Die Frisur hat sich ver­än­dert, ist etwas stach­liger geworden. Viel Gel lässt das Haar zackig nach oben stehen. Im Gesicht ist Xavi Her­nandez aber der Gleiche geblieben, die wei­chen Kon­turen geben ihm immer noch fast das gleiche Aus­sehen wie vor 14 Jahren. Am 3. Oktober 1998 hat er sein Liga­debüt in der Pri­mera Divi­sion für den FC Bar­ce­lona unter Trainer Louis van Gaal gegeben – als 17-Jäh­riger. Der Gegner hieß FC Valencia, Barça gewann durch Tore von Patrick Klui­vert, Rivaldo und Sonny Anderson 3:1. Namen, aus einer anderen Epoche, eine gefühlte Ewig­keit her. Klu­viert und Anderson arbeiten inzwi­schen als Trainer, nur Rivaldo steht mit mitt­ler­weile 40 Jahren noch immer auf dem Platz. In Angola. Er hat Geld­pro­bleme. 
Xavi hat den Verein nie gewech­selt. Mit elf kam er zum FC Bar­ce­lona und ist immer dort geblieben. Daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Sein Ver­trag läuft bis 2014, Barça will unbe­dingt bis 2016 ver­län­gern. Xavi wäre dann 36 Jahre alt. Ich spiele so lange, wie mein Körper durch­hält“, sagt er. Momentan sieht es tat­säch­lich so aus, dass er noch vier Jahre spielen könnte.
In den ver­gan­genen Tagen waren die Bilder von Xavis Debüt im kata­la­ni­schen Fern­sehen oft zu sehen. Wegen seines Jubi­läums, aber auch als Ein­stim­mung auf den Cla­sico gegen Real Madrid im Camp Nou. Xavi wird heute gegen den Erz­ri­valen natür­lich auf dem Platz stehen – so wie jedes Mal, wenn es sich für Barça um ein wich­tiges Spiel han­delt. Noch immer ist er der Motor der Mann­schaft und trotz seiner 32 Jahre uner­setz­lich. Das fort­schrei­tende Alter scheint ihm nichts anzu­haben, Xavi wirkt dieser Tage zeitlos gut. Fehlt er, kann es schon mal sein, dass die Maschine FC Bar­ce­lona ins Stot­tern gerät. Zu sehen war das zuletzt vor zwei Wochen, beim Heim­spiel gegen den FC Gra­nada. Die Gäste mischten Beton an, Barça fiel gegen die elf Ver­tei­diger aus Anda­lu­sien wenig ein. Immer wieder rannten sich Lionel Messi und die anderen fest. Die Zeit lief und lief, Trainer Tito Vil­a­nova wurde langsam nervös. Kurz vor Schluss wech­selte er Xavi doch noch ein. Es war die rich­tige Ent­schei­dung. Drei Minuten vor Schluss nagelte der Mit­tel­feld­spieler den Ball zum 1:0 unter die Latte. Golazo sagen sie in Spa­nien dazu – Traumtor. Barça siegte durch einen wei­teren Treffer in der Nach­spiel­zeit 2:0.

Es ist längst nicht mehr so, dass Xavi jedes Spiel bestreitet. Auch des­halb ist er noch immer so gut. Sein Körper ver­langt inzwi­schen nach Pausen, in Spielen gegen ver­meint­lich leichte Gegner bleibt er meist draußen. Vor allem im Winter ist das häu­figer zu beob­achten. Auch in Spa­nien kann es mit­unter recht kühl werden, ist der Boden gefroren oder tro­cken, spielen andere. Thiago Alcan­tara etwa, der Sohn des bra­si­lia­ni­schen Welt­meis­ters Mazinho, der irgend­wann einmal Xavis Erbe als Barças Spiel­ge­stalter über­nehmen soll. Wenn er nicht wie aktuell ver­letzt ist, darf er auf den Plätzen ran, die Gift wären für Xavi und dessen Achil­les­sehnen.

Was macht er im Urlaub? Geht bolzen mit alten Freunden

Vor zwei Jahren, nach der WM in Süd­afrika, konnte sich Xavi kaum noch bewegen vor Schmerzen. Beide Achil­les­sehen waren chro­nisch ent­zündet, eine Folge der vielen Spiele. Barças Spit­zen­kräfte kommen pro Saison auf 60 bis 70 Ein­sätze. Ich stand auf dem Feld, aber Spaß hatte ich dabei nicht mehr“, sagte Xavi später über diese Zeit. Wenn das einer sagt, der selbst seinen Urlaub damit ver­bringt, mit alten Freunden am Strand oder auf dem Bolz­platz Fuß­ball zu spielen, muss es höl­lisch weh getan haben. Bar­ce­lonas dama­liger Trainer Josep Guar­diola redu­zierte Xavis Ein­sätze dras­tisch, auch sein Nach­folger Tito Vil­a­nova hält sich daran.

Zuletzt musste Xavi aber wieder häu­figer spielen, Barça hat aktuell einige Ver­letzte zu beklagen. Negativ aus­ge­wirkt hat sich das bisher nicht, Xavi glänzt im Mit­tel­feld mit seinen prä­zisen Pässen wie eh und je. Auf ihm ruhen beim Cla­sico die Hoffungen der Cules, Bar­ce­lonas Fans. Xavi ist längst so etwas wie der Mister FC Bar­ce­lona. 638 Mal stand er bisher wett­be­werbs­über­grei­fend für die Kata­lanen auf dem Feld – häu­figer als jeder andere vor ihm. Auch seine 20 gewon­nenen Titel, dar­unter 3 Cham­pions-League-Siege und sechs Meis­ter­schaften sind Klub­re­kord. Xavi ist schon jetzt eine Legende.

Nur mit den Toren ging der Meister des genauen Zuspiels sparsam um. Seine Treffer hob sich Xavi meist für die wich­tigen Momente auf. Vor zwei Jahren, beim legen­dären 5:0 gegen Real Madrid traf er etwa. Oder im ver­gan­genen Dezember, als er im Ber­nabeu das 2:1 gegen den großen Rivalen erzielte. Barça siegte am Ende 3:1.

Bei Spielen gegen Real Madrid ist das Sta­dion so voll, da ist Platz für nichts. Man fühlt, dass die Leute nervös sind und die Spieler sind es auch. Ner­vo­sität ist das stärkste Gefühl, wenn du gegen Real Madrid spielst“, hat Xavi in einer Doku­men­ta­tion anläss­lich seines 550. Spiels für den FC Bar­ce­lona gesagt. Seitdem stand er fast schon wieder hun­dert Mal für die Kata­lanen auf dem Platz. Ein Ende der Ära, die vor 14 Jahren ohne Gel und Sta­chel­frisur begann, ist der­zeit nicht abzu­sehen.