Seite 2: „Mein Vertrauen wurde missbraucht“

Doch einer der sym­pa­thischsten Spieler der letzten Jahre lässt wenige Tage nach seinem State­ment erahnen, dass sein direktes Umfeld wohl tat­säch­lich von Per­sonen unter­wan­dert worden ist, die primär ihre eigenen Inter­essen ver­traten. Der L’e­quipe gegen­über gibt Kante nun an: Mein Ver­trauen wurde miss­braucht“. Im breiten Lächeln des Fran­zosen, seiner Net­tig­keit und dem Drang, sich mit dem Geschäft Fuß­ball“ nicht anfreunden zu wollen, scheinen sich auch Nai­vität und Leicht­gläu­big­keit ver­borgen zu haben. Doch wäh­rend Kante über die berich­teten Mord­dro­hungen schweigt, bringt er nun einen anderen, dritten Berater zur Anklage. Der Vor­wurf lautet: Betrug, Betrugs­ver­such, Ver­trau­ens­bruch und ille­gale Aus­übung des Berufs des Sport­agenten.

Denn neben Saadna und Douis fun­gierte offenbar noch ein dritter Berater im Auf­trag Kantes – Nouari Khiari. Er bot mir eine Zusam­men­ar­beit hin­sicht­lich meiner Bild­rechte an und sagte mir, dass ich das Leben meiner Liebsten schon mit ein­fa­chen Rat­schlägen ver­bes­sern könnte.“ Doch statt sinn­voller Rat­schläge für die Ver­mark­tung Kantes fasste Khiari Ver­träge ins Auge, die Kante nicht abschließen wollte. Er machte mir einige Vor­schläge, die über­haupt nicht zu mir und meinem Bild in der Öffent­lich­keit passten. So schlug er mir vor, Ver­träge mit Sport­wet­ten­un­ter­nehmen ein­zu­gehen. Er wusste, dass ich diese Idee ablehnen würde, aber er wollte sein Geld für die Gespräche, die er führte“, so Kante gegen­über der L’e­quipe. In der Folge ver­suchte er die Zusam­men­ar­beit zu beenden, doch weil er ver­trag­lich an seinen Berater gebunden war, ver­wei­gerte sich Khiari einer Lösung. Statt­dessen stellte er Kante Dienste in Rech­nung, die es laut dem kleinen Fran­zosen nie gegeben hatte. Um einem Kon­flikt aus dem Weg zu gehen, zahlte er 2017 schließ­lich 150.000 Euro an Khiari. Aber er wollte mehr und als ich mich wei­gerte, ver­brei­tete er dif­fa­mie­rende Dinge über mich und fing an, mich und mein Umfeld unter Druck zu setzen.“

Mangel an Refle­xion“

Kante, der Mann, der stets Abstand von den bru­talen Mecha­nismen und Ent­wick­lungen im Profi-Fuß­ball gehalten hatte, der ob seiner Boden­stän­dig­keit stets den Ein­druck ver­mit­telt hatte, nicht in die Fänge win­diger Berater zu geraten, die ihm Grün­dungen von Off­shore Konten ans Herz legen, aus­ge­rechnet er scheint all diesen Leuten auf den Leim gegangen zu sein. Mein Pro­blem ist, dass ich mit Leuten kon­fron­tiert werde, die die Men­schen in meinem engen Umfeld über­zeugt haben. Zwi­schen dem Mangel an Refle­xion und dem Wunsch daran, das Leben meiner Liebsten zu ver­än­dern, habe ich viel­leicht ver­gessen, Vor­sichts­maß­nahmen zu treffen“, merkt Kante an. Und ergänzt: Ich wollte an die Ehr­lich­keit und Auf­rich­tig­keit dieser Per­sonen glauben, wäh­rend sie nur an finan­zi­ellen Aspekten in der Zusam­men­ar­beit mit mir inter­es­siert waren.“

Eine Erkenntnis, die in Anbe­tracht der Ereig­nisse der letzten zwei Jahre offen­sicht­lich ist, dem Fran­zosen ver­mut­lich aller­dings nicht leicht gefallen sein dürfte. Um den Defen­siv­spieler hat sich in den letzten Jahren ein ganzes Sam­mel­su­rium von zwie­lich­tigen Berater auf­getan, die in der einst geglaubten Stärke Kantes – seiner Gut­mu­tig­keit – nütz­liche Arg­lo­sig­keit erkannten.