Zwei deut­schen Natio­nal­spie­lern mit tür­ki­schen Wur­zeln gefällt das Foto eines befreun­deten Stür­mers. Weil der Ein­trag zugleich ein Gruß an die tür­ki­sche Armee ist, die gerade in Nord­sy­rien ein­fällt, machen beide Spieler ihren Like schnell wieder rück­gängig. Ilkay Gün­dogan beteuert: Nach dem letzten Jahr ist das Letzte, was ich wollte, ein poli­ti­sches State­ment zu setzen. Ich habe den Like bewusst zurück­ge­nommen.“ Nichts gelernt!“, erwi­dert die Bild-Zei­tung. Zwei Klicks bringen Deutsch­land zum Durch­drehen. Doch das Pro­blem ist größer.

Andere Dimen­sion

Ab jetzt herrscht Krieg“, schreibt die Spiegel-Jour­na­listin Alex­andra Rojkov am Sonntag, als sie erklärt, was uner­klär­lich scheint, was näm­lich aktuell an der tür­kisch-syri­schen Grenze geschieht. Die tür­ki­sche Armee greift das Gebiet von den dort lebenden Kurden an, US-Sol­daten waren zuvor abge­rückt, die syri­schen Truppen befinden sich auf dem Vor­marsch und IS-Häft­linge bre­chen aus den Gefäng­nissen aus. Prä­si­denten drohen, Gra­naten explo­dieren, Men­schen sterben. Der luxem­bur­gi­sche Außen­mi­nister Jean Assel­born nennt die tür­ki­sche Ope­ra­tion ein Ver­bre­chen“, sagt aber auch: Wir sind als Euro­päer nicht in der Lage, das zu stoppen. Das muss man den Leuten ehr­lich sagen.“

Nur um mal die Dimen­sionen zu beschreiben. Was bedeuten da schon Likes und Grüße von Fuß­bal­lern?

Wer die Reak­tionen darauf am Mon­tag­morgen betrachtet, muss denken: ziem­lich viel. Immerhin sind die Zei­tungs- und Kom­men­tar­spalten voll davon, auf der Pres­se­kon­fe­renz muss Joa­chim Löw Stel­lung beziehen, Poli­tiker äußern sich – auch unge­fragt. Das Thema bewegt. Es gibt ja auch reich­lich zu dis­ku­tieren.

An der Seite von Sol­daten

Am Frei­tag­abend hatten die tür­ki­schen Spieler geju­belt, als ihr Stürmer Cenk Tosun in der 90. Minute zum 1:0 gegen Alba­nien getroffen hatte. Nicht laut, nicht eksta­tisch, son­dern mit der rechten, fla­chen Hand zur Stirn. Ein Mili­tär­gruß, den sie später in der Kabine bei einem Mann­schafts­foto wie­der­holten. Der tür­ki­sche Fuß­ball­prä­si­dent Nihat Özdemir hatte schon vor dem Spiel gesagt: Wir alle, die Spieler und die sport­liche Lei­tung, sind mit Gebeten an der Seite unserer Sol­daten.“ Spieler wie Hakan Cal­ha­noglu, Merih Demiral und eben Cenk Tosun ver­brei­teten die Gruß­bot­schaften auch in den sozialen Netz­werken. Dabei zeigt die Ver­gan­gen­heit, dass die Unter­stüt­zung der tür­ki­schen Armee durch tür­ki­sche Sportler genauso wenig über­ra­schend ist wie der Ein­marsch ent­setz­lich unge­recht und dumm erscheint.

Auch der beim FC St. Pauli spie­lende Cenk Sahin zeigte sich bei Insta­gram soli­da­risch, die Düs­sel­dorfer Kaan Ayhan und Kenan Karaman waren auf dem tür­ki­schen Mann­schafts­foto zu sehen, wäh­rend sie den Sieg den tap­feren Sol­daten und Mär­ty­rern“ widmen. Ilkay Gün­dogan, durch das Foto mit Prä­si­dent Recep Erdogan vor­be­lastet, und Emre Can likten eins dieser Bilder. Nahmen dies kurz darauf zurück. Alle zusammen, und ganz beson­ders die beiden Natio­nal­spieler, stehen des­halb also im Fokus der Kritik.