Seite 2: Was wohl in Özils Akte stand?

Offen­sive Mit­tel­feld­spieler stehen dabei tiefer, dienen ledig­lich als Anspiel­sta­tion im Aufbau und, idea­ler­weise, als nach­rü­ckende Tor­schützen. Selbst, wenn Emerys Mit­tel­feld­spieler nicht zum Abschluss kommen, beschäf­tigen sie Gegner, die dadurch wie­derum den Außen­spie­lern mehr Platz lassen müssen. Özil mag ein Krea­tiv­genie sein. Aber er ist alles andere als eine Tor­ma­schine und gibt sich auch keine Mühe, einen anderen Ein­druck zu erwe­cken.

Noch pro­ble­ma­ti­scher als sein Spiel­stil mit dem Ball dürfte für Emery das Defen­siv­ver­halten des Ex-Natio­nal­spie­lers sein. Özil hat sich noch nie durch Arbeit gegen den Ball aus­ge­zeichnet. Aber Emerys Pres­sing ver­langt den Spie­lern im Zen­trum beson­ders viel Dynamik, Initia­tive und Aggres­si­vität ab. Er erwartet von seinen Spie­lern, nach Ver­lust des Balles sofort Druck auf den Gegner aus­zu­üben.

Teams sind dann am ver­wund­barsten, wenn sie den Ball noch nicht völlig kon­trol­lieren und von einer Abwehr- in eine Angriffs­for­ma­tion wech­seln. Bleibt der Gegner den­noch im Ball­be­sitz, lässt Emery sein Team in eine Abwehr­for­ma­tion wech­seln und so genannte Pres­sing­fallen“ auf­stellen. Dazu soll der Gegner mit dem Ball in beson­ders pre­käre Bereiche des Spiel­feldes gelotst werden. Dort stehen ihm am wenigsten Raum und Anspiel­sta­tionen zur Ver­fü­gung, zum Bei­spiel mit dem Rücken zur Außen­linie. Sobald ein Gegen­spieler sich mit dem Ball dorthin begibt, stürzen sich wieder mög­lichst viele Spieler nach ein­stu­diertem Schema auf Gegner und Pass­wege.

Was wohl in Özils Akte stand? 

Wenn Özil sich, seinem Stand und Ver­dienst gemäß, für Emery unver­zichtbar machen will, muss er sich völlig neu erfinden. In Momenten hat er seine Bereit­schaft dazu demons­triert, Gegner ange­laufen, Schüsse geblockt. Aber mit dreißig Jahren einen völlig neuen Spiel­stil zu adop­tieren, einen phy­sisch for­dernden noch dazu, scheint nahezu unmög­lich. Außerdem erweckt es den Anschein, als würde Emery den Gel­sen­kir­chener lieber mög­lichst schnell los­werden wollen.

Ihn nicht in die Startelf zu berufen, ist eine Sache. Aber einen derart effek­tiven Krea­tiv­spieler über­haupt nicht zu nomi­nieren, ergibt sport­lich keinen Sinn. Zumal Arsenal nicht gerade mit einer Fülle erst­klas­siger Aus­wech­sel­spieler gesegnet ist. Davon, ob es ange­sichts seines enormen Gehalts von 400.000 Euro in der Woche und der momentan begrenzten Nach­frage für klas­si­sche Zehner über­haupt Inter­es­senten für Özil gibt, mal abge­sehen.

Auf die Frage, warum sich der Vor­stand bei all den Bewer­bern mit Rang und Namen aus­ge­rechnet für Unai Emery ent­schieden habe, ver­wies der dama­lige Geschäfts­führer Ivan Gazidis auf dessen Detail­ver­ses­sen­heit. Er hat uns eine Ana­lyse vor­ge­legt, nicht nur zu seiner Arbeits­weise, seinen Trai­nings­me­thoden und seinem Team. Er hatte zudem eine Ana­lyse für jeden ein­zelnen unserer Spieler, ihre Qua­li­täten und seiner Vor­stel­lung, wie er sie indi­vi­duell und kol­lektiv ver­bes­sern kann.“ Was wohl in Özils Akte stand?