Iñaki Wil­liams konnte nicht fassen, was er da in der 69. Spiel­mi­nute zu hören bekam. Erzürnt schritt er vom Platz und hob seinen Arm in Rich­tung der geg­ne­ri­schen Fan­kurve. Doch es waren nicht etwa der Spiel­stand von 1:1 oder seine Aus­wechs­lung, die den Spa­nier derart zornig und sauer machten.

Aber was genau war pas­siert? In der Begeg­nung zwi­schen Espanyol Bar­ce­lona und Ath­letic Bilbao am ver­gan­genen Wochen­ende kam es zu häss­li­chen ras­sis­ti­schen Vor­fällen sei­tens einiger Anhänger der Kata­lanen gegen­über dem geg­ne­ri­schen Stürmer Iñaki Wil­liams. Bil­baos Trainer Gaizka Gari­tano hatte sein 25-jäh­riges Sturm­juwel in der 69. Spiel­mi­nute vom Feld genommen, wor­aufhin sich ein hand­fester Skandal ent­wi­ckelte: Einige Fans, die in der Kurve Espan­yols standen, belei­digten Wil­liams bei seinem Gang zur Aus­wech­sel­bank mit Affen­lauten. 

Nach dem Spiel äußerte sich der Stürmer zu den Vor­fällen: Ich bin traurig. Einer­seits wegen des Unent­schie­dens, aber vor allem, weil ich ras­sis­tisch belei­digt wurde. Die Men­schen sollen ins Sta­dion kommen, um den Fuß­ball zu genießen und ihr Team anzu­feuern. Dies ist ein Mann­schafts- und Freund­schafts­sport. Es ist ein ziem­lich trau­riger Tag für mich.“

„Iñaki, wir stehen hinter dir!"

Als Ant­wort auf die ekligen Atta­cken, denen sich Iñaki Wil­liams wäh­rend der Begeg­nung mit Espanyol aus­ge­setzt sah, trugen die Basken beim Auf­wärmen vor dem Pokal­spiel gegen CD Tene­riffa im spa­ni­schen Pokal alle­samt das Trikot ihres Stür­mers.

Aus­ge­rechnet die Fans von Tene­riffa gingen aller­dings noch einen Schritt weiter. Mit einem starken State­ment zeigten der Verein und die Fans Ras­sismus und jeg­li­cher Frem­den­feind­lich­keit die Rote Karte. In der neunten Spiel­mi­nute, die Rücken­nummer von Wil­liams ist die Nummer Neun, stimmten die Zuschauer auf den Rängen anti­ras­sis­ti­sche Gesänge an. Zudem hatten die Fans von Tene­riffa vor der Begeg­nung in der Copa del Rey zahl­reiche Banner und Tafeln als Soli­da­ri­täts­be­kun­dung für Wil­liams vor­be­reitet. So bekam Iñaki Wil­liams bei­spiels­weise die Sätze Nein zu Ras­sismus. Nein zu Gewalt, egal in wel­cher Form“ oder Iñaki, wir stehen hinter dir!“ zu lesen.

Wil­liams bedankte sich für die zahl­rei­chen Gesten von CD Tene­riffa und dessen Fans via Twitter: Vielen Dank Tene­riffa, Dan­ke­schön! Ich werde diese Nacht nie ver­gessen. Der Dank gilt nicht nur für mich selbst, son­dern für alle Men­schen, die täg­lich dar­unter leiden und damit zu kämpfen haben. Hof­fent­lich bis bald!“

Die zahl­rei­chen Aktionen vor und wäh­rend des Spiels haben den gebür­tigen Bil­baoer Wil­liams anschei­nend ordent­lich beflü­gelt. Denn nach zwei­ma­liger Füh­rung von Tene­riffa glich er mit einem Dop­pel­pack aus und führte sein Team in die Ver­län­ge­rung, in der das Spiel aller­dings immer noch keinen Sieger fand. Im Elf­me­ter­schießen blieb Tene­riffa dann die große Über­ra­schung ver­wehrt. Die Chicharrero„aus Tene­riffas Haupt­stadt schieden denkbar knapp aus dem Pokal aus.

Verfahren gegen Espanyol-Anhänger

Sowohl Ath­letic Bilbao, als auch die spa­ni­sche Liga und der Ver­band nahmen nach dem Spiel gegen Espanyol die Ermitt­lungen gegen die Täter auf und konnten inzwi­schen bereits erste Erfolge ver­melden. So iden­ti­fi­zierten sie mit­hilfe von Video­ma­te­rial zwölf betei­ligte Per­sonen, wie Espanyol in einer offi­zi­ellen Stel­lung­nahme berich­tete. Der Verein schrieb außerdem: Der Club legt diesen voll­stän­digen Bericht der Kom­mis­sion vor, um die geeig­neten Maß­nahmen in den internen Dis­zi­pli­nar­be­stim­mungen des Clubs fest­zu­legen, die die Aus­set­zung der Mit­glied­schaft und der Mit­glieds­karten sowie den Aus­schluss jeg­li­cher vom Club aus­ge­führter Akti­vi­täten zur Folge haben können.“

Wei­terhin erklärte der Verein, dass die Täter kei­nes­wegs die Politik und Ansichten des Ver­eins reprä­sen­tieren würden: Der RCD Espanyol de Bar­ce­lona bekräf­tigt erneut, dass wir jede Form ras­sis­ti­scher oder gewalt­tä­tiger Art kon­se­quent ver­ur­teilen. In der 119-jäh­rigen Geschichte hat sich unsere Orga­ni­sa­tion stets strikt für Werte wie Respekt, Tole­ranz und Mensch­lich­keit ein­ge­setzt, die über sämt­li­chen sport­li­chen Ergeb­nissen stehen.“

Der Eklat nach Wil­liams Aus­wechs­lung am Samstag hatte eine ganze Schar an Soli­da­ri­täts­be­kun­dungen her­vor­ge­bracht, in die sich sogar der spa­ni­sche Minis­ter­prä­si­dent Pedro Sán­chez ein­reihte. Via Twitter nahm er Stel­lung zu den Vor­fällen im RCDE Sta­dium von Espanyol: Wir können diese Art ras­sis­ti­schen Ver­hal­tens nicht länger tole­rieren. Es ist unsere Auf­gabe, Mensch­lich­keit und Respekt stärker zu för­dern.“