Seite 2: „Wie eine Doppelfolge 'jerks' mit den Schwiegereltern“

Und wie lautet nun Ihr State­ment zu Thuram?
Ich hatte inständig gehofft, Sie hätten es ver­gessen. Thuram, ja. Das war natür­lich scho­ckie­rend und ist durch nichts zu ent­schul­digen. Spu­cken ist das Wider­lichste, das man einem Gegen­spieler antun kann. Es war scho­ckie­rend, weil wir Thuram als gut erzo­genen Ever­y­bo­dy’s Dar­ling“ ken­nen­ge­lernt haben. Ein Son­nen­schein, der sich für die Fans und den Verein inter­es­siert, sich nicht zu wichtig nimmt, im Rahmen von Black Lives Matter“ pas­sio­niert posi­tio­nierte, durch seinen Eck­fahnen-Jubel jetzt schon einen gewissen Kult­status genießt. Und dann das. Das passte ein­fach über­haupt nicht zusammen. Ich habe die Bilder im Fern­sehen kom­plett ungläubig wahr­ge­nommen. Als würden Sym­pa­thie­träger wie Thomas Gott­schalk oder Claus Kleber live einen Labrador-Welpen ertränken. Totaler Irr­sinn, dass gerade Thuram das pas­sierte. Aber es ist, wie es ist. Er hat seine Strafe bekommen und wird sich hof­fent­lich durch Leis­tung irgendwie reha­bi­li­tieren. Aber in Gänze los wird er seinen Ruf als Lama ver­mut­lich nicht mehr. Das zeigt ein Blick in die His­torie, wenn es um dieses Delikt ging. Damit muss er leben.

Von der trau­rigen Szene zum trau­rigen Club: Schalke 04.
Och, Leute. Jeden Monat befragen Sie mich hier zu Schalke.

Da müssen wir jetzt durch.
Ja, die Zukunft des Ver­eins sieht aktuell so aus wie die Gel­sen­kir­chener Innen­stadt, die Spiele schaut man mit dem glei­chen Scham­ge­fühl wie eine Dop­pel­folge jerks“ mit den Schwie­ger­el­tern und die Schalker Pro­blem­felder erin­nern an die Garage der Ludolfs. Was soll ich dazu noch sagen?

Na, immerhin haben sie jetzt einen neuen Coach: Chris­tian Gross, 66 Jahre alt, der sich vor einem Jahr zum Rentner erklärt hatte, steht jetzt an der Sei­ten­linie. In Berlin gegen Hertha BSC ging seine Mann­schaft bei seinem Debüt mit 0:3 unter. Ganz ehr­lich: Gibt es noch Hoff­nung für Schalke 04?
Schwierig. Es steht und fällt wohl damit, ob neue Spieler kommen oder nicht. Schalke kriegt auf dem Trans­fer­markt einen Korb nach dem anderen – viel­leicht ist aber ein Julian dabei. Knaller-Gag! Also: Gross braucht einen Stürmer, der sofort hilft und muss gleich­zeitig dafür sorgen, dass die Abwehr nicht wei­terhin die geg­ne­ri­schen Angreifer so gewähren lässt wie die Washing­toner Polizei vor dem Kapitol. Das Debüt in Berlin war schon ein herber Dämpfer für die Auf­bruchs­stim­mung. Es ist wirk­lich ekla­tant, was der­zeit für ein Klas­sen­un­ter­schied zwi­schen S04 und den anderen Clubs herrscht. Das hat was von den Minardis in der frü­heren Formel 1. Die fahren irgendwie so mit und wäh­rend sich Mika Häk­kinen und Schumi vor Kai Ebel bereits den Schampus in den Nacken gießen, tuckern sie im Hin­ter­grund qual­mend mit drei Rädern rück­wärts über die Ziel­linie.

In Sead Kolasinac hat Gross ja nun zumin­dest einen echten Kämpfer dazu bekommen.
Und ich hoffe, dass er die Mann­schaft mit­reißen kann. Aber sie sollten den Jungen jetzt auch nicht mit Erwar­tungen erdrü­cken. Der wird ja regel­recht zum Avenger hoch­sti­li­siert, der eigen­händig Königs­blau vor dem Absturz bewahren soll. Ein 27-Jäh­riger, der beim Tabel­len­elften der Pre­mier League in dieser Saison bis­lang auf einen ganzen Ein­satz kommt, der kann und wird nicht der Heils­bringer sein. Aber den­noch ist die Leihe natür­lich ein Coup, der mich freut. Ich hoffe wirk­lich, dass sie es packen, weil der FC Schalke 04 schlichtweg in die Bun­des­liga gehört.

Die Mann­schaft wird dem bis­lang aber nicht gerecht.
Ich glaube, sie sind auf Schalke mitt­ler­weile auch ein­fach lost“, wie die Kids auf dem Schulhof sagen. Weil sie das Pro­blem nicht aus­ma­chen können. In den ver­gan­genen Jahren haben sie schließ­lich gefühlt jeden Trai­ner­typen aus­pro­biert, den es so gibt. Di Matteo, Brei­ten­reiter, Tedesco, Wein­zierl, Wagner, Baum. Oft hieß es: Die Trainer können nichts dafür, Schalke sei medial schwierig, bei Schalke stinke der Fisch vom Kopf. Aber der Fisch ist nun auch schon länger weg und es läuft immer noch nicht. Bei der Natio­nalelf musste nach 2018 drin­gend das System geän­dert werden, der HSV brauchte mal einen Abstieg, um alles Nega­tive abzu­schüt­teln, Liver­pool benö­tigte einen neuen Trainer. Aber bei Schalke? Wo setzt man da an? Schalke ist wie ein Auto, bei dem die Kfz-Mecha­niker ein­fach nicht in der Lage sind, das Pro­blem aus­zu­ma­chen. Und die Abwrack­prämie bekommen die ver­gan­genen Trainer als Abfin­dung monat­lich über­wiesen. Die ein­zigen Kon­stanten auf Schalke sind dieser Bök­lunder-Zep­pelin, der da einsam über dem Rasen seine Kreise zieht, und Albert Streit auf der Tri­büne – der sitzt da doch immer noch, oder?

Übri­gens: Glad­bach ist die ein­zige Mann­schaft, die 2020…
… gegen Schalke ver­loren hat. Ich weiß. Ich war in der Arena und dachte mir: Boah, sind die gut. Da ent­steht jetzt richtig was.“ So viel zu meinen Qua­li­täten als Experte. Ach, es sieht nicht gut aus um Schalke. Viel­leicht sollten wir nach dieser Saison den Knappen zur Liebe das machen, was RTL mit dem Wendler gemacht hat: ein­fach alles raus­schneiden und so tun, als sei das alles nicht pas­siert. Oder Fer­di­nand von Schi­rach lässt die Zuschauer über Klas­sen­er­halt oder Abstieg ent­scheiden.