Eng­li­sche Woche, Flut­licht, Anpfiff 20 Uhr, Top­spiel in der Bun­des­liga! Am 6. Spieltag emp­fing Bayern Mün­chen als Tabel­len­zweiter – ja, sowas gab es tat­säch­lich – den Tabel­len­dritten und amtie­renden Pokal­sieger aus Wolfs­burg in der hei­mi­schen Allianz Arena. Es war die erste rich­tige Standort-Bestim­mung der noch jungen Saison. Pep Guar­diola änderte seine Startelf im Ver­gleich zum Darm­stadt-Spiel am Wochen­ende auf vier Posi­tionen. Draußen blieb auch Robert Lewan­dowski, der es nach Sprung­ge­lenks­pro­blemen zumin­dest in den Kader geschafft hatte. Aber die Elf las sich trotzdem so gut, dass man ihn kaum ver­misste und der Ruf, in wich­tigen Spielen nicht zu treffen, hing ihm schon damals nach.

Orts­wechsel: Los Angeles, Kali­for­nien, kurz vor 11 Uhr Pacific Time. Stimmt! Es ist ja gleich Bun­des­liga. Who’s playing?“, fragte eine befreun­dete Ame­ri­ka­nerin. Ja, wer spielte? Munich versus Wolfs­burg.“, ant­wor­tete mein Vater und ich uni­sono. Let’s watch the game!“ Wolfs­burg stieß dabei nur auf wenig Begeis­te­rung. Also schwangen wir uns ohne sie an einem müden Dienstag aufs Sofa und schal­teten das Spiel zwi­schen Meister und Pokal­sieger ein. End­lich konnte ich mal wieder mit meinem Vater zusammen ein Spiel unserer Bayern anschauen. Die Auf­stel­lungen bekamen wir nicht mehr mit, Anpfiff!

Es fehlte ein treff­si­cherer Stürmer

Schnell fiel auf, dass Wolfs­burg nicht umsonst Pokal­sieger geworden war, auch wenn Kevin De Bruyne danach den Verein gen Man­chester ver­lassen hatte. Und Bayern erwischte nicht den besten Tag. Wolfs­burg ging durch Daniel Cali­giuri ver­dient in Füh­rung und hätte vor der Pause sogar noch nach­legen können. Das hätte es im Urlaub nun wirk­lich nicht gebraucht, die Stim­mung auf der Couch, knapp 10.000 Kilo­meter von der Allianz Arena ent­fernt, war ernüch­tert. Kein Spiel, über das ich noch in Jahren mit meinem Vater in Erin­ne­rungen schwelgen würde können. Zu wenig Spiel­freude, zu wenig Krea­ti­vität, zu wenig Durch­schlags­kraft. Bei uns reifte in der Halb­zeit die Über­zeu­gung, dass ein treff­si­cherer Stürmer an allen Ecken und Enden fehlte.

Gerade das, was den Bayern in der ver­gan­genen Saison in den ent­schei­denden Momenten gefehlt hatte. Im DFB-Pokal ver­passten es die Münchner trotz domi­nanter Leis­tung und klarer Füh­rung den Sack zuzu­ma­chen und schieden so doch noch gegen den BVB aus. Und in der Cham­pions League war gegen den FC Bar­ce­lona Schluss. Auch hier wäre mehr mög­lich gewesen, doch die vor­han­denen Chancen wurden erneut nicht genutzt. Guar­diola sagte nach dem Spiel: Es ist unmög­lich, ihn zu stoppen. Keiner kann Messi kon­trol­lieren.“ Indes: Die Hin­ter­mann­schaft von Bar­ce­lona konnte Lewan­dowski damals kon­trol­lieren. Der Unter­schied-Spieler war Lionel Messi, nicht Lewan­dowski.