Der Karls­ruher SC war am ver­gan­genen Sonntag der Erste. Der Ham­burger SV ist am über­nächsten Montag der Letzte. Zwi­schen­zeit­lich beginnen auch die anderen 16 Fuß­ball-Bun­des­li­gisten vor hei­mi­schem Publikum wieder mit dem Trai­ning, aber bloß, um als­bald das Weite zu suchen, denn die Sai­son­vor­be­rei­tung erliegt sogar im Sommer tra­di­tio­nell dem Fernweh. Das Lieb­lings­ziel der deut­schen Klubs heißt Öster­reich. Das ist jedes Jahr so und hat mit der EM gar nichts zu tun.



Lipp­springe statt Colo­rado


Die Anzahl der vor­sai­so­nalen Rei­se­maß­nahmen wächst zur Freude des Hotel- und Gast­stät­ten­ver­bandes infla­tionär. Zehn Bun­des­li­gisten bestreiten bis zum Sai­son­start am 15. August gleich zwei aus­wär­tige Trai­nings­lager nach­ein­ander. Sieben begnügen sich mit einem. Bloß der FC Bayern macht über­haupt keines. Er bleibt lieber daheim. Die anderen 17 Ver­eine absol­vieren von ihren ins­ge­samt 27 Trai­nings­la­gern 13 in Öster­reich, drei im Schwarz­wald, zwei an der Nordsee sowie je eines in der Schweiz und in Hol­land, im Erz­ge­birge und im Weser­berg­land, an der Ostsee und am Tegernsee, im Oden­wald, im Wes­ter­wald und am Teu­to­burger Wald.

Lauf­bahn mit Kli­ma­an­lage

Wenn die Fuß­baller vom Ham­burger SV dann bereits wissen, gegen wen sie Mitte August ihre Saison eröffnen, haben sie immer noch schön Urlaub. Erst für den kom­menden Freitag hat der neue Trainer Martin Jol zum Fit­ness­test geladen. Trai­nings­start ist gar erst am Montag darauf. Die Ham­burger haben von allen Bun­des­li­ga­profis am längsten Urlaub, weil der Kabi­nen­trakt in ihrer Arena gerade groß­zügig erwei­tert und sogar mit einer Kli­ma­an­lage aus­ge­stattet wird.

An letz­terem in Bad Lipp­springe nahe Pader­born resi­diert der Wie­der­auf­steiger Borussia Mön­chen­glad­bach, der ursprüng­lich die auf­wän­digste aller Trai­nings­reisen nach Denver und Dallas geplant hatte. Der USA-Auf­ent­halt hätte unter offi­zi­eller Beflag­gung der Deut­schen Fuß­ball-Liga eine Wer­be­tour für die Bun­des­liga werden sollen. Die Borussen hatten bereits Test­spiele mit Mann­schaften aus der Soccer-League ver­ein­bart, aber als ein Glad­ba­cher Späh­trupp die Trai­nings­be­din­gungen in Denver aus­kund­schaf­tete, wurde die Reise sofort abge­sagt. Die hei­mi­sche Trai­nings­la­ger­branche lernt daraus eine wich­tige Lek­tion für die kom­menden Sommer: Im ost­west­fä­li­schen Bad Lipp­springe lässt sich offenbar viel schöner trai­nieren als in Colo­rado.

Abschieds­mahl für Blut­egel

Viel­leicht lässt sich in Bad Lipp­springe sogar noch schöner trai­nieren als in Lever­kusen. Viel­leicht wäre dann dem aus Köln abge­wor­benen Natio­nal­stürmer Patrick Helmes beim aller­ersten Trai­ning im Bayer-Trikot nicht nach 20 Minuten das Außen­band im rechten Sprung­ge­lenk ange­rissen und auch die Kapsel in Mit­lei­den­schaft gezogen worden. In seiner aller­letzten Amts­hand­lung für Lever­kusen sprang der kul­tisch ver­ehrte Medi­zin­mann Dieter Trzolek zu Hilfe und beklebte den lädierten Knö­chel flugs mit seinen gefürch­teten Blut­egeln. Beim 1.FC Köln, zu dem Trzolek wech­selt, hätte es für die Kleinen in der ersten Woche ohnehin nichts zu tun gegeben. Womög­lich hatte Trzolek die flei­ßigen Sauger sogar selbst gerade ange­legt, als er dem Fach­blatt Kicker in einem toll­kühnen Moment ver­riet, er wolle mit dem 1. FC Köln Deut­scher Meister werden.

