Seite 2: „Hoch wea mas nimma gwinnen“

Die eigent­liche Dür­re­pe­riode begann im März 1999 mit dem Kegel-Abend in Valencia“. Der dama­lige Team­chef Her­bert Pro­haska saß traurig auf der Ersatz­bank und sah ratlos dabei zu, wie seine Mann­schaft in der Qua­li­fi­ka­tion für die EM 2000 gegen Spa­nien neun Tore ein­steckte. Immerhin behielt die Mann­schaft ihre Selbst­ironie. Hoch wea mas nimma gwinnen“, meinte Anton Toni“ Pfeffer im Inter­view wäh­rend der Halb­zeit­pause. Da lagen sie schon 0:5 zurück.

Wieder gehofft, wieder ent­täuscht worden

Ich führte mit dem Natio­nal­team eine immer­wäh­rende On-Off-Bezie­hung. Im Oktober 2004 war nach dem 3:3‑Unentschieden in der Qua­li­fi­ka­tion für die WM 2006 gegen Nord­ir­land erst­mals end­gültig Schluss. I bin gezeichnet von an Match, 3:3, das ma gwunnan habn“, erklärte Team­chef Hans Krankl tod­ernst nach Schluss­pfiff im Fern­seh­in­ter­view. Die Mann­schaft habe gegen die kno­chen­harten Nord­iren beherzt gekämpft und die Leis­tung des Schieds­rich­ters war irre-regulär“. Da sei die Qua­li­fi­ka­tion doch neben­säch­lich. Wieder gehofft, wieder ent­täuscht worden. Auf so vielen Ebenen.

Doch dann lockte mich die Mann­schaft wieder mit hoff­nungs­ver­spre­chenden Glanz­mo­menten. Und das aus­zeh­rende Mit­fie­bern ging weiter. Beson­ders heftig waren die Ent­täu­schungen der ver­gan­genen zwei Qua­li­fi­ka­tionen. Zweimal war die Mann­schaft in großen Spielen ganz nahe dran – und es reichte wieder nicht. Im Juni 2011 ver­hin­derte Mario Gomez im Ernst-Happel-Sta­dion in der Nach­spiel­zeit mit seinem Kopf­balltor zum 2:1 das Wunder von Wien“. Im Sep­tember 2012 ver­stol­perte Marko Arn­au­tovic im selben Straf­raum und wieder gegen Deutsch­land in der 88. Minute den 2:2‑Ausgleichstreffer im Hin­spiel für die Qua­li­fi­ka­tion der WM 2014. Ooooh, ooh! Arnautovic…ah!“, schrie ORF-Kom­men­tator Thomas König damals in sein Kopf­mi­krofon, als hätte er sich in einem ver­zwei­felten Akt der Selbst­kas­teiung in den Bauch gesto­chen. Es tat wieder weh.

Dieses Mal gab es Grund zur Hoff­nung

Den­noch gab es dieses Mal Grund zu wirk­li­cher Hoff­nung. Die Mann­schaft spielte selbst­be­wusst und mit Plan. Marcel Koller hatte ihr eine unge­wohnte Ziel­stre­big­keit ver­mit­telt. Und die vielen Deutsch­land-Legio­näre setzten diese um. Bis zur vor­letzten Spiel­runde gegen Schweden hatte Öster­reich noch die Chance auf den Playoff-Platz hinter Deutsch­land und verlor knapp vor Schluss nach einem Treffer von Zlatan Ibra­hi­movic mit 1:2.

Marcel Koller hatte vor der Qua­li­fi­ka­tion den Posten von Dietmar Didi“ Con­stan­tini über­nommen. Ein ker­niger Tiroler, der das Anfor­de­rungs­profil für den Team­chef-Posten erfüllte, weil er einst Co-Trainer von Ernst Happel war. Vor dem Qua­li­fi­ka­ti­ons­auf­takt für die EM 2012 gegen Kasach­stan meinte dieser, die tak­ti­sche Aus­rich­tung der Mann­schaft sei ihm spontan beim Rad­fahren ein­ge­fallen. In Öster­reich gibt es eine eigene Phrase für unge­recht­fer­tigte Selbst­be­schaf­fung: es sich richten“.