Am Sonntag konnten Fuß­ball­fans auf der Couch fast sechs Stunden am Stück Bun­des­liga sehen. Solch einen Fern­seh­ma­ra­thon kennt man der­zeit von Seri­en­fans, die sich alle Folgen ohne Unter­bre­chung nach­ein­ander anschauen. Binge-watching“, nennt man das heut­zu­tage.

Welch ein herr­li­cher Super-Super-Sonntag für die Zuschauer am Bild­schirm, hieß es in den Ankün­di­gungen. Welch ein fatales Signal für alle Zuschauer im Sta­dion, passt wohl eher. Denn: Die Bun­des­liga wird mehr und mehr zur TV-Show.

Warum 19.30 Uhr?

Nun war der Grund für den aus­ge­dehnten Sonntag zunächst einmal plau­sibel. Am Don­nerstag traten vier deut­sche Mann­schaften in der Europa League an. In diesem Fall ist es üblich, dass die Spiele dieser Teams auf den Sonntag geschoben werden. Unge­wöhn­lich aber war, dass für vier Spiele drei ver­schie­dene Anstoß­zeiten gewählt wurden: um 15.30 Uhr, um 17.30 Uhr und erst­mals in der Geschichte der Bun­des­liga um 19.30 Uhr. Jenes letzte Spiel des Sonn­tags hieß Ein­tracht Frank­furt gegen Schalke 04. Die DFL erklärte die Anset­zungen damit, den Spie­lern die größt­mög­liche Rege­ne­ra­tion zu ermög­li­chen.

Es ist uns des­halb ein Anliegen, für Ent­las­tung vor allem mit Blick auf die Spieler zu sorgen“, sagte Liga-Geschäfts­führer Chris­tian Sei­fert. Doch dann hätte wohl Borussia Dort­mund (und nicht Schalke 04) die längste Rege­ne­ra­ti­ons­zeit zuge­standen. Der BVB musste am Don­ners­tag­abend aus­wärts in Por­tugal antreten, wäh­rend Schalke 04 früher und noch dazu zu Hause spielte.

Die große Für­sorge der DFL um die belas­teten Spieler kam dann doch etwas plötz­lich daher. Schließ­lich wurde die Europa League bisher immer don­ners­tags aus­ge­tragen, ein ein­ziges Spiel um 19.30 Uhr gab es aber noch nie. Warum also diesmal? Alle vier Teams hätten genauso gut zu den bekannten Anstoß­zeiten spielen können.

Wei­tere Erfin­dungen“ beim Spiel­plan

Die Ver­ant­wort­li­chen haben schlicht zwei unpo­pu­läre Beweg­gründe hinter blu­migen Worten um Wett­be­werbs­fä­hig­keit“ und Ent­las­tung“ ver­steckt. Zum einen: Das Spiel um 19.30 Uhr war wohl ein Zuge­ständnis ans Pay-TV. Und die neu erfun­dene Anstoß­zeit ein Test­ballon für die wei­tere Zer­stü­cke­lung des Spiel­tages. Es geht nicht primär um die Spieler, son­dern um das Fern­seh­geld.

Statt des Top­spiels am Samstag erfand die DFL ein­fach eines am Sonntag. Und begüns­tigte damit bei­spiels­weise den Sender Sky, um dann noch ehr­fürchtig vor den TV-Anstalten den Kotau zu machen. Unseren Medi­en­part­nern gilt es aus­drück­lich für ihr Ent­ge­gen­kommen zu danken“, sagte Sei­fert. Der Geschäfts­führer schickte gleich hin­terher, dass die Liga wegen des Euro­pa­po­kals zusätz­li­chen Spiel­raum bei der Ter­mi­nie­rung“ brauche. Heißt kon­kret: Der Sonn­tag­abend wird nicht die letzte Erfin­dung bleiben.