Seite 3: „Es gab keinen Plan B“

Was viele nicht wissen: Sie hatten nach Ihrem Weg­gang aus Frank­furt eine erfolg­reiche Kar­riere im Aus­land, spielten bei 13 Ver­einen. Wo war es am Schönsten?
Zwi­schen 1996 und 2002 in Israel und Öster­reich. Hapoel Haifa war fan­tas­tisch: am Meer Fuß­ball spielen, immer gutes Wetter, traum­haft. Und in Öster­reich war es schön ruhig, genau das, was ich brauchte nach den tur­bu­lenten Jahren in Deutsch­land. Beim Grazer AK spielte ich unter Klaus Augen­thaler, der dort seine erste Trai­ner­sta­tion absol­vierte.
 
Sie haben für einen Mit­tel­feld­spieler eine beacht­liche Tor­quote. Für Graz, Ried und Haifa schossen Sie in 178 Spielen 75 Tore. Gab es nie mehr Ange­bote aus dem Aus­land?
Aus Spa­nien fragte mal ein Verein an, aus der Bun­des­liga nie mehr. Erst später, in den 2000er Jahren, kehrte ich wieder heim. Ich spielte für Frei­burg, den FSV Frank­furt und recht erfolg­reich für Darm­stadt 98.
 
Hatten Sie mal Exis­tenz­ängste?
Ich habe mir in jungen Jahren wenig Gedanken gemacht, das war eine unbe­küm­merte Zeit, da dachte ich, dass alles immer weiter nach oben läuft. Aber was hätte ich gemacht, wenn ich nach dem Kreuz­band­riss nie wieder hätte spielen können? Es gab keinen Plan B.
 
Herr Anicic, schauen Sie heute noch regel­mäßig Fuß­ball?
Klar, vor allem die Ein­tracht und Darm­stadt. Aber natür­lich auch gerne Cham­pions League.

Und wem sehen Sie lieber zu: Cris­tiano Ronaldo oder Alex­ander Meier?

Das kann man nicht so ein­fach beant­worten. In einer Mann­schaft braucht man beide Spie­ler­typen, einen sach­li­chen Tor­jäger der alten Schule, der alles für sein Team tut. Und auch gerne eine exzen­tri­schen Trickser, der pola­ri­siert. Wobei ich sagen muss, dass Ronaldo ja auch eine Ent­wick­lung durch­ge­macht hat. Früher hat er viel für die Galerie gespielt, da war viel unnütze Show. Heute spielt er effektiv und sehr pro­fes­sio­nell. Er hat das Glück, in einer Zeit Profi zu sein, in der andere ihm auch Rat­schläge geben. So konnte er früh aus seinen Feh­lern lernen – oder sie gar nicht erst machen.