Luxus-Ita­liener

Zurück­hal­tender prä­sen­tierte sich beim Trai­nings­auf­takt des VfL Wolfs­burg der ita­lie­ni­sche Welt­meister Cris­tian Zac­cardo, der die erregte Stadt mit einem ersten sehr per­sön­li­chen Ein­druck von sich ver­sorgte. »Danke, bitte, ich heiße Cris­tian!«, hieß seine erste deutsch­spra­chige Aus­kunft im Wort­laut. Der 26-Jäh­rige wech­selte ebenso wie Andrea Bar­zagli aus Palermo nach Wolfs­burg. Sieben Mil­lionen Euro für Zac­cardo und 14 Mil­lionen für Bar­zagli soll sich der VfL den Luxus kosten lassen, in der neuen Spiel­zeit einen Ita­liener mehr zu besitzen als der FC Bayern. Wann genau die beiden Abwehr­spieler auf den Stürmer Luca Toni treffen, wird sich am Dienstag her­aus­stellen, wenn die Fuß­ball-Liga den neuen Spiel­plan ver­öf­fent­licht.

Spät, aber umso effek­tiver sollen sich die Fuß­baller dann im auf 280 Qua­drat­meter ver­grö­ßerten Fit­ness­raum quälen und im Flur über eine 15 Meter lange Tar­tan­bahn sprinten, die in den Kata­komben ange­legt wurde. Ob der abwan­de­rungs­wil­lige Rafael van der Vaart jemals über diese Bahn läuft, ist noch immer unbe­kannt.

Unbeug­same Nähte

Die einst beim FC Schalke 04 zur Parole aus­ge­ru­fene »Totale Domi­nanz« findet beim Nach­barn VfL Bochum in dieser Saison uner­war­tete Nach­ah­mung. Obwohl die Schalker sich damals der Lächer­lich­keit preis­ge­geben sahen und ihr Motto flugs wieder ent­sorgten, lastet den Bochu­mern seit ihrem Trai­nings­start am Don­nerstag ein schwerer Fall von Auto­sug­ges­tion auf den Schul­tern. »Wir sind unbeugsam!«, steht dort ent­lang der Tri­kot­naht, und wenn die Bochumer diesen Cha­rak­terzug dem­nächst in einer schwie­rigen Partie womög­lich selbst nicht mehr glauben, dann können es wenigs­tens die Gegen­spieler immer noch sehr gut nach­lesen.

Prügel fürs Fern­seh­team

Zu grö­beren Ein­schüch­te­rungs­maß­nahmen greift zumin­dest abseits des Platzes der Schalker Neu­zu­gang Jef­ferson Farfán. Bevor die Königs­blauen den Peruaner am Dienstag in Gel­sen­kir­chen-Buer ihren erwar­tungs­frohen Fans prä­sen­tieren, haben sechs Body­guards des 23-Jäh­rigen in Lima ein Kame­ra­team des Sen­ders Pan­ame­rica Tele­vi­sion ver­prü­gelt, das Auf­nahmen von der Taufe des sechs Monate alten Sohnes machen wollte. Farfán, der vom nie­der­län­di­schen Erst­li­gisten PSV Eind­hoven kommt, ist mit geschätzten zehn Mil­lionen Euro der teu­erste Ein­kauf der Ver­eins­ge­schichte. Zum Trai­nings­lager reist er mit dem FC Schalke bald ins öster­rei­chi­sche Bur­gen­land. Es heißt, Pan­ame­rica Tele­vi­sion unter­halte dort kein Kor­re­spon­den­ten­büro.