nie­rung geglaubt.

Stimmt. Ich wusste nur, dass ich beim 1. FC Köln alles gegeben hatte. Dann bekam ich am Abend vor der Nomi­nie­rung auf der Zug­spitze einen Anruf. Als ich hörte, dass ich dabei bin, konnte ich es gar nicht glauben. Und wissen Sie was: Am nächsten Morgen bin ich mit dem Gedanken auf­ge­wacht, dass es den Anruf gar nicht gegeben hat. Wahn­sinn, oder? Ich brauchte nur ein biss­chen Zeit, das zu rea­li­sieren.

Wer wird das Rennen Ihrem Gefühl nach machen: Oliver Neu­ville oder Sie?

Der Olli und ich ver­stehen uns gut, er ist ein Super­spieler. Das denkt er viel­leicht auch über mich. Ich sehe das nicht so als Kon­kur­renz­kampf. Ich fühle mich auch nicht wie auf dem Lauf­steg, dass ich per­ma­nent darauf zu achten habe, dass ich eine gute Figur abgebe. Ich gehe ziem­lich locker an die Sache, eine andere Chance sehe ich gar nicht für mich. Nur so kann ich zeigen, was ich kann.

Gibt es so etwas wie Hin­weise vom Trainer oder kleine Rück­mel­dungen?

Nein, ich brauche keine Rück­mel­dungen. Wir werden am Mitt­woch sehen, wer gehen muss. Olli oder ich – fertig.

Den Natio­nal­spie­lern steht ein Psy­cho­loge bei. Haben Sie den mal auf­ge­sucht?

Oh, ich finde es schön, dass er da ist. Es gehen auch einige Spieler zu ihm, aber ich brauche das nicht. Noch nicht! Ich finde, dass der Rummel um das Thema Cas­ting über­höht wird. Wir sind Profis, jeder kennt Kon­kur­renz­druck doch aus seinem Verein.

Joa­chim Löw attes­tierte Ihnen Frech­heit– eine posi­tive, wie er hin­ter­her­schob. Was glauben Sie, meinte er damit?

Ich denke mal, dass er meine Art Fuß­ball zu spielen cha­rak­te­ri­sierte. Wir jungen Spieler sind noch unbe­küm­merter. Wir sind zwar hier, um uns zu ver­bes­sern, aber wir ver­ste­cken uns im Trai­ning nicht. Sonst wären wir hier nicht richtig.

Hoffen Sie, am Dienstag gegen Weiß­russ­land auf­zu­laufen?

Jeder will spielen. Viel­leicht kriege ich die Chance, mich für ein paar Minuten zu zeigen. Ich glaube, dass die Trai­nings­ein­heiten, die am Wochen­ende sehr fuß­ball­spe­zi­fisch und intensiv waren, eine große Rolle für die Trainer spielen.

Was, wenn es Sie am Mitt­woch träfe?

Es geht darum, wer als fünfter Stürmer mit­geht zur EM. Es geht um eine Joker­rolle. Wel­cher Spie­lertyp in bestimmten Situa­tionen helfen kann. Wenn ich aus­sor­tiert werde, reiße ich mir auch kein Bein aus. Ich sehe das alles positiv: Du kannst hier viel lernen. Die Tage haben Kraft gebracht für die kom­mende Saison.