Seite 2: Warum der Fußball unperfekt bleiben wird

Viel­leicht war die Auf­re­gung auch des­halb so groß, weil es am Wochen­ende noch einen ganz ähn­li­chen Fall gab. Da hatte der Düs­sel­dorfer Mat­thias Zim­mer­mann einen Ball von der Sei­ten­aus­linie gekratzt und eine Flanke geschlagen, die sein Kol­lege Niko Gieß­el­mann zum Füh­rungstor gegen den VfL Wolfs­burg ver­wan­delte. Auch hier war letzt­lich nicht zu veri­fi­zieren, ob der Ball bereits jen­seits oder noch gerade so auf der Linie gewesen war, was einen der Geschä­digten, Wolfs­burgs Sport­chef Jörg Schmadtke, zur Gene­ral­kritik ani­mierte: Da brau­chen wir dann überall die 3D-Technik, so wie an der Tor­linie bei einer Tor­ent­schei­dung.“

Totale Über­wa­chung

Eine Aus­sage, die nichts anderes bedeutet, als dass Ent­schei­dungen, die aus­schließ­lich dem mensch­li­chen Auge ver­trauen, im modernen Pro­fi­fuß­ball offen­kundig nicht mehr tragbar sind. Wohl­ge­merkt, wir reden hierbei nicht von im Nach­hinein auf­ge­deckten ein­deu­tigen Fehl­ur­teilen, son­dern von Ent­weder-Oder-Situa­tionen, die noch nach dem x‑ten Drauf­schauen so oder so ent­schieden werden könnten.

Wenn Schmadtke das also ernst meint, was er da sagt, will er nichts anderes als die totale tech­ni­sche Über­wa­chung des Fuß­balls, die finale Digi­ta­li­sie­rung eines Spiels, das seinen Charme seit jeher dem Ana­logen und Unper­fekten ver­dankt. Aber Moment“, sagen in sol­chen Fällen stets die Befür­worter des VAR, es geht hier schließ­lich um sehr viel Geld. Und wollen wir nicht alle, dass der Fuß­ball gerechter wird?“

100 Pro­zent gibt es nicht

Klare Ant­wort: geht so. Die Ver­mei­dung offen­sicht­li­chen Unfugs auf dem Fuß­ball­platz mag ja ein berech­tigtes Anliegen sein. Wenn aber irgend­wann jeder Qua­drat­zen­ti­meter ver­messen und aus­spio­niert ist, geht der Schuss nach hinten los. Denn wie in einem sol­chem Klima der Über­re­gu­lie­rung jene Mythen und Legenden ent­stehen sollen, die diesen Sport erst groß gemacht haben, weiß nur der Geier.