Seite 2: In seinem Umhang sah er aus wie Superheld

Und doch fehlte Palermo für eine ganz große Welt­kar­riere der erfolg­reiche Schritt über den Teich. Sein Aus­flug nach Europa endete jäh, in Spa­nien, wo er sich bei Vil­lareal, Sevilla und Alaves ver­suchte, kam er nie­mals an und flüch­tete schnell wieder zu Boca. Alles geschenkt, Palermo brauchte keinen Erfolg außer­halb seiner Heimat, denn da tragen sie ihn auf Händen durch das Bom­bonera.

2011 trat Palermo end­gültig von der Fuß­ball­bühne ab. In La Plata, Palermos Geburtsort, gegen Gim­nasia. Natür­lich spielte El Loco – und legte immerhin ein Tor auf. Obwohl er seinen Abschied bereits am Wochen­ende zuvor hatte, denn da betrat er das letzte Mal den Rasen des legen­dären La Bom­bonera. Und nach dem bedeu­tungs­losen Spiel gegen Ban­field bra­chen die Dämme. Nie­mand ver­ließ das Sta­dion, ein Musiker spielte die argen­ti­ni­sche Natio­nal­hymne auf der Mund­har­mo­nika. Die Menge auf den Rängen stimmte ein, junge Mäd­chen und alte Männer lagen sich trä­nen­über­strömt in den Armen. Aus seiner Loge blickte Diego Armando Mara­dona sprachlos auf das Feld. Ein Gän­se­h­aut­mo­ment. Palermo griff mit roten Augen zum Mikrofon und sprach ein letztes Mal zu seinen Afi­cio­nados: Es geht mir im Moment viel durch den Kopf. Ich bin sehr dankbar für alles. Die gemein­samen Jahre, alle Erfolge und die trau­rigen Momente. Ich konnte euch nur mit meinen Toren etwas zurück­geben.“ 

Ein letzter Blick gen Himmel

Plötz­lich rollten zwei Gabel­stapler auf den Rasen und rissen eines der beiden Tore aus seiner Ver­an­ke­rung. An der Latte des Gehäuses prangte eine gol­dene Pla­kette mit Palermos Namen. Ein letztes Geschenk des Klubs an seinen größten Tor­jäger. Nimm es mit. Es ist deins“, sprach der Prä­si­dent. Das Tor, Palermos ewiger Antrieb, sein Benzin, sein Eli­xier, nun ist es end­gültig seins.

Jemand hatte ihm kurz zuvor einen Samt­um­hang umge­legt. Er sah aus wie eine Super­held in blau und gelb, den Farben Bocas. Auf seinem Rücken stand in gol­denen Let­tern Super Martin“. Und als er seine zigste Ehren­runde durch das Sta­dion lief, blickte er einmal ganz kurz gen Himmel. Es war, als wollte er sagen: Pass auf, Fuß­ball­gott. Der Hei­lige Martin kann jetzt auch fliegen.“