So schnell kann’s gehen. Auf der Hertha-Home­page durfte Jürgen Klins­mann noch ver­künden, man werde sich nun Woche für Woche mehr Luft ver­schaffen“, da hatte der Hertha-Coach auf seiner Face­book-Seite bereits seinen Abschied ver­kündet. Er sei nach langer Über­le­gung“ zum Schluss gekommen, sein Amt als Chef­trainer zur Ver­fü­gung zu stellen. Die Begrün­dung für den unge­wöhn­li­chen Schritt nach nur zehn Wochen schon wieder zu demis­sio­nieren, war dabei klar for­mu­liert. Es fehlte ihm das Ver­trauen der han­delnden Per­sonen“.

Wer damit gemeint sein konnte, ist klar. Nicht Investor Lars Wind­horst, der ihn ja zunächst als Auf­sichtsrat instal­liert hatte und später auf sein Enga­ge­ment als Chef­trainer gedrungen hatte, son­dern die Füh­rungs­spitze der Hertha, Boss Werner Gegen­bauer und Geschäfts­führer Michael Preetz. Ins­be­son­dere Preetz war in den letzten Wochen eher als bedäch­tiger Mahner auf­ge­treten, ein klarer Kon­trast zu Klins­mann, der in seiner kurzen Amts­zeit kaum einen Tag aus­ge­lassen hatten, um dyna­mi­sche Anpack-Stim­mung zu ver­breiten. 

Nur Schön­reden reicht nicht

Spä­tes­tens das desas­tröse 1:3 gegen Mainz hatte jedoch klar­ge­macht, wie wenig diese oft ange­strengt wir­kende Auf­bruch­stim­mung bei der Mann­schaft und im Klub ange­kommen war. Müde und aus­ge­brannt schleppte sich das Team über den Platz, gefangen in einem unaus­ge­go­renen tak­ti­schen Kon­zept, das nicht zur Mann­schaft passt und von ihr nicht mit Leben gefüllt wurde. Und wer Jürgen Klins­mann in der anschlie­ßenden Pres­se­kon­fe­renz erlebte, sah einen Coach, der fast zwang­haft ver­suchte, diesen Offen­ba­rungseid schön zu reden.

Nun gab es offenbar den Ver­such, nach Wochen des freien Wir­kens, Klins­manns gren­zen­losen Gestal­tungs­drang ein­zu­grenzen. Das wie­derum emp­fand der Coach als derart ver­stö­rend, dass er umge­hend seinen Rück­tritt ein­reichte, nicht ohne sich und sein hoch­kom­pe­tentes Team“ nochmal kräftig zu loben. Wir waren in der relativ kurzen Zeit auf einem sehr guten Weg, haben auch dank der Unter­stüt­zung vieler Men­schen trotz meist schwie­riger Spiele inzwi­schen sechs Punkte Abstand zum Rele­ga­ti­ons­platz.“ Kein Wort über die sicht­bare Ver­un­si­che­rung der Mann­schaft, kein Wort über die offen­kun­digen Pro­bleme, selbst gegen limi­tierte Gegner wie Mainz 05 das Spiel zu gestalten.

PR-Desaster aller­erster Preis­klasse

Und so bleibt ein Scher­ben­haufen, den Klins­mann hin­ter­lässt. Zahl­reiche ver­grätzte Leis­tungs­träger, eine im Affekt teuer zusam­men­ge­kaufte Mann­schaft, ein PR-Desaster aller­erster Preis­klasse und der Ein­druck, dass es dem Coach an Demut und Respekt vor diesem Klub und dieser Auf­gabe gefehlt hat. Bemer­kens­wert stillos übri­gens, dass Klins­mann den Klub nicht über seinen Abgang infor­mierte. Die Pres­se­ab­tei­lung wusste nichts davon, wurde kalt erwischt und schob die Bestä­ti­gung erst später nach.

Nun ja, sie kann sich freuen. Jürgen Klins­mann bleibt ihr erhalten. Er kün­digte näm­lich an, sich wieder auf die ursprüng­liche lang­fristig ange­legte Auf­gabe als Auf­sichts­rats­mit­glied zurück­zu­ziehen“.