Die unteren Ligen Eng­lands mögen des Fuß­ball­ro­man­ti­kers feuchter Traum sein, für die Schatz­meister der kleinen Ver­eine ist die ganze Sache oft weniger spaßig. Unlängst wurden dem Dritt­li­gisten Car­lisle United beim Aus­wärts­spiel in Ports­mouth 20 Pfund Park­ge­bühr für den Mann­schaftsbus in Rech­nung gestellt – erhoben von den finan­ziell ange­schla­genen Gast­ge­bern. Auch bei Pokal­schreck Oldham Ath­letic sieht es anschei­nend ziem­lich düster aus. Die Latics“ kicken der­zeit in der dritten eng­li­schen Liga und dürfen sich dort mit Teams wie Shrews­bury Town oder Scun­thorpe United messen. Wirk­lich gut gelingt das nicht, nach 31 Spielen steht Oldham weit im Süden der Tabelle, auf dem 21. Platz, und droht abzu­steigen.

Die Pokal­schrecks: Brent­ford, Brad­ford und Oldham

Umso schöner müssen die Erfolge in der dies­jäh­rigen FA-Cup-Saison gewesen sein. Nach Kid­der­minster und Don­caster in den ersten beiden Runden schlug Oldham in der dritten Runde den aktu­ellen Zweit­li­gisten und ehe­ma­ligen Euro­pa­po­kal­sieger Not­tingham For­rest, in der Runde darauf besiegte man sogar sen­sa­tio­nell Erst­li­gist Liver­pool mit 3:2. Gemeinsam mit anderen Pokal­über­ra­schungen wie etwa Brent­ford FC oder Brad­ford City bewiesen die Oldham Ath­le­tics, dass die alte Floskel vom Pokal und seinen eigenen Gesetzen nicht gänz­lich falsch ist. Son­der­lich lukrativ schien der Höhen­flug im FA-Cup aller­dings nicht gewesen zu sein.

Am ver­gan­genen Wochen­ende traf Oldham in Ach­tel­fi­nale des FA-Cups im hei­mi­schen Boundary Park auf Erst­li­gist FC Everton. Vor dem Spiel sah sich der Verein genö­tigt, einen Zettel an der Kabi­nentür anzu­bringen, auf dem den Spie­lern der tra­di­tio­nelle Tri­kot­tausch unter­sagt wurde. Wegen eines ernst­haften Man­gels“ an Ersatz­tri­kots, wie es auf dem Zettel hieß.

Dosen­ra­violi im Trai­nings­zen­trum?

Ob es psy­cho­lo­gisch günstig ist, den Spie­lern vor dem Match via Notiz­zettel zu gestehen, dass das Ver­eins­ver­mögen nicht mal mehr für einen neuen Satz Tri­kots reicht, mag jeder für sich ent­scheiden. Viel­leicht wissen die Spieler auch schon, was die Stunde finan­ziell geschlagen hat, bekommen im Trai­nigs­zen­trum seit Wochen Dosen­ra­violi auf­ge­tischt und gehen vor dem Trai­ning noch Zei­tungen aus­tragen, um den Gehalts­aus­fall zu kom­pen­sieren.

Am wieder sen­sa­tio­nellen Aus­gang des Spiels änderte der Zettel letzt­lich nichts. Der Favorit aus Everton führte lange Zeit 2:1, bis Stürmer Matt Smith in der 95. Minuten einen Eck­ball zum Aus­gleich ins Tor köpfte und so ein Rück­spiel erzwang. Ein Rück­spiel, das dem klammen Verein sicher­lich gut tun wird. Vor allem auch, weil sich die Spieler in der Ekstase des späten Erfolgs nicht mehr an die vom Verein vor­ge­ge­bene Prä­misse hielten und fleißig Tri­kots tauschten. Tor­schütze Smith vergaß sich ganz und warf sein Trikot in die jubelnde Menge. Wir haben uns mit­reißen lassen und gar nicht mehr dran gedacht“, ließ der Tor­schütze wissen.

Ob der besorgte Zeug­wart befreit mit­ju­beln konnte oder im Moment des Tri­um­phes mit kraus gezo­gener Stirn an den dezi­mierten Tri­kot­satz dachte, ist nicht über­lie­fert. Auch nicht, ob die Spieler im nächsten Spiel oben ohne oder mit selbst beschrif­teten weißen T‑Shirts antreten müssen, wie man sie von The­ken­mann­schaften kennt.

Kann Michael Tarnat aus­helfen?

Ich hoffe, wir haben genug Tri­kots für das nächste Spiel“ sagte Smith den Jour­na­listen, bevor er hof­fent­lich mit schlechtem Gewissen an sein ver­geu­detes Trikot dachte, das seinen Arbeit­geber dem dro­henden Ruin wieder ein Stück­chen näher brachte. Oder aber mit den Team­kol­legen die neu­er­liche Sen­sa­tion fei­erte, wir wissen es nicht.

Unab­hängig davon wird den Ver­ant­wort­li­chen hof­fent­lich klar sein, wohin ein Teil des Geldes aus dem unge­planten Rück­spiel fließen sollte. Falls nicht, sollte der Verein schleu­nigst bei Michael Tarnat nach­fragen. Der ehe­ma­lige Pre­mier-League-Spieler hat eine stolze Samm­lung von über 300 Tri­kots – und bestimmt noch das ein oder andere Oldham-Trikot im Schrank.