Als Santi Cazorla am Wochen­ende vom Platz trat, applau­dierten sie. Seine Mit­spieler, die Trainer und Betreuer, und auch die Spieler des Geg­ners, SD Eibar, klatschten in die Hände, als Cazorla durchs Spa­lier ging. Ein letztes Hurra. Ein erstaun­li­ches Bild. Eines, das Experten vor Jahren für undenkbar hielten. Nicht, weil Cazorla nach seinem letzten Spiel für FC Vil­lareal beson­ders viel Aner­ken­nung zuteil wurde. Nicht, weil er gefeiert wurde. Son­dern weil er noch laufen kann.

Vor mehr als zwei Jahren hatten ihn die Ärzte gewarnt, sich nicht den Illu­sionen hin­zu­geben: Sie sagten mir, wenn ich wieder mit meinem Sohn durch den Garten gehen könnte, sollte ich zufrieden sein“, hat Cazorla einmal über den Besuch bei einem Medi­ziner erzählt. Damals hatte der spa­ni­sche Natio­nal­spieler bereits einen langen Lei­densweg hinter sich. End­sta­tion: Ein Spe­zia­list namens Dr. Mikel San­chez aus Vitoria, im Bas­ken­land. Der schlug beim Anblick des Fußes die Hände über den Kopf zusammen.

Fünf Jahre voller Schmerzen

Der Grund: Eine leichte Ver­let­zung im Sep­tember 2013, vor über sieben Jahren, als er im Test­spiel gegen die chi­le­ni­sche Natio­nal­mann­schaft einen Schlag auf seinen Knö­chel bekam. Dia­gnose: Ein feiner Riss im Kno­chen, kleine Ver­let­zung. Nach einer Ope­ra­tion und 35 Tagen stand Cazorla schon wieder auf dem Platz – und das Mar­ty­rium begann.

Denn nie­mand ahnte, dass sich der Spa­nier, der zu diesem Zeit­punkt noch für Arsenal spielte, im Kran­ken­haus hoch­re­sis­tente Keime ein­ge­fangen hatte, die über die Wunde in den Fuß ein­drangen und in aller Ruhe Sehnen und den Kno­chen zer­setzten. Cazorla spielte, unter Schmerzen, mit Schmerz­mit­teln. Wie er sagt: Wenn ich warm wurde, konnte ich spielen, aber in der Pause, sobald ich mich etwas abkühlte, musste ich weinen.“ Wäh­rend er tea­m­in­tern zum besten Spieler der Saison 2014/15 gewählt wurde, trai­nierte Cazorla seinen linken Fuß – mit rechts ging nichts mehr. Erst bei einer wei­teren Knie­ver­let­zungen nahmen sich die Ärzte noch einmal der Wunde am Fuß an. Sie konnten bis auf den Knö­chel sehen, ohne auch nur einmal das Skal­pell zu benutzen. Cazorla spielte weiter.

Das Tattoo auf der Achil­les­ferse

Bis es nicht mehr ging, im Oktober 2016. Nach einem Cham­pions-League-Spiel gegen Ludo­go­rets Ras­grad hum­pelte der Mit­tel­feld­spieler ohne Hilfe vom Platz. Es sah nicht schlimm aus, aber die Schmerzen waren nicht länger erträg­lich. Die Wunde hatte sich aber­mals ent­zündet. Die Ärzte sagten, er solle eben zufrieden sein, wenn er irgend­wann wieder mit seinem Sohn durch den Gärten laufen könne. Auch eine Ampu­ta­tion schien nicht mehr unwahr­schein­lich. Bis Cazorla zum Spe­zia­listen Dr. San­chez ging, zu einem seiner schwie­rigsten Fälle wurde – und eine zweite Chance erhielt. Die Achil­les­sehne wurde um acht Zen­ti­meter neu kon­stru­iert und ein Teil seines täto­wierten Unter­arms dient seitdem als neue Haut. Jede Bes­se­rung ein großer Fort­schritt. Jede Übung mit dem Ball ein kleines Geschenk.