Seite 4: Heldt schreibt Briefe an Armin Laschet

Mit der Rück­kehr nach Köln Ende 2019 schloss sich ein Kreis. Wieder so ein Klub, der sein emo­tio­nales Gleich­ge­wicht ins Wanken bringt. Nach dem FC kann für mich nicht mehr viel kommen“, sagt Heldt. Mit wel­chem Klub soll ich mich danach noch iden­ti­fi­zieren?“ Wer weiß, viel­leicht noch 1860 Mün­chen auf die Beine helfen, wo er von 1995 bis 1999 kickte? Seit er wieder daheim ist, so scheint es, will er nicht mehr nur Manager, son­dern auch eine wahr­nehm­bare Stimme aus dem Fuß­ball sein. Er kri­ti­siert öffent­lich die FIFA, weil sie trotz Rei­se­war­nungen die Abstel­lung von Natio­nal­spie­lern ein­klagt. Schreibt Briefe an Armin Laschet, weil die Lan­des­re­gie­rung von NRW erst am Abend vor dem Sai­son­auf­takt gegen Hof­fen­heim ver­fügte, dass keine Zuschauer ins Sta­dion durften, was dem FC einen Aus­fall von rund 700 000 Euro bescherte. Und meckert, dass in der neuen DFL-Taskforce Zukunft des Fuß­balls“ aus vielen Berei­chen Experten säßen, nur an Ver­treter aus Reihen der Spie­ler­be­rater und dem Nach­wuchs­be­reich habe nie­mand gedacht: Dabei sind doch gerade diese Gruppen mit­ent­schei­dend dafür, wie sich der Fuß­ball wei­ter­ent­wi­ckelt“, sagt er. Ich fände es gut, wenn diese Gruppen auch mit am Tisch säßen.“

Horst, denk‘ an Helmut Schmidt, rauch weiter!“

Felix Magath

Es ist Nach­mittag geworden am Geiß­bock­heim. Horst Heldt muss nach Frank­furt. Ein mög­li­cher Transfer, aber erst für den Sommer 2021, zwin­kert er. Heute schon an morgen denken, getreu seinem Motto: Leis­tung ist planbar, Ergeb­nisse nicht.“ Gleich wird er in seinen schwarzen Ford Mus­tang GT steigen. Neben den Ziga­retten die andere kleine Extra­va­ganz, die er sich aus seiner Spiel­er­zeit erhalten hat. Die meisten Ex-Profis in seinem Alter sind längst auf SUVs umge­stiegen. Stich­wort: Spät­schäden. Lädierte Knie machen das Ein- und Aus­steigen bei tief­lie­genden Sport­wagen zur Tortur. Doch Heldt hat sich beim Auto­partner des FC die röh­rende Macker-­Ka­rosse aus­ge­sucht. Eine Remi­nis­zenz an seine Lehr­zeit als Mecha­niker.

Heldt TER8278 WEB

Horst, lass das mit den Fluppen: Hat Marco Höger gesehen, was der Manager wäh­rend des Trai­nings gemacht hat?

Nikita Teryo­shin

Vor zwei Jahren hat er end­lich die Ent­zweiung mit Felix Magath gekittet. Er kon­tak­tierte seinen Mentor, weil er in Han­nover einen Nach­folger für André Brei­ten­reiter suchte. Es musste ein Ruck durchs Team gehen, und wer hätte den besser erzeugen können als der eme­ri­tierte Quälix“? Das Enga­ge­ment schei­terte am Veto einiger Mit­glieder der Klub­füh­rung, doch seitdem tele­fo­nieren Magath und er wieder regel­mäßig. Heldt sagt, er sei gott­froh“, dass der Zwist bei­gelegt ist. Als er Magath erzählte, dass er mit dem Gedanken spiele, das Rau­chen auf­zu­geben, wurde der Coach kurz noch mal streng: Horst, bist du ver­rückt? Denk an Helmut Schmidt! Der Schock des Ent­zugs schadet dir viel mehr als das Wei­ter­rau­chen.“