Am Sonn­tag­abend sollte es end­lich soweit sein: Nachdem mona­te­lang dar­über spe­ku­liert worden war, für welche Natio­nal­mann­schaft Lever­ku­sens Flü­gel­stürmer Leon Bailey in Zukunft spielen würde, schien er sich end­lich ent­schieden zu haben. Trotz der Tat­sache, dass Länder wie Eng­land oder Deutsch­land im Raum standen, wollte er von nun an für sein Geburts­land Jamaika auf­laufen.

Ein Ent­schluss, der man­cher­orts als Her­zens­ent­schei­dung“ gewertet wurde, wohl aber eher dadurch zu Stande kam, dass die Reggae Boyz“ das ein­zige Team sind, für das der 21-jäh­rige spiel­be­rech­tigt ist. Zwar hat Bailey eng­li­sche Groß­el­tern, doch da diese nicht auf der Insel geboren wurden, kann er die Staats­bür­ger­schaft nicht bean­tragen. Und für eine Ein­bür­ge­rung in Deutsch­land, die in einigen Bou­le­vard­zei­tungen als Alter­na­tive genannt wurde, lebt er noch nicht lange genug in der Bun­des­re­pu­blik.

Wort­bruch des Ver­bands?

In der letzten Woche reiste er also zum ersten Mal zum Natio­nal­team, das im Insel­staat Bon­aire, der zu den Nie­der­landen gehört, antreten musste. Alles schien ange­richtet für Bai­leys Pre­miere, doch wenige Stunden vor Anpfiff ver­kün­dete er, dass er für einen Ein­satz nicht zur Ver­fü­gung stünde.

Grund dafür sei die Tat­sache, dass er mit dem jamai­ka­ni­schen Ver­band abge­macht habe, gemeinsam mit seinem Halb­bruder Kyle Butler auf dem Platz zu stehen, dieser aller­dings nach einem Pro­be­trai­ning wieder nach Hause geschickt wurde. Das stieß Bailey so sauer auf, dass er öffent­lich von Wort­bruch“ sprach und behaup­tete, ohne die rich­tige Unter­stüt­zung“ nicht für Jamaika spielen zu können.

Ob es sich dabei um das ein­zige Motiv für seine Ent­schei­dung han­delt, darf zumin­dest bezwei­felt werden. Schließ­lich befinden sich Bai­leys Stief­vater, der gleich­zeitig dessen Berater ist, und die Jamaica Foot­ball Fede­ra­tion“ (JFF) seit Jahren im Dau­er­streit. Grund dafür ist, dass But­tler Spieler seiner Sport­schule aus der Haupt­stadt King­ston vom Ver­band benach­tei­ligt sieht. Diese Fehde soll auch die Ursache dafür sein, dass über­haupt über andere Natio­nal­mann­schaften, in denen Bailey zum Ein­satz hätte kommen können, spe­ku­liert wurde.

Bedin­gung: der Halb­bruder spielt mit

Dessen Wei­ge­rung, am Sonntag auf­zu­laufen, dürfte das Ver­hältnis zwi­schen Berater und Spieler auf der einen Seite und dem Ver­band auf der anderen Seite nicht gerade ver­bes­sert haben. Bailey ließ zwar ver­lauten, in Zukunft gerne das Trikot seines Landes tragen zu wollen, knüpfte dies aber nach wie vor an die Bedin­gung, seinen Halb­bruder an seiner Seite zu haben.

Ob der Ver­band dem nach­geben wird, scheint zumin­dest zwei­fel­haft. Die Mann­schaft zeigte sich von dem ganzen Theater jeden­falls unbe­ein­druckt und fegte Bon­aire mit 6:0 vom Platz.