Paolo Hewitt ist ein bekannter Autor aus Eng­land, der unzäh­lige Bücher über Fuß­ball, Musik und Mode ver­fasst hat, unter anderem Best­seller über David Bowie und Oasis. Hewitt lebt in London und ist seit jeher glü­hender Fan der Spurs. An dieser Stelle schreibt er in einem Gast­bei­trag über die magi­sche Saison seines Klubs.

Kein Heim­sta­dion. Eine von der WM erschöpfte Mann­schaft. Eine Ver­letz­ten­mi­sere der Schlüs­sel­spieler. Ein Cham­pions League-Start mit nur einem Punkt aus drei Spielen. Ein Trainer, der durchweg von der bos­haften bri­ti­schen Presse mit anderen Ver­einen in Ver­bin­dung gebracht wird. Und zu guter Letzt zwei Trans­fer­pe­ri­oden ohne jede Bewe­gung sei­tens des Klubs. Nein, diese Saison stand für Tot­tenham wahr­lich unter keinem guten Stern. Und wo hat das alles hin­ge­führt? Zum Errei­chen des Unmög­li­chen. Am Samstag spielt der Klub gegen Liver­pool um die Krone des euro­päi­schen Ver­eins­fuß­balls.

Wir gegen den Rest der Welt

Was ist da pas­siert? Wer hat das Wunder bewirkt? Der erste Impuls bei der Suche führt unwei­ger­lich zum her­aus­ra­genden Trainer Mau­ricio Pochet­tino. Wir können viel über Taktik schwa­dro­nieren oder seine Spiel­phi­lo­so­phie, doch es gibt einen anderen gewich­tigen Punkt bei der Annä­he­rung an Poch“, wie wir Gläu­bigen in der Spurs-Gemeinde ihn nennen. Der Argen­ti­nier hat sich mit keinem Gerin­geren als der Man United-Ikone Sir Alex Fer­guson zum Abend­essen getroffen.

Fer­guson war berühmt dafür, seine Mann­schaften mit einer Wir gegen den Rest der Welt“-Attitüde zu Höchst­leis­tungen anzu­sta­cheln. Er impfte seiner Mann­schaft immerzu ein, wie sehr sie von allen anderen gehasst werde. Er for­derte sie auf, raus­zu­gehen und es den Feinden mal so richtig zu zeigen. Es wirkt, als habe genau diese Methode bei Pochet­tino zu dem glei­chen wun­der­samen Erfolg geführt.

Selbst die Ersatz­spieler feiern mit

Denn die Mann­schaft prä­sen­tiert sich wie eine uner­schüt­ter­liche Ein­heit auf dem Rasen. Schauen Sie sich nur die wilde Feier in der Kabine nach den Über­ra­schungs­er­folgen bei Man­chester City und Ajax Ams­terdam an. Und achten Sie vor allem darauf, wie selbst die Ersatz­spieler voller Freude abgehen. Und nun denken Sie an uns Fans dieses Klubs wäh­rend dieses jetzt schon omi­nösen Halb­fi­nal­rück­spiels. Ajax hatte uns wie schon im Hin­spiel klar domi­niert.

Ver­wun­derte es da, dass meine Freunde und ich in der O’Cunninghams Bar“ saßen und zur Halb­zeit nur dar­über dis­ku­tierten, wie Ajax auch im End­spiel gegen Liver­pool bestehen würde? Ver­wun­dert es, dass wir wieder in dem Gefühl ver­eint waren, dass unser Klub kurz vor dem großen Erfolg schei­terte, dass all die Anstren­gungen wieder nicht rei­chen würden? Unsere Herzen waren durch all die Jahre ver­dammt und ver­letzt.