Abseits aller neuen Rekorde in Sachen Zuschauer oder Ein­schalt­quoten war diese Fuß­ball-Euro­pa­meis­ter­schaft der Frauen mit­rei­ßend wie noch nie. Das Finale in Wem­bley vor aus­ver­kauftem Haus war der wür­dige Rahmen für ein sport­lich hoch­klas­siges Tur­nier und dürfte spä­tes­tens nach dieser Leis­tung auch die letzten kri­ti­schen Stimmen ver­stummen lassen. Bei dem 2:1‑Sieg des Gast­ge­bers über Deutsch­land zeigten die beiden besten Teams der EM sowohl in tak­ti­scher als auch tech­ni­scher Hin­sicht ihr ganzes Können.

Das Niveau ist allein in den letzten fünf Jahren seit der EM 2017 in den Nie­der­landen deut­lich gestiegen. In der Defen­sive über­zeugten schon seit län­gerer Zeit viele Nationen, doch im Spiel mit Ball haperte es teil­weise. Dass sich das geän­dert hat, unter­streicht auch der höchste Tor­durch­schnitt mit 3,07 Tref­fern pro Spiel seit der EM 2005.

Mann­schaft­liche Geschlos­sen­heit statt großer Stars

Ebenso in tak­ti­schen Belangen haben sich meh­rere Teams bei dieser Aus­tra­gung wei­ter­ent­wi­ckelt. Neben Deutsch­land, Eng­land und Frank­reich, die ein nahezu per­fektes Pres­sing­ver­halten zeigten, hatten auch klei­nere Nationen wie Öster­reich mit diesem Kon­zept Erfolg.

Es war nicht das Tur­nier der ganz großen Stars, was vor allem die beiden Fina­listen Eng­land und Deutsch­land unter­mau­erten, die dank ihrer geschlos­senen Team­leis­tungen solch einen Erfolg ver­zeichnen konnten. Auch Frank­reich schaffte es trotz der Ver­let­zung von Top-Tor­jä­gerin Marie-Antoi­nette Katoto bis ins Halb­fi­nale. Bei Spa­nien schmerzte natür­lich der Aus­fall von Welt­fuß­bal­lerin Alexia Putellas und Kapi­tänin Jen­nifer Her­moso. Trotzdem über­zeugte auch La Sel­ección“ bei der EM. Zuletzt schien selbst Deutsch­land noch von Spie­le­rinnen wie Dzse­nifer Marozsán abhängig, was sich spä­tes­tens jetzt geän­dert hat. Diese Abhän­gig­keit ist bei­spiels­weise bei Däne­mark mit Kapi­tänin Per­nille Harder oder Nor­wegen mit Ada Heger­berg noch immer gegeben, stellt aber eher die Aus­nahme dar.

Mit Köpf­chen

Auf­fällig gut war das Kopf­ball­spiel, das eine viel grö­ßere Rolle spielte bei der EM und das nicht nur wegen des ein­drucks­vollen Tref­fers von Alex­andra Popp im Halb­fi­nale gegen Frank­reich. Allein 27 von 95 Toren wurden per Kopf erzielt. An diesen Wert kam keines der letzten großen Tur­niere auch nur annä­hernd ran.

Die EM hatte Über­ra­schungen sowohl in posi­tiver als auch nega­tiver Hin­sicht zu bieten. Eine kleine Ent­täu­schung war Nor­wegen, das im letzten Spiel gegen Öster­reich den Einzug in die K.o.-Phase ver­passte. Die Nor­we­ge­rinnen waren zwar nicht unbe­dingt die Favo­ri­tinnen auf den Titel, der Einzug ins Vier­tel­fi­nale war aber das aus­ge­schrie­bene Ziel.

Nur eine Etappe

Das Ver­passen allein wäre nicht ganz so dra­ma­tisch gewesen, wäre da nicht die 0:8‑Niederlage gegen Eng­land, bei der die Nor­we­ge­rinnen quasi ver­wei­gerten, zu ver­tei­digen. Der Einzug Öster­reichs war hin­gegen eine posi­tive Über­ra­schung, die nicht unbe­dingt zu erwarten war.

Beste Spie­lerin des Tur­niers wurde die Eng­län­derin Bethany Mead, die vier Vor­lagen gab und sechs Treffer erzielte. Lena Ober­dorf wurde zur besten jungen Spie­lerin gewählt und gehörte auch gene­rell zu den besten Akteu­rinnen der EM. Ins­ge­samt war die Euro­pa­meis­ter­schaft fuß­bal­le­risch so gut wie noch nie und begeis­terte tau­sende Men­schen unter­schied­lichster Nationen. Diese Ent­wick­lung sollte eine Etappe sein, nach oben ist immer noch Luft.

